Anschlag in Berlin

Automatisches Bremssystem beendete die Amokfahrt

Die Polizei hat in Berlin einen möglichen Kontaktmann des mutmasslichen Attentäters Anis Amri festgenommen. Ausserdem hat sich gezeigt, dass die Amok-Fahrt dank des automatischen Bremssystems endete.

Die deutschen Ermittler haben offenbar Anhaltspunkte, dass der mutmassliche Attentäter von Berlin ein Netzwerk gehabt hatte. Die Bundesanwaltschaft liess deshalb einen möglichen Kontaktmann des tatverdächtigen Tunesiers festnehmen.

"Die weiteren Ermittlungen deuten darauf hin, dass er in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte", erklärte die Bundesanwaltschaft am Mittwoch in Karlsruhe. Die Telefonnummer des 40-jährigen Tunesiers fand sich auf dem sichergestellten Handy des mutmasslichen Attentäters. Bis zum Donnerstag werde nun geprüft, ob Haftbefehl gegen den Mann beantragt werde.

Einem Sprecher der Bundesanwaltschaft zufolge wurde der Mann in Berlin festgenommen. Auch dessen Wohn- und Geschäftsräume wurden durchsucht.

Parallel prüfen die Ermittler, ob Anis Amri bei seiner Flucht auch durch die Niederlande reiste. Im Rucksack des am Freitag in Italien erschossenen Tunesiers wurde eine niederländische SIM-Karte gefunden, wie die Nachrichtenagentur dpa von Ermittlern in Mailand erfuhr.

Amri war den bisherigen Ermittlungen zufolge am Montag vor Weihnachten mit einem Lastwagen über den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche im Herzen Berlins gefahren. Elf Menschen starben dabei, 55 wurden verletzt.

Automatisch gebremst

Zudem wurde der polnische Lastwagen-Fahrer erschossen auf dem Beifahrersitz gefunden. Er soll am Freitag beigesetzt werden. Zunächst war spekuliert worden, dass der Pole während des Anschlags noch am Leben gewesen war und Schlimmeres verhindert habe.

Deutsche Medien berichteten nun am Mittwoch, dass der Tunesier dem polnischen Chauffeur schon vor Anschlagsbeginn in den Kopf geschossen habe. Dass der Lastwagen nach rund 80 Metern zum Stillstand gekommen war sei einem automatischen Bremssystem zu verdanken. Dieses reagiere auf einem Aufprall und betätige automatisch die Bremsen, meldeten die "Süddeutsche Zeitung" und die Sender NDR und WDR unter Berufung auf Ermittler.

Vier Tage nach dem Anschlag hatten italienische Polizisten den tatverdächtigen Tunesier Freitagnacht in Sesto San Giovanni nördlich von Mailand erschossen, nachdem dieser bei einer Personenkontrolle das Feuer auf die Beamten eröffnet hatte.

Die Szenerie am Berliner Breitscheidplatz am Montagabend.

Die Szenerie am Berliner Breitscheidplatz am Montagabend.

Mit Fernbus geflüchtet

Französische Medien berichteten, dass Amri per Fernbus aus den Niederlanden ins ostfranzösische Lyon gereist sei, bevor er von dort nach Italien fuhr. Nach Mailand reiste er über Turin: Die italienische Polizei veröffentlichte auf Twitter ein Foto, auf dem er am Turiner Bahnhof Porta Nuova am vergangenen Donnerstagabend von hinten zu sehen ist. Er ist alleine in der Bahnhofshalle unterwegs.

Amris Leiche befindet sich italienischen Ermittlern zufolge nach wie vor in der Gerichtsmedizin in Mailand, da die Obduktion noch nicht abgeschlossen ist.

In Rom soll in den kommenden Tagen geklärt werden, ob Amri mit derselben Waffe auf die Polizisten in Mailand schoss, mit der auch der Lastwagenfahrer beim Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz getötet wurde.

Noch immer ist unklar, warum sich Amri nach Italien absetzte. Die Behörden prüfen derzeit, ob der 24-Jährige im Land Unterstützer hatte. Er war 2011 als Flüchtling nach Italien gekommen, wurde zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt und verbüsste diese in verschiedenen Gefängnissen.

Schweigeminute am Zürcher Weihnachtsmarkt für Opfer von Berlin

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Zürich - 20.12.16 - Am gutbesuchten Weihnachtsmarkt auf dem Zürcher Sechseläuten-Platz gingen am Dienstagabend für ein paar Minuten die Lichter aus. Mit Kerzen und einer Schweigeminute wurde den Opfern des Terroranschlages in Berlin gedacht.

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