Österreich

Auf Strache folgt Hofer: Jetzt rückt der freundliche Rechte an die Spitze der FPÖ

Der 48-jährige Norbert Hofer wurde am Sonntag vom FPÖ-Präsidium als neuer Parteichef designiert.

Der 48-jährige Norbert Hofer wurde am Sonntag vom FPÖ-Präsidium als neuer Parteichef designiert.

Nachdem sich FPÖ-Frontmann Heinz-Christian Strache in Österreich mit seinem «Ibiza-Skandal» selbst ins Aus manövriert hat, muss nun sein Stellvertreter Norbert Hofer das Chaos bei den Rechtspopulisten ordnen. Der 48-Jährige wurde am Sonntag vom FPÖ-Präsidium als neuer Parteichef designiert.

Nach der Europawahl soll er vom Parteivorstand offiziell bestätigt werden. Anders als Strache gilt Hofer als der sanfte, freundliche Rechte bei der FPÖ.

Dem stets lächelnden Politiker bescheinigen sogar Widersacher Höflichkeit und die Fähigkeit, gut zuzuhören. "Hart in der Sache, verbindlich im Ton" - das sei seine Lebensphilosophie, erklärte er einmal.

Hofer wurde in eine bürgerliche Familie hineingeboren und wuchs im Burgenland unweit der ungarischen Grenze auf. Schon ab Mitte der 90er Jahre engagierte er sich in der burgenländischen FPÖ, 2006 wurde er Abgeordneter des Nationalrats.

Kandidatur für Präsidentenamt

Nach eigenem Bekunden liess sich der vierfache Familienvater eine Weile bitten, bevor er sich endgültig ins politische Rampenlicht begab. 2016 inszenierte er sich im Wahlkampf für das Präsidentenamt als ehrlicher, netter und obendrein kompetenter Politiker, der über 20 Jahre Erfahrung in der Politik mitbringt.

Überraschend gut schnitt Hofer dabei ab, musste sich letztlich aber dem Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen geschlagen geben. 2017 übernahm der gelernte Flugingenieur in der Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ dann das Amt des Verkehrsministers.

Wie lange er das noch bleibt, ist offen: Am Montag drohte Hofer angesichts der erwarteten Absetzung von FPÖ-Innenminister Herbert Kickl mit dem Rücktritt aller Minister seiner rechtspopulistischen Partei.

Aus Straches Schatten getreten

Hofer war einer der wichtigsten Berater von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, in dessen Schatten er lange stand. Ihm gelang es in den vergangenen Jahren, das Image der rechtspopulistischen FPÖ aufzupolieren - die Partei fand zu einem gemässigteren Ton. Offen fremdenfeindliche und antisemitische Äusserungen wurden seltener, dafür fanden Themen wie sozialer Schutz und Österreichs Kaufkraft Einzug in die FPÖ-Politik.

Seine tieferen politischen Überzeugungen hat der Burschenschaftler Hofer dabei aber nie verborgen. Er geht gerne mit einer Pistole spazieren und will Österreich, seine Kultur sowie seine Werte "gegen die neue Völkerwanderung" verteidigen. Der Vater von vier Kindern steht für ein "Recht auf Heimat" und sieht im Schutz der österreichischen Grenzen eines der wichtigsten politischen Projekte.

Gemässigte Töne

Das Desaster, das die FPÖ nun eine Woche vor der Europawahl durch den Skandal um Strache erlebt, ist auch für Hofer ein Tiefschlag: "Unentschuldbar" nannte er am Montag in Wien die Worte, die auf Ibiza gefallen waren. Die Äusserungen seien "nichts, was wir in der FPÖ dulden".

Während sein Parteikollege, Innenminister Herbert Kickl, die ÖVP am Montag scharf angriff und ihr "kalte und nüchterne Machtbesoffenheit" vorwarf, schlug Hofer gemässigte Töne an: Er äusserte Bedauern über das absehbare Ende der Regierung.

"Es tut mir unendlich leid, dass dieses grossartige Projekt so zu Ende gehen muss", sagte Hofer. Er versprach einen respektvollen Wahlkampf, einen "Schmutzkübelwahlkampf" werde es nicht geben.

"Konsequent aber anständig"

Dass Hofer so schnell nicht aufgibt, hat er schon mehrfach bewiesen. Der 48-Jährige ist durch einen Sportunfall, den er 2003 beim Paragliding erlitt, behindert und geht meistens am Stock.

Direkt nach dem Unfall hatte er zunächst gelähmt im Rollstuhl gesessen. Hofer ist stolz darauf, dass er den Rollstuhl schliesslich aus eigener Kraft wieder verlassen konnte.

Wie es nach dem Ende der Koalition für die FPÖ weitergeht, ist offen. Hofer versicherte am Montag jedoch, er werde seine Art, Politik zu machen, fortsetzen. Er versuche stets, eine "konsequente Politik" zu verfolgen - aber er "greife - wann immer es geht - nicht unter der Gürtellinie an".

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