Pakistan

15-jähriger Junge verhindert in Pakistan Selbstmordattentat

Pakistaner beten am Grab von Aitzaz Hussein, der einen Selbstmordbomber stoppte. BASIT GILANI/Keystone

Pakistaner beten am Grab von Aitzaz Hussein, der einen Selbstmordbomber stoppte. BASIT GILANI/Keystone

Aitzaz Hassan (15) rettete in Pakistan Hunderte Menschen vor dem Tod, als er sich auf einen Selbstmordattentäter warf. Der zündete seine Bombe.

Aitzaz war am Montag mit Freunden im Dorf Ibrahimzai im nordwestlichen Pakistan zur Schule unterwegs.

Da wurden sie von einem Unbekannten angehalten, der die gleiche Schuluniform wie sie trug und nach dem Weg zur Schule fragte.

Aitzaz wurde misstrauisch, fragte zurück, warum er ihn noch nie gesehen habe. Plötzlich bemerkten die Jungen unter der Jacke des Fremden Kabel und eine Art Zünder.

Es kam zu einem Gerangel, der etwas füllige Aitzaz warf sich mit aller Wucht auf den laut Polizeiangaben 20- bis 25-Jährigen. Da zündete dieser die Bombe. Er starb auf der Stelle, Aitzaz später im Krankenhaus.

Der 15-jährige Held von Pakistan

Der 15-jährige Held von Pakistan

Mit dem Selbstopfer hat Aitzaz seine Knabenschule mit rund 2000 Schülern, Lehrern und Angestellten vor einem Blutbad bewahrt.

Sein Heimatort Ibrahimzai liegt rund 150 Kilometer von Mingora entfernt, dem Ort, wo Taliban im Oktober 2012 die damals 14-jährige Aktivistin Malala Yousafzai angeschossen hatten.

Sie überlebte schwer verletzt, wurde in London gesund gepflegt, hat eine Reihe von Auszeichnungen erhalten und setzt sich heute weltweit für die Ausbildung und Rechte von Mädchen und Frauen in islamischen Gesellschaften ein.

Ein Orden für Aitzaz

Extremismus, Anschläge und sektiererische Gewalt sind gang und gäbe im nordwestlichen Pakistan, doch die Heldentat des 15-jährigen Aitzaz rüttelt die Menschen auf.

Medien im ganzen Land berichten über den jungen Helden, der für seinen Heldenmut den Nishan-e-Haider-Militärorden erhalten soll, die höchste Auszeichnung des Landes.

Aitzaz wird als männliches Pendant zu Malala im gleichen Atemzug mit der inzwischen weltberühmten 16-Jährigen genannt, die einem von den Taliban verhängten Schulverbot für Mädchen getrotzt hatte.

Bis jetzt hat sich Premier Nawaz Sharif noch mit keinem Wort über Aitzaz geäussert, was Vorwürfe hochkommen lässt, dass das offizielle Pakistan ein zwiespältiges Verhältnis zu Radikalen pflegt.

Als im November ein Taliban-Führer durch einen US-Drohnenangriff getötet wurde, warf Pakistans zorniger Innenminister den Amerikanern gar die gezielte Sabotage von Friedensgesprächen vor, obwohl diese seit Jahren auf der Stelle treten.

Politiker verneigen sich

«Wir leben in einem Land», schrieb jetzt der Journalist Zarrar Khuhro zu Aitzazs Tod, «wo ein junges Kind sein Leben zu geben hat, um die Plage zu bekämpfen, vor der sich unsere eigenen Führer tief verbeugen, um diese zu beschwichtigen.»

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