Würenlingen
Spezielle Drohnen fliegen sogar kopfüber: Holcim und Start-up Voliro testen im Zementwerk eine Weltneuheit

Fliegende Roboter sollen Kletterer ersetzen, die für Inspektions- und Instandhaltungsarbeiten in schwindelerregender Höhe emporsteigen müssen. Das Start-up Voliro und die Holcim (Schweiz) AG haben dafür diese Woche Testflüge in Würenlingen durchgeführt.

Drucken
Teilen
Die Drohne nimmt in knapp 100 Metern Höhe Messungen am Kamin vor.

Die Drohne nimmt in knapp 100 Metern Höhe Messungen am Kamin vor.

zvg/Voliro

(sga) Schon von weitem ist der rund 100 Meter hohe, weiss-rote Kamin des Zementwerkes der Holcim AG in Würenlingen zu sehen. Ein paar Meter weiter steht graue, rund 60 Meter hohe Wärmetauscher-Turm mit dem markanten blauen Gesicht. Für Inspektionsarbeiten und Zustandsdiagnosen an diesen Türmen mussten bisher Industriekletterer in schwindelerregender Höhe an die schwer zugänglichen Orte emporsteigen.

Dank einer Weltneuheit will die Holcim mit dem ETHZ Start-up Voliro diese Arbeit nun erleichtern: mit Drohnen, die sich durch ein spezielles Rotorsystem um alle Achsen drehen lassen und somit Manöver in vertikalen Positionen oder sogar kopfüber erlauben.

Mit den Testflügen diese Woche sei ein wichtiger Meilenstein nach jahrelanger Forschung erreicht worden, schreibt die Holcim. Die Spezialdrohne nahm dabei wichtige Messungen zur Bestimmung der Stahlwandstärken des Zementofens und des Zyklonvorwärmers vor:

zvg/Voliro

Drohne können thermische Messungen durchführen

Das 2019 aus der ETH hervorgegangene Unternehmen Voliro entwickelt fliegende Roboter, die mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet werden können, die visuelle, thermische und kontaktbasierte Messungen durchführen. Sie können beispielsweise die Dicke einer Wand eruieren oder den Korrosionszustand von armiertem Beton. «Durch das 360-Grad-Design der Drohne können die Sensoren selbst bei gekrümmten und schrägen Oberflächen Messungen vornehmen», so Holcim.

So werden schwer zugängliche Stellen im Werk von den Drohnen innerhalb kürzester Zeit erreicht, deren Kontrolle bislang nur während eines Produktionsstillstands möglich war. Wie beispielsweise die Messung der Blechstärke des gesamten Zementofens. Die präventive Instandhaltung und Planung werde damit enorm erleichtert und Zustandsanalysen können häufiger durchgeführt werden. «Die neue Messmethode bietet dabei nicht nur einen Zeit- und Kostenvorteil, sondern ist für Holcim auch ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Arbeitssicherheit.»

Messungen sind selbst auf heissen Oberflächen und bei starker Verschmutzung möglich

Messungen sind selbst auf heissen Oberflächen und bei starker Verschmutzung möglich

zvg/Voliro

Das Zementwerk Siggenthal ist ein Pilotstandort der globalen Initiative «Plants of Tomorrow – das Werk von morgen» der Holcim Gruppe. Im Rahmen des Programms testet das Werk neueste 4.0-Technologien und Arbeitsmethoden, um die Zementproduktion effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Automation und Robotik sind wichtige Pfeiler. Dazu gehört auch die Inspektion und Wartung der nur schwer zugänglichen Anlagen wie die Wände und Umhüllungen aus Stahl von Produktionsanlagen und Silos wie in Siggenthal. Mit 900'000 Tonnen Zement pro Jahr ist die seit 1912 bestehende Anlage eines der grössten Werke der Schweiz.

Das Unternehmen begleitet die Produktentwicklung von Voliro bereits seit 2019 und stellt dem Technologie-Start-up die Infrastruktur in Siggenthal für Testflüge zur Verfügung. Ausserdem unterstützt Holcim das Projekt mit eigenem Know-how. Vor allem im Rahmen von regelmässigen Inspektionen und Kontrollen von Bauwerken und Stahlstrukturen sieht Holcim die Einsatzmöglichkeiten der Drohnen.

Aktuelle Nachrichten