Würenlingen
Biber sorgen für Einsturzgefahr – Gemeinde muss einen Weg sperren

In Würenlingen haben Biber kräftig gebaut und unter der Strasse gegraben. Nun musste die Gemeinde den Feldweg sperren – es droht Einsturzgefahr.

Stefanie Garcia Lainez
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Der Unterbodenweg ist seit dieser Woche gesperrt.
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Eine Biberfamilie vergrösserte nicht nur diesen Bau, sondern baute auch Tunnel unter der Strasse.
Rundherum sind mehrere Bäume angeknabbert.
Angefressene Bäume im Dorfbach.
Diesen Baum haben die Biber gefällt.
Bis fast zur Eindolung des Dorfbachs im Hintergrund knabbern die Biber an Bäumen.
Die Spuren sind schon von weitem zu entdecken.

Der Unterbodenweg ist seit dieser Woche gesperrt.

Stefanie Garcia Lainez

Der Biberbau ragt bis in die Hälfte des Würenlinger Dorfbaches. Rundherum sind mehrere Bäume angefressen oder liegen auf dem Boden. Zwar sind die Nager keine Unbekannten im Dorf. So besteht der Damm rund 100 Meter bachabwärts schon seit rund vier Jahren. Nun hat die Biberfamilie aber zusätzlich mehrere Tunnel ins Bachbord gebaut – auch unterhalb des Unterbodenwegs. Das ist nicht ganz ungefährlich.

«Im vergangenen Sommer haben Anwohner die ersten Höhlen am Dorfbach entdeckt», sagt der stellvertretende Bauverwalter Herbert Kalt. Vorher habe sich der Biber vor allem darauf beschränkt, Dämme und Burgen zu bauen sowie den Bach zu stauen. Da er nun aber auch Tunnel unterhalb des Unterbodenwegs baute und es zu Löchern kam, musste der Weg zum ersten Mal wegen Einsturzgefahr gesperrt werden:

Bild: Stefanie Garcia Lainez

«Insbesondere in der Nacht ist es gefährlich, da die eingestürzten Löcher leicht übersehen werden können», sagt Kalt. Neue Löcher im Feldweg wurden in Absprache mit Experten jeweils umgehend wieder zugeschüttet. Bald sollen auf die noch provisorische Signalisation fixe Warnschilder folgen. Ausserdem klärt die Gemeinde zurzeit ab, welche bauliche Sanierungsmassnahmen am sinnvollsten und bezüglich Kosten tragbar seien.

Seit einigen Jahren sind die Obst- und Nussbäume entlang des Bachs mit einem Gitter geschützt, damit die Biber sie nicht anknabbern:

Bild: Stefanie Garcia Lainez

Trotz Umstände für Gemeinde und Bevölkerung stellt Kalt klar:

«Der Biber ist in Würenlingen sehr willkommen. Er ist ein guter Landschaftspfleger.»

Der Bach sei seit seinem Auftauchen vielseitiger und ökologischer. «So ist auch der Eisvogel zurzeit ein regelmässiger Gast am Dorfbach», sagt Kalt.

Biber eroberten in den 1990er-Jahren vom Zurzibiet aus den ganzen Kanton

Einst waren die Biber in der Schweiz ausgestorben. Als die Nager in den 1960er-Jahren wieder ausgesetzt wurde, schien die Biberansiedlung zu scheitern – so auch im Aargau. Dreissig Jahre später kam die Wende: Vom Zurzibiet aus eroberten die Nager in den 1990er-Jahren den ganzen Kanton.

Wo der Biber seine Dämme baut, nimmt die Biodiversität zu und der Grundwasserpegel steigt. Vom Rhein oder der Aare her zieht es ihn auch immer wieder in kleinere Bäche, wie beispielsweise in den Würenlinger Dorfbach.

Vor etwa neun Jahren tauchte der Biber erstmals in Würenlingen auf

Seit zwölf Jahren fliesst der Bach vom Dorfrand her wieder offen in die Aare. An der Einweihung des 7,5-Millionen-Projekts erklärte der damalige Regierungsrat Peter Beyeler die «Bachöffnung» als Perle des Kantons. Seither siedelten sich zahlreiche Tiere und Pflanzen an, darunter auch der Biber. Vor rund neun Jahren bauten die Nager einen ersten Damm und eine Biberburg im Unterwald.

Seit etwa vier Jahren ist die Biberfamilie auch weiter von der Aare entfernt im Dorfbach unterwegs. Von Jahr zu Jahr werde ihr Damm grösser, sagt Alois Bächli, der Präsident des Naturschutzvereins Würenlingen.

Der Biberdamm im Dorfbach vor wenigen Wochen.

Der Biberdamm im Dorfbach vor wenigen Wochen.

Bild: Alois Bächli

Die aktuelle Burg befindet sich vom Biberdamm her rund 100 Meter bachaufwärts und besteht seit etwa anderthalb Jahren. «Es ist bereits die dritte Burg – und die bisher grösste», sagt Bächli.

Vor allem im Sommer, wenn es dämmert, lassen sich die Tiere gut beobachten. Im vergangenen Sommer zählte der Würenlinger drei Tiere. Eines konnte er sogar mit dem Handy fotografieren:

Bild: Alois Bächli