Döttingen
Wegen Eurokurs: Traditions-Holzfirma entlässt Mitarbeiter

Die Hess & Co. AG aus Döttingen, führend bei der Produktion von Skikernen, schreibt wegen des Euro-Kursschocks Verluste. Zehn ihrer hundert Mitarbeiter mussten entlassen werden. Trotzdem bleibt die Geschäftsführung optimistisch.

Samuel Buchmann
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Die Hess & Co. AG produziert in ihrer Fabrik in Döttingen Sperrholzfurniere aus Rundhölzern.

Die Hess & Co. AG produziert in ihrer Fabrik in Döttingen Sperrholzfurniere aus Rundhölzern.

Samuel Buchmann

Die Sperrholzfabrik Hess & Co. AG kämpft mit den tiefen Margen im Holzgeschäft. «Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat uns getroffen», sagt Geschäftsführer Daniel Hess auf Anfrage des Badener Tagblatts.

Das Unternehmen mache 70 Prozent seines Umsatzes im EU-Raum. Seit dem Währungsschock im Januar sind die ohnehin schon tiefen Margen weiter dahingeschmolzen. «Die Kurssituation hatte Wertberichtigungen auf Debitoren und Warenbestände zur Folge. Das führte im Jahresabschluss per März 2015 zu einem negativen Geschäftsergebnis», so Hess. Man habe deshalb «Gegenmassnahmen in den Bereichen Verkauf und Einkauf im EU-Raum sowie Personal» eingeleitet.

Konkret heisst das unter anderem: Die Hess & Co. AG hat wegen des schlechten Geschäftsgangs ihren Personalbestand von 100 auf 90 reduziert. Daniel Hess: «Es mussten einige Entlassungen ausgesprochen werden.» Ob noch weitere Arbeitsplätze in Gefahr sind? «Eine weitere Reduktion ist zurzeit nicht geplant.»

Zusätzlich habe der Sperrholzhersteller seine Preise leicht erhöht – im «tiefen einstelligen Bereich», wie Hess sagt. «Die Firma kann ebenfalls davon profitieren, dass die Schweizerische Waldwirtschaft sich als Folge des Euro-Zerfalls ab Ende Januar 2015 bereit erklärt hat, die Rundholzpreise um rund zehn Prozent für Schweizerische Rundholzverarbeiter zu senken.»

«Eine harte Branche»

Die Sperrholzfabrik ist nicht das erste Unternehmen der einst prächtigen Holzindustrie des Zurzibiets, das mit dem tiefen Euro kämpft. Erst im April meldete die Möbelfabrik ZKD in Kleindöttingen überraschend Konkurs an. Rund hundert Mitarbeitende verloren ihre Stelle. Das gemeinsame Problem der Branche: Die Produktionskosten in der Schweiz sind unverändert hoch, doch mit dem Kursschock sank der Wert der Ware im EU-Raum auf einen Schlag um rund 20 Prozent.

«Das Holzgeschäft ist eine harte Branche», sagt Markus Birchmeier, Präsident des Wirtschaftsforums Zurzibiet, der seine Baufirma ebenfalls von Döttingen aus betreibt. «Ich stelle ausserdem fest, dass der Preis immer wichtiger wird für die Abnehmer solcher Produkte. Faktoren wie Qualität und Herkunftsland rücken zunehmend in den Hintergrund.»

Gerade deshalb rechne er es der Firma Hess hoch an, dass sie trotz der schlechten Rahmenbedingungen alles versucht, um die Arbeitsplätze in Döttingen zu erhalten. «Schliesslich wäre es ein Leichtes, die Produktion stattdessen ins Ausland zu verlegen.»

Die Hess & Co. AG ist ein altes Zurzibieter Familienunternehmen. Es wurde 1929 von Franz Hess gegründet und stellt auf 25 000 Quadratmetern diverse Holzprodukte her. Unter anderem fabriziert die Firma Furniere aus Rundhölzern und verarbeitet diese zu Ski- und Snowboardkernen weiter. In diesem Bereich ist sie führend, fast alle grossen Skihersteller beziehen ihre Holzkerne aus Döttingen. Das Unternehmen erzielt einen jährlichen Umsatz von rund 17 Millionen Franken.

Geschäftsführer Daniel Hess gibt sich trotz den schweren Zeiten zuversichtlich: «Die Gegenmassnahmen sind zum grössten Teil, aber mit logischem Zeitverzug, umgesetzt worden und die Auftragslage ist aktuell sehr gut. Die Geschäftsführung ist guten Mutes, die Situation zu meistern.»

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