Full
Wegen Absage der Gmeind: Die dringende Badi-Sanierung muss warten

Full-Reuenthal hat die Gemeindeversammlung wegen Covid-19 verschoben. Das hat Folgen für das in die Jahre gekommene Freibad.

Daniel Weissenbrunner
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In die Jahre gekommen: Die Badi Full muss technisch dringend erneuert werden. Mit der Rodelbahn rasant den Berg hinunter.

In die Jahre gekommen: Die Badi Full muss technisch dringend erneuert werden. Mit der Rodelbahn rasant den Berg hinunter.

Alex Spichale/Archiv Bild: zvg

Die Fuller Badi wurde 1952 von der Musikgesellschaft und vom Schützenverein von Hand ausgehoben. Damals war das Becken nur halb so gross wie heute und verfügte nur über einen Frischwasserzulauf und Ablauf. Alle zehn Tage musste das ­Becken geleert und geputzt werden. «Der damalige Badmeister konnte zwar nicht schwimmen, dafür umso besser Ordnung ­halten», sagt Oliver Erdin, der Präsident der Interessenge­meinschaft Badi Full, die sich für den Erhalt des Freibades einsetzt.

1972 wurde das Becken auf die heutige Grösse (25 m × 12,5 m) ausgebaut und mit einem Filtersystem versehen. «Diese sind heute noch in Betrieb», so Erdin. Es folgten weitere Reparaturen. 1991 leckte das Becken und musste saniert werden. Ein Projekt des damaligen Ressortvorstehers und Gemeinderates Sepp Graf. Das Bad bekam seine erste Folie. 2002 wurden schliesslich neue Pumpen eingesetzt.

Seit einigen Jahren verliert das Becken immer mehr Wasser. «Die Folie ist nicht mehr dicht», sagt Erdin. Die Lebensdauer beträgt durchschnittlich 20 Jahre. «Aber auch die Leitungen verlieren Wasser», mahnt der Präsident der IG. In diesem Jahr sei der Wasserverlust dermassen angestiegen, dass man nun nicht weiter warten könne. «Das Bad muss saniert werden», sagt Erdin eindringlich.

Mängel bereits diesen Sommer überbrückt

Aus diesem Grund hofft die IG jetzt auf Unterstützung der öffentlichen Hand. An der Gemeindeversammlung vom 25. November hätten die Stimmberechtigten über einen Kredit in der Höhe von 335'000 Franken befinden sollen.

Wegen der Coronapandemie hat der Gemeinderat diese Woche nun entschieden, die Gmeind abzusagen und das Geschäft kommenden Sommer erneut vorzulegen. Ebenso gestrichen wurde die Veranstaltung von diesem Freitag, an dem die Bevölkerung über die geplanten Massnahmen aus erster Hand hätte informiert werden sollen.

Es handle sich um einen grossen Betrag, gibt Oliver Erdin zu. Deshalb hätte man den Leuten detailliert aufzeigen und erklären wollen, was für Arbeiten notwendig seien. Die Sanierung betrifft besonders unsichtbare Bereiche. So müsse beispielsweise der Filter für die Wasseraufbereitung ersetzt oder eben das Becken mit einer neuen Folie ausgekleidet werden.

Die Sicherstellung des Betriebs um ein weiteres Jahr ist laut Erdin «hoffentlich möglich», muss aber durch den technischen Dienst geprüft und beurteilt werden. Erdin sagt:

Wir haben schon diesen Sommer die Mängel behelfsmässig gelöst.

Man werde daher alles unternehmen, um die kommende Saison nochmals zu überbrücken. Mit einem Spendenaufruf will die IG ihrerseits einen Beitrag leisten, um die Kosten zu reduzieren. Mit einem Flyer, auf dem sich auch Ammann Gerhard Hauser für den Fortbestand einsetzt, wirbt die IG für die, wie sie es nennt, «Perle am Rhein».

Auf diesem Weg hofft man auf Spenden von 20'000 Franken. Darüber hinaus will die IG Eigenleistungen in der Höhe von 30'000 Franken in Form von Fronarbeit beisteuern. Diese Beträge würde man vom Kreditantrag abziehen, erklärt Erdin.

Interessengemeinschaft bevorzugt keinen Urnengang

Wie sich die Verschiebung in den Sommer auf das Stimmverhalten nun auswirken wird, mag der Präsident nicht beurteilen. Er begrüsst jedoch den Entscheid des Gemeinderates, dass über das Geschäft nicht an der Urne befunden wird. An einer Gmeind könnten die Positionen besser ausdiskutiert werden.

Oliver Erdin ist unabhängig davon überzeugt, dass die Full-Reuenthaler die Bedeutung ihrer Badi erkannt haben. «Es ist der einzige Luxus, den sich die Gemeinde noch leistet. Ein Begegnungsort gleichermassen für Alt und Jung.»