Bad Zurzach
Santhori wandelt auf den Spuren Ernest Hemingways

Der Künstler Santhori aus Bad Zurzach zieht für 63 Tage nach Miami und erarbeitet in dieser Zeit ein Tagebuch mit Aufzeichnungen, Fotografien und Zeichnungen

Angelo Zambelli
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Künstler Santhori verlässt sein Atelier im Solvay-Kindergarten für 63 Tage. Er verlegt seine künstlerische Tätigkeit nach Key Largo bei Miami. Angelo Zambelli

Künstler Santhori verlässt sein Atelier im Solvay-Kindergarten für 63 Tage. Er verlegt seine künstlerische Tätigkeit nach Key Largo bei Miami. Angelo Zambelli

«Am nächsten Sonntag fällt für mich der Gottesdienst aus», scherzt Santhori. Um 13.05 Uhr startet der Linienflug der Swiss nach Miami – mit dem Zurzibieter Künstler an Bord. Santhoris Ziel ist das Haus eines Bekannten in Key Largo. Auf dieser Insel entstand 1948 der Film «Gangster in Key Largo» mit Edward G. Robinson und Humphrey Bogart in den Hauptrollen. Santhori aber wandelt in den nächsten zweieinhalb Monaten weniger auf den Spuren Humphrey Bogarts, sondern eher auf den Spuren des amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway.

Der Bad Zurzacher Performancekünstler hat sich entschlossen, während seines Aufenthalts jeden Tag ein Blatt zu schaffen, auf dem er die gewonnenen Eindrücke verarbeitet. «Dies kann in Form eines Schriftstücks, einer Fotografie mit Legende oder mit einer Zeichnung sein», schildert Santhori seine Absichten. Nach der Rückkehr in die Schweiz werden die 63 Blätter zu einem Buch im Format A3 und mit einer Auflage von 111 Stück zusammengeführt. Das Buch wird nicht traditionell gebunden, sondern geschraubt, damit einzelne Blätter herausgenommen und gerahmt aufgehängt werden können.

Grosszügige Geste eines Bekannten

Entstanden ist das Projekt «63 Tage Miami» auf Einladung eines Bekannten aus der Kunstszene. «Er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, seine Wohnung in Miami zu nutzen und die Eindrücke künstlerisch zu verarbeiten», erzählt Santhori. Der Zurzibieter Künstler sagte nach kurzer Bedenkzeit freudig zu.

«In jungen Jahren liebäugelte ich damit, Fotograf zu werden. Die Fähigkeit, sich schriftlich auszudrücken, ist mir in die Wiege gelegt worden, und das Malen respektive die Kunst habe ich zu meinem Beruf gemacht. Die Voraussetzungen sind also gegeben, dass die «Expedition Miami» zu einem guten Ergebnis führt.»

Die schönen und die düsteren Seiten

Während seines Amerikatrips will sich Santhori ganz unterschiedlichen Themen widmen: Dem Meer und seinen Lebewesen, den schönen Seiten der Stadt Miami, aber auch dem Spannungsfeld zwischen Arm und Reich im Bundesstaat Florida.

Der Zurzibieter Künstler plant zwar, seine Aufzeichnungen von einem Lektor überprüfen und notfalls auch verbessern zu lassen, «doch Fehler habe ich mir ausdrücklich erlaubt. Sonst wirds ein steriles Tagebuch», sagt Santhori mit breitem Grinsen im Gesicht.

Santhoris Rückkehr ist auf den 31. Mai geplant. Im Gepäck wird er nebst vielen Erinnerungen auch die 63 A3-Blätter haben, die bis Spätherbst zu einem Tagebuch verarbeitet werden. Die Schwarz-Weiss-Zeichnungen werden vom Künstler per Hand koloriert. Damit entsteht aus jedem Tagebuch genauso ein Unikat, wie es der Künstler selber ist.