Tegerfelden
Ruth Schmid ist seit 35 Jahren Gemeindeschreiberin

Tegerfeldens Gemeindeschreiberin Ruth Schmid kennt alle Menschen im Dorf. Kein Wunder, ist sie doch schon seit 35 Jahren im Amt – es ist ihr Traumberuf. Sie hat bereits mit sechs Gemeindeammännern zusammengearbeitet.

Pirmin Kramer
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Ruth Schmid blättert im Protokollbuch der Ortsbürgergemeinde. In dieses Buch schrieb schon ihr Grossvater –auch er war Gemeindeschreiber.PKR

Ruth Schmid blättert im Protokollbuch der Ortsbürgergemeinde. In dieses Buch schrieb schon ihr Grossvater –auch er war Gemeindeschreiber.PKR

Ruth Schmid hat in den vergangenen 35 Jahren eine aussergewöhnliche Menschenkenntnis entwickelt. «Wenn Paare auf der Gemeinde vorbeikamen und sich trauen liessen»,
erzählt sie, «dann habe ich zugehört, beobachtet und mich insgeheim gefragt: Wird diese Ehe halten? Die Antwort darauf habe ich oft vorausgeahnt.»

Beruf und Hobby gleichzeitig

Ruth Schmid erzählt mit fröhlicher Stimme. Wenn sie eine Antwort zu ihrem Beruf gibt, dann strahlt sie über das ganze Gesicht. «Gemeindeschreiberin zu sein, das ist für mich Hobby und Beruf in einem», sagt sie. Sie schreibe gerne und freue sich über den Kontakt mit den Menschen. «Heute leben 1080 Leute in Tegerfelden und ich habe wohl fast jede Person gesehen. Unser idyllisches Dorf im Surbtal kann man gut überblicken.» Sie sehe die Menschen jeweils nur kurz. In all den vielen Jahren habe sie gelernt, sich schnell ein Bild zu machen. «Wenn Leute vorbeikommen, merke ich sofort, ob der Funken springen wird oder ob ich auf Distanz bleiben soll. Diese Menschenkenntnis gewinnt man automatisch.»

Gemeindeschreiberin sei kein trockener Beruf, wie einige Leute glaubten, sagt Ruth Schmid weiter. «Man muss kontaktfreudig, initiativ und kommunikativ sein.» Der Job sei zudem vielseitig: Zu Beginn ihrer Tätigkeit war sie «Frau für alles» und zuständig für Gemeindekanzlei, Zivilstandsamt, Einwohnerkontrolle, Finanzen und Steueramt. Anfangs der 90er-Jahre sind die Verwaltungs-Bereiche getrennt worden. Mit sechs Gemeindeammännern hat Ruth Schmid zusammengearbeitet, von Gottlieb Anner über Hans Wanner bis Erwin Baumgartner. «Als ich vor 35 Jahren angefangen habe, war das eine kleine Revolution.» Sie war im Zurzibiet die erste Frau, die als Gemeindeschreiberin im Vollamt tätig war. «Im Gemeinderat gab es damals kritische Stimmen, die fragten, ob denn eine Frau diesen Job ausüben könne».

Inzwischen sei Tegerfelden ein viel offeneres Dorf geworden, sagt sie. «Das verdanken wir auch den Neuzuzügern, die sich erfreulicherweise sehr gerne engagieren, zum Beispiel für die Tegerfelder 900-Jahr-Feier im 2013.» Vor 35 Jahren seien einige Leute verschlossen und misstrauisch gewesen. «Mein Mann war Musiker und betreute während meiner Berufstätigkeit als Hausmann unseren Sohn. Es gab Leute, die das sehr seltsam fanden.» Heute wäre dies kein Thema mehr.

Grossvater war Gemeindeschreiber

Ruth Schmid hatte nie das Bedürfnis wegzugehen. Sie bezeichnet sich als waschechte Tegerfelderin. «Dieses Dorf ist mein Heimatort, hier bin ich aufgewachsen.» Auch ihr Grossvater dürfte mit ein Grund dafür gewesen sein, dass sie dem Dorf so treu geblieben ist. «Er war Gemeindeschreiber – ich kann seine Arbeit fortführen.»

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