Radrennen
85 Kilometer mit lachenden Gesichtern: Leiden und geniessen in Gippingen mit Tour-de-France-Teilnehmer Dillier und Olympiasieger Cancellara

Die zweite Austragung der Dillier Classic in Gippingen war ein voller Erfolg. Warum der Familienname «Dillier» gleich mehrmals auf der Startliste zu finden war.

Alexander Wagner
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Olympiasieger Fabian Cancellara geht auf die Strecke.

Olympiasieger Fabian Cancellara geht auf die Strecke.

Alexander Wagner

Für viele ambitionierte Hobby-Velofahrer ist es ein Traum, einmal nicht mit Freunden oder Kollegen vom Veloklub zu fahren, sondern gegen einen aktuellen Profi oder Olympiasieger anzutreten. Diesen Traum konnten sich am Wochenende viele «Gümmeler» erfüllen und mit dem Tour-de-France-Teilnehmer Silvan Dillier oder mit Olympiasieger Fabian Cancellara auf die Runde gehen.

Obwohl es um den Plausch geht, war es eine nahrhafte Runde bei der zweiten Dillier Classic über rund 85 Kilometer mit sieben, teilweise ruppigen Anstiegen, die zu bewältigen waren. Für Dillier war es das erste «Rennen» nach seiner Teilnahme an der härtesten und berühmtesten Rundfahrt der Welt vor zwei Wochen.

Silvan Dillier (links) schickt eine Gruppe ins Rennen.

Silvan Dillier (links) schickt eine Gruppe ins Rennen.

Alexander Wagner

Der Schneisinger sagt:

«In der ersten Woche ging es vor allem um die Erholung.»

«In der zweiten Woche habe ich dann wieder strukturierter trainiert», erklärt der amtierende Schweizer Meister. Und dies vor allem in seiner Heimat, also auch auf den Strecken der Dillier Classic.

Gippingen ist seit langem ein Zentrum des Schweizer Radsports, der gerade an den Olympischen Spielen in Tokyo für Furore sorgt. Dass Gippingen weiterhin etwas das Mekka der Velofans ist, zeigt, dass Marc Hirschi praktisch direkt von der Olympiade in Japan nach Gippingen kam. An seinem Rad war noch die Startnummer von den Rennen in Tokyo montiert.

Der Spassfaktor stand im Vordergrund

Die Velofahrer wurden in Gruppen eingeteilt, die etwa gleich stark sein sollten. Und wer es nicht in die Gruppe von Dillier, Cancellara oder Hirschi schaffte, der konnte mit dem erfolgreichen Triathleten Jan van Berkel oder seiner Ehefrau, der ehemaligen Eisprinzessin Sarah Meier, auf Tour gehen.

Sarah Meier unterwegs auf der Strecke.

Sarah Meier unterwegs auf der Strecke.

Alexander Wagner

Vertreten waren alle Alterskategorien, von drei 12-jährigen Juniorenfahrern aus der Gegend bis zum routinierten Gümmeler mit Jahrgang 1946.

Silvan Dillier, Tour-de-France-Teilnehmer.

Silvan Dillier, Tour-de-France-Teilnehmer.

Alexander Wagner

Natürlich stand für alle der Spass im Vordergrund. So war der Familienname «Dillier» gleich mehrmals auf der Startliste zu finden. Silvan Dillier meint:

«Die ganze Familie ist dabei und alle sind eingespannt.»

Für ihn war es mehr eine Trainingseinheit, bevor es an der Polenrundfahrt wieder ernst gilt gegen seine Profi-Konkurrenten. «Hier ist es einfach eine Abwechslung und es ist sehr kurzweilig, weil es fast immer rauf oder runter geht», erklärt Dillier, der am Dienstag, dem 3. August, 31 Jahre alt wird.

Kleinere Runde: 40 Kilometer mit über 900 Höhenmetern

Wobei die Aussage von Dillier noch etwas untertrieben ist. Auf der längeren Runde von rund 85 Kilometern waren 1900 Höhenmeter zurückzulegen. Wem dies zu viel war – und dies noch gegen Profis, Olympiasieger und Toptriathleten –, der wählte die kleinere Runde von rund 40 Kilometern mit über 900 Höhenmetern. Für viele auch noch genug.

Leiden am Berg.

Leiden am Berg.

Alexander Wagner

Dillier, der diese Rennform noch lange am Leben erhalten will, betont:

«Ziel ist es einfach, dass alle wieder heil ans Ziel kommen und ihren Spass haben.»

Und dies schien vollends gelungen: Denn man sah beim Start nur lachende und fröhliche Gesichter mit funkelnden Augen, wenn sie sich mit Dillier, Cancellara, Hirschi und Co. auf der Startlinie einreihen konnten. Und auch bei der Zieleinfahrt ein paar Stunden später waren viele fröhliche Gesichter zu sehen, auch wenn der eine oder andere von den sieben, teilweise «giftigen», Anstiegen etwas gezeichnet war.

Aber alle hoffen, dass auf die dritte Austragung der Dillier Classic nicht zwei Jahre gewartet werden muss und sie sich bereits nächsten Sommer wieder mit den Radsportcracks messen können.

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