Lengnau
Notfall «Schmitte»: Restauranttester Daniel Bumann eilt zu Hilfe

Die junge Wirtin der «Schmitte» steht kurz vor dem Aufgeben – ihre letzte Hoffnung ist die TV-Sendung des Restauranttesters Daniel Bumann. Dieser hat es sich zum Ziel gemacht, schlecht laufende Beizen wieder auf Vordermann zu bringen.

Nadja Rohner
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Daniel Bumann im Gespräch mit «Schmitte»-Wirtin Cinzia Starnino (2. von rechts) und ihrem sympathischen Team. NAdja Rohner

Daniel Bumann im Gespräch mit «Schmitte»-Wirtin Cinzia Starnino (2. von rechts) und ihrem sympathischen Team. NAdja Rohner

«Restauranttester!», ruft der Senior und zeigt mit dem Finger auf den Mann im roten Poloshirt, der in der Lengnauer «Schmitte» einen Tee trinkt. «Wottsch do cho teschte?» – «Hab ich schon gestern gemacht», antwortet der Angesprochene. Es ist Daniel Bumann, bekannt als der Restauranttester aus der gleichnamigen Sendung von 3+.

Vier Tage ist er in Lengnau, um die «Schmitte» unter die Lupe zu nehmen. Sofort will er vom Senior wissen, was er denn so halte vom Restaurant. Gut gefalle es ihm, meint der Senior, besonders die Beizerin, die sei «nöd zum zahle» – also unbezahlbar. «Sie lacht immer, ich habe sie noch nie ‹verruckt›» gesehen», sagt er, nimmt seinen Gehstock und zieht von dannen.

Zu unprofessionell geführt

Offenbar sehen das nicht alle so. Die Schmitte läuft nicht gut, das ist im Zurzibiet kein Geheimnis. Eine besorgte Mitarbeiterin von Wirtin Cinzia Starnino hatte den Betrieb angemeldet, weil sie sich Sorgen um ihre Chefin macht. Obwohl – Chefin ist kaum das richtige Wort. Starninos drei Mitarbeiterinnen sind alle nicht fest angestellt. Sie helfen ihrer Freundin aus Goodwill, aus Plausch, um ihr Gesellschaft zu leisten.

Das sei denn auch das Problem hier in der Schmitte, erzählt Restauranttester Daniel Bumann. «Die noch sehr junge Wirtin und ihre Helferinnen sind komplett überfordert. Was sie hier anbieten – und wie sie es anbieten – ist einfach zu wenig gut.» Die Karte sei zu gross, zudem seien die meisten Speisen nicht frisch gemacht. «Als Café würde die ‹Schmitte› vielleicht funktionieren», sagt Bumann. «Vielleicht auch mit ein paar kleinen Gerichten, saisonal und frisch.»

Auch die Grösse des Lokals sei ein Problem: «Wenn die Wirtin alleine ist, wie meistens, dann kann sie unmöglich alle Tische bedienen», sagt Bumann, und wird gleich bestätigt, als eine grosse Wandergruppe die «Schmitte» betritt. Nur, weil wegen der Filmaufnahmen zwei der drei Mitarbeiterinnen zugegen sind und der Chefin helfen können, erhalten alle Gäste innert nützlicher Frist ihren Kaffee.

Nur von verkauften Kaffees könne man hier aber kaum überleben, sagt der Restauranttester: «Dafür ist die Miete einfach zu hoch. Um sie hereinzuholen, müsste man Essen verkaufen können – aber dafür ist die Qualität nicht hoch genug und die Konkurrenz zu gross.»

Bumann hat deshalb bereits das Gespräch mit dem Vermieter des Lokals gesucht. Mit Erfolg? Da will sich der Restauranttester nicht in die Karten blicken lassen. Lieber erzählt er, was er mit der «Schmitte» vorhat: Innert vier Tagen will er die Probleme erfassen, Lösungsansätze erarbeiten und dem Team Ratschläge mit auf den Weg geben. Die eine oder andere Veränderung wird es auch im Lokal selber geben.

Der ganze Prozess wird mit der Kamera begleitet. «Es wird aber nichts vorgespielt», betont Bumann. Die Kamera dokumentiere lediglich den Prozess. «Es isch eso, wies ebe isch», sagt er in seinem unverkennbaren Walliser Dialekt.

Kamera läuft, Action!

Wer die Sendung «Bumann, der Restauranttester» kennt, weiss: Der Profi sagt seine Meinung fadengerade und unverblümt. Dafür ernte er nicht selten Kritik, sagt er. Aber: «Manche begreifen es nur so. Die meisten Wirte suchen das Problem bei den anderen, nicht bei sich selber. Deshalb muss ich ihnen einen Spiegel vorhalten – und das tut nun mal weh.»

Auch mit der jungen Wirtin Cinzia Starnino und ihrem Team müsse er jetzt Klartext reden, sagt Bumann, als Kameramann und Tontechniker eintreffen. Wenige Minuten später sitzt der Restauranttester mit den dreien am Tisch. Kamera läuft, Mikrofon läuft, Action!

Bumann will von der Wirtin selber wissen, wo sie ihre Probleme sieht und wie schlecht es um die Schmitte steht. «Wenn Sie nicht gekommen wären – ich hätte aufgehört», sagt Starnino. Weshalb sie denn unbedingt ein eigenes Restaurant haben müsse? «Weil sie die geborene Wirtin ist!», sagen Starninos Freundinnen unisono.

Man merkt: Der Zusammenhalt im sympathischen Team ist riesig – der Wille und der Einsatz, aber auch die Naivität ebenso. Die Lage ist ernst, obwohl Starnino das Lokal erst im Frühling übernommen hat, und sich selber seither nie Lohn ausbezahlt hat. «Wenigstens haben sie sich früh genug gemeldet», sagt Bumann. «Die meisten Wirte kommen erst, wenn sie sich jahrelang immer tiefer in die Schulden geritten haben.»

Da sei oft nicht mehr viel zu machen, gibt er zu. Auch beim Restaurant Krone in Rekingen war das der Fall. Zwar gebe er vier Tage lange alles, um den Beizern zu helfen – auch in stundenlangen Gesprächen abseits der Kameras – aber den Einsatz müssen die Leute selber leisten. Tag für Tag. «Aber wenn ich pro Staffel nur schon zwei Restaurants langfristig vor dem Untergang bewahren kann, ist das für diese Wirte schon wie ein Sechser im Lotto», sagt der Profi.

Das neue Konzept der Schmitte können die Gäste am Samstagmittag beurteilen. Dann findet der für die Sendung übliche Schluss-Event statt, der den Startschuss in eine neue und hoffentlich erfolgreichere Zukunft markiert – natürlich begleitet von Kameras und Restauranttester Bumann. Die Sendung wird im nächsten Frühling auf 3+ ausgestrahlt.

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