Bad Zurzach
Nicht mehr rentabel: Migros schliesst ihr Restaurant

Fehlende Rentabilität und rückläufiges Bedürfnis: Die Gründe des Detailhändlers zur Schliessung stossen bei den Kunden auf wenig Verständnis.

Sarah Kunz und Daniel Weissenbrunner
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Leere Stühle, einsame Tische: Das Migros-Restaurant in Bad Zurzach läuft schon länger nicht mehr so, wie es sich der Konzern wünschte.

Leere Stühle, einsame Tische: Das Migros-Restaurant in Bad Zurzach läuft schon länger nicht mehr so, wie es sich der Konzern wünschte.

Daniel Weissenbrunner

Migros-Kunden sind treue Kunden oder: Wer einmal in der Migros einkauft, kauft sein Leben lang beim orangen Riesen ein. Das gilt auch für den Supermarkt in Bad Zurzach. Ab kommender Woche wird sich die Kundschaft allerdings mit einer Angebotskürzung abfinden müssen. Auf einem Info-Plakat wird über die bevorstehende Schliessung des Restaurants am 18. April orientiert. Man bedanke sich für das Vertrauen und die Treue in den vergangenen Jahren, heisst es.

«Ich bedaure das ausserordentlich», sagt eine ältere Passantin vor dem Geschäft. Sie habe sich jeweils zum «Käfele» mit ihren Freundinnen getroffen. «Wir müssen nun schauen, wo wir unseren Tratsch künftig abhalten wollen.» Übermässig viele Alternativen gebe es im Ort schliesslich nicht. Auch zwei Handwerker, die im ersten Stock gerade ihr Mittagessen zu sich nehmen, sind über die Schliessung alles andere als erfreut. Man erhalte hier ein Menü zu bezahlbaren Preisen. Auch für sie ist unklar, wo sie sich künftig verpflegen werden.

Seit Jahren rückläufige Nachfrage

Der Grund für die Schliessung überrascht indes kaum: «Wir verzeichneten ein stark rückläufiges Bedürfnis, wodurch die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist», sagt Sprecherin Andrea Bauer. Seit längerer Zeit habe der Konzern diese Beobachtung machen müssen. Nach knapp 20 Jahren Betrieb hat das Restaurant nun ausgedient.

Nimmt denn die Nachfrage nach den Restaurants des Grosskonzerns allgemein ab? Die Mediensprecherin verneint: «Für die Genossenschaft Migros Aare stimmt diese Aussage auf jeden Fall nicht.» Trotzdem: Auch andernorts mussten bereits Restaurants schliessen. Aus immer demselben Grund: Kaum noch Rentabilität. «Wie überall gilt es auch in der Gastronomie, am Puls der Zeit zu bleiben und den sich wandelnden Bedürfnissen der Gäste bestmöglich gerecht zu werden», weiss Bauer. Nur so könne man sich in der wachsenden Gastro-Szene behaupten.

Gänzlich wird das Angebot der Migros im Zuge dieser Anpassung dennoch nicht verschwinden: Der Supermarkt bleibt bestehen. Ab dem 25. April bietet dieser zusätzlich Migros-Daily-Produkte an. Für die Kunden gibt es ausserdem die Möglichkeit, diese Produkte vor Ort zu konsumieren. Für eine Mutter mit ihren beiden Kindern ist das ein schwacher Trost. «Wir werden unseren «Znüni-Stopp» wohl oder übel nun an einem anderen Ort einlegen müssen.

Für die nun leerstehende Restaurantfläche im Obergeschoss sei laut Bauer eine Alternativnutzung in Form von Büros vorgesehen. «Mögliche Interessenten dafür werden momentan gesucht.»

Bad Zurzach in Bildern:

Aktuell zählt der Wellness- und Kurort Bad Zurzach fast 4400 Einwohner.
53 Bilder
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Das neue Intensiv-Solebecken im Thermalbad Zurzach kommt besonders gut an.
Das Naturschwimmbecken im Thermalbad Zurzach bietet auch an heissen Tagen eine Abkühlung. zvg
Im Thermalbad gibt es auchein "Papa Moll"-Kinderbecken.
Papa Moll gehört mittlerweile zu Bad Zurzach. Ein Buch spielt sogar im Thermalbad Zurzach
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Der Sternenbrunnen.
Hier im Bild der "Ochsen".
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Dieser gesellschaftliche Anlass lockt viele Leute ins historische Zentrum.
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Der Gasthof zur Waag: Im historischen Kern von Bad Zurzach stehen viele solche Altstadt-Liegenschaften.
Das Verenamünster im Frühling.
Verenamünster von hinten.
So sieht das Verenamünster innen aus.
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In der Krypta des Verenamünsters befindet sich das Grab der Heiligen Verena. Wegen diesem pilgerten im Mittelalter alljährlich Tausende nach Zurzach.
Blick auf das Verenamünster: Beim Gang durch den Flecken ergeben sich solche Ansichten.
Auch ein Blickfang: Das "Schloss" von Bad Zurzach. Der Industrielle und "Stickereibaron" Jakob Zuberbühler (1840-1904) erbaute es einst.
Das Schloss wurde um 1900 gebaut. Bis 2009 war es ein Museum. Seitdem steht es leer. Die Birchmeier-Grupper sowie Reto S. Fuchs und seine Frau wollen als Inhaber dem Schloss neues Leben einhauchen.
Das Schloss von Bad Zurzach mit einem pompösen Eingang. Es wird auch "Himmelrych" und "Villa Zuberbühler" genannt.
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Die Soletürme sind denkmalgeschützt.
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Schlicht schön: Bad Zurzach im Winter.
Und das ist Zukunftsmusik: Diese Visualisierungen zeigen die Ostumfahrung, mit welcher der Durchfahrtsverkehr aus dem historischen Zentrum geleitet werden soll. Wer nach Bad Zurzach will, wird hier (Anfahrt vom Zurziberg und Tegerfelden) links abbiegen müssen.
Die Visualisierung zeigt den offen geführten Teil der Ostumfahrung im Süden des Fleckens. Es folgt ein Tunnel.
Das Bundesgericht hat der Ostumfahrung Bad Zurzach auf eine Beschwerde hin grünes Licht erteilt.
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... wird der kürzlich verstorbene Prinz Karneval auf einer Bahre zur Rheinbrücke getragen.
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ZVG/Bad Zurzach Tourismus

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