Koblenz
Neues Leben im Grenzort: Initiative Bürger eröffnen Dorfladen

Mitte Januar soll dank der Initiative von Bürgern im ehemaligen Denner ein neuer Dorfladen eröffnen.

Andreas Fretz
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Sie richten den neuen Dorfladen ein (v.l.): Janet Hausin, Beisitzende Genossenschaft «Dorfladen Koblenz»; Cäcil Spörri, Geschäftsführerin; Monika Meisterhans, Vizepräsidentin der Genossenschaft und Andreas Wanzenried, Vizeammann. Barbara Scherer

Sie richten den neuen Dorfladen ein (v.l.): Janet Hausin, Beisitzende Genossenschaft «Dorfladen Koblenz»; Cäcil Spörri, Geschäftsführerin; Monika Meisterhans, Vizepräsidentin der Genossenschaft und Andreas Wanzenried, Vizeammann. Barbara Scherer

Barbara Scherer

Es war keine frohe Botschaft, die Koblenz in der Adventszeit 2014 erreichte. Der Grenzladen beim Eisenbahnviadukt, das letzte «Lädeli» im Dorf, musste seine Türen schliessen. Zu wenig Umsatz für zu viel Aufwand, lautete die Begründung der Betreiber. Der Verlust des Dorfladens war einer unter vielen. In den letzten Jahren schlossen mehrere Restaurants, das Café am Zoll, zwei Einkaufsgeschäfte, die Metzgerei. Die SBB stellten am Bahnhof den Ticketschalter ein und die Raiffeisenbank ihre Filiale.

Der Gemeinderat unternahm zwei Anläufe, um wieder etwas Leben in den Ort zu bringen. Wie es scheint, ist der zweite, lanciert im Januar dieses Jahres, von Erfolg gekrönt: Der am vergangenen Sonntag neu gewählte Ammann Andreas Wanzenried versuchte es damals mit einem dringenden Appell an die Bevölkerung. Er forderte Ideen und Tatkraft. «Kurz- und mittelfristig müssen wir uns wieder entwickeln», sagte er. Das 1600-Seelen-Dorf solle nicht nur für Grenzverkehr, lange Staus und dicke Brummis in Wohnquartieren stehen, Koblenz braucht auch einen Dorfladen. Ein ähnlicher Aufruf Ende 2014 war im Sande verlaufen.

Notfalls Darlehen der Gemeinde

Am 14. Januar 2017 soll nun an der Hinterdorfstrasse, dort wo früher der Denner war, ein neuer Dorfladen eröffnen. Es ist ein Lädeli von der Bevölkerung für die Bevölkerung. Ende September wurde die Genossenschaft Dorfladen Koblenz im Handelsregister eingetragen. «Es ist schön und eindrücklich, wie sich Leute aus der Gemeinde für einen Dorfladen eingesetzt haben», sagt Andreas Wanzenried. Sieben Koblenzer bilden das neue Dorfladen-Team. Harry Simmen ist Präsident der Genossenschaft, Cäcil Spörri die Geschäftsleiterin.

«Viele Leute haben bereits Anteilscheine gezeichnet. Fast täglich», sagt Gemeinderat Markus Eschbach, der ebenfalls zum Dorfladen-Team zählt. 40 000 bis 50 000 Franken sind so zusammengekommen. Doch noch fehlen rund 30'000 bis 40'000 Franken, um für die ersten Monate des Betriebs die nötige Sicherheit zu haben.

«Leider fehlen noch Sponsoren aus Industrie und Gewerbe», sagt Eschbach. Denkbar, dass der Fehlbetrag durch ein Darlehen der Gemeinde bezahlt wird. Der Gemeinderat hatte stets angekündigt, dass er dem Projekt unterstützend zur Seite stehen wird. «Denn ein Dorf ohne Laden ist ein totes Dorf. Und das will hier sicher niemand.»

Die Infrastruktur im alten Denner ist bereits vorhanden, die Regale sollen durch eine Kooperation mit Volg gefüllt werden. Die Bevölkerung ist nun aufgerufen, ihre bevorzugten Produkte zu nennen. Raucher sollen ihre Zigarettenmarke angeben, Weinliebhaber ihren Lieblingstropfen. Damit die gewünschten Produkte auch im Sortiment erhältlich sind.

Noch Freiwillige gesucht

Ursprünglich wollte man den Laden bereits im Dezember eröffnen, weil dieser als umsatzstarker Monat bekannt ist. «Doch das war zu ambitioniert», sagt Markus Eschbach, «auch wegen der Finanzen.»

Immerhin sollen am 26. Dezember schon einmal Brote und Zopf verkauft werden. «Um den Leuten zu zeigen: Da kommt etwas», so Eschbach. Auch ein Adventsfenster im Laden soll die Aufmerksamkeit erregen. Später will man den Kunden auch einen Bestell- und Bringservice anbieten.

Doch noch gilt es, die letzten Hürden zu nehmen. Um die Regale ein erstes Mal zu füllen, ist eine Vorauszahlung von 50'000 Franken nötig. «Ein happiger Betrag», findet Markus Eschbach. Für die ersten drei Monate sucht das Team zudem noch freiwillige Helfer für den Laden. «Man hat festgestellt, dass es für so ein Projekt mehr braucht als ursprüngliche angenommen», sagt Andreas Wanzenried, «aber das Team hat den Mut nie verloren und ist drangeblieben.»