Endingen
Nach 25 Jahren im Dorfladen hört er auf: «Ich wollte immer aufhören, solange ich fit bin»

Viktor und Irene Laube führten den Dorfladen 25 Jahre lang, nun hören sie auf. Für die Bewohner gibt es aber gute Neuigkeiten

Barbara Scherer
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Das Eisenwarengeschäft im Untergeschoss des Ladens schliesst seine Tore für immer. «Die Konkurrenz und das Einkaufsverhalten haben sich stark verändert», sagt Viktor Laube. Alex Spichale

Das Eisenwarengeschäft im Untergeschoss des Ladens schliesst seine Tore für immer. «Die Konkurrenz und das Einkaufsverhalten haben sich stark verändert», sagt Viktor Laube. Alex Spichale

Alex Spichale

Ihre Gesichter kennt man über das Dorf hinaus: Irene und Viktor Laube. 25 Jahre hat das Ehepaar den Dorfladen mit dem Eisenwarengeschäft im Untergeschoss geführt: Ende Jahr lassen sich die beiden nun pensionieren. Wer jetzt glaubt, ab 2017 gibt es keinen Dorfladen mehr, liegt aber falsch.

Das seit 2005 vom Volg belieferte Lebensmittelgeschäft bleibt bestehen. Auch die Mitarbeiter können zum neuen Arbeitgeber wechseln. Im Januar wird das Geschäft als Volg-Dorfladen von der Landi Surb betrieben.

Der Eisenwarenladen unter dem Volg schliesst seine Tore aber ab dem neuen Jahr für immer. Damit endet eine lange Familientradition. Haben doch bereits Viktor Laubes Eltern den ehemaligen Dorfladen mit einer Eisenwarenabteilung betrieben. «Mein Vater machte seine Lehre in einer Eisenwarenabteilung», sagt Laube. Doch seit Jahren werden gerade noch Nägel und Schrauben im Untergeschoss verkauft.

Die Konkurrenz und das Einkaufsverhalten hätten sich stark verändert und ein Untergeschoss mit Eisenwaren sei heute nicht mehr zeitgemäss. «Dafür hat mich das Treppensteigen fit gehalten», sagt Laube und lacht. Der 70-Jährige schaut zwar mit Wehmut auf die lange Geschichte des Ladens zurück: «Aber ehrlich gesagt freue ich mich sehr auf meinen Ruhestand.» Denn es sei stets sein Wunsch gewesen, aufzuhören, solange er noch körperlich fit sei. So entschieden sich die beiden, vor rund einem Jahr, eine Nachfolgelösung für das Geschäft zu finden.

Kinder übernehmen Laden nicht

Rein altersbedingt ist die Pensionierung aber dann doch nicht: «Wir haben uns das Ziel gesetzt, dass wir aufhören, wenn wir Enkelkinder haben», sagt Irene Laube. Höchste Zeit, denn seit kurzem sind sie zweifache Grosseltern. Die feingliedrige 63-Jährige stammt wie ihr Mann aus einer Verkäuferfamilie. Bereits ihre Grosseltern führten einen Laden im aargauischen Muhen.

«Leider wollte keines unserer drei Kinder diese Tradition weiterführen», sagt Irene Laube. Doch verstehen könne sie das, denn um einen Laden zu führen, müsse man von der Arbeit überzeugt sein. So stehen Irene und Viktor Laube sechs Tage in der Woche im Laden. Dabei beginnt ein Arbeitstag vor den Öffnungszeiten und endet lange, nachdem der letzte Kunde das Geschäft verlassen hat. «Buchhaltung und Bestellungen gehören eben auch dazu», sagt Viktor Laube.

Familie kommt zuerst

Trotz langen Arbeitszeiten hatten Irene und Viktor Laube viel Zeit für ihre drei Kinder. «Dank dem Familienbetrieb waren wir immer beide für unsere Kinder hier», sagt Laube. Denn auch die Eltern der beiden arbeiteten früher im Geschäft mit. «Noch bis über 90 hat meine Mutter Nägel und Schrauben verkauft», sagt Viktor Laube. Und die Kinder halfen fleissig in den Schulferien aus. Es wird schnell klar, die Laubes haben einen starken Familienzusammenhalt.

Trotzdem: Von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu arbeiten, ist das nicht eine grosse Herausforderung? «Am Anfang wird es sicher schwer sein. Am meisten wird mir aber der Kundenkontakt fehlen», sagt Irene Laube.

Viele gute Bekannte seien gleichzeitig ihre Kunden. Diese würden bereits jetzt die baldige Pensionierung des Ehepaars bedauern. Doch die Vorfreude auf die Zeit als Grosseltern ist stärker: Bald schon trifft man Viktor und Irene Laube nicht mehr hinter einer Kasse, sondern nur noch hinter einem Kinderwagen an.