Abriss geplant
Könnte man das Bad Zurzacher Turmhotel sprengen?

Das Turmhotel in Bad Zurzach soll weg. Doch wie soll es verschwinden? Mit einer Sprengung? Zwei Sprengmeister sagen, ob und wie sie das Wahrzeichen pulverisieren würden.

Samuel Buchmann
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Könnte man das Bad Zurzacher Turmhotel (rechts) sprengen? Vor zwei Jahren wurde der Sprecherhof in Aarau (links) mit einer Sprengung zu Fall gebracht. Das Gebäude stammte wie das Turmhotel aus den 60er-Jahren.

Könnte man das Bad Zurzacher Turmhotel (rechts) sprengen? Vor zwei Jahren wurde der Sprecherhof in Aarau (links) mit einer Sprengung zu Fall gebracht. Das Gebäude stammte wie das Turmhotel aus den 60er-Jahren.

AZ-Archiv/ZVG

Weg soll es, das Turmhotel in Bad Zurzach, das steht fest. Bloss: Wie reisst man so ein hohes Gebäude aus Stahl und Beton überhaupt ab? Immerhin steht es mitten zwischen verschiedenen Gebäuden und Schwimmbecken. Die az hat bei zwei Sprengmeistern nachgefragt.

Der erste ist Walter Weber von der Firma GU Sprengtechnik AG in Erlinsbach. Weber ist der Mann, der vor zwei Jahren für die Sprengung des Sprecherhofs in Aarau verantwortlich war. Das Hochhaus stammte wie der Bad Zurzacher Turm aus den 60er-Jahren. Könnte er also auch das Turmhotel pulverisieren? 20 Sekunden Stille am Telefon – Weber schaut sich im Internet ein paar Bilder des Gebäudes an. Dann sein erstes knappes Urteil: «Ja, kann man sprengen.»

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Grundsätzlich könne man alles sprengen, sagt Weber. Doch ob die Abrissmethode auch die beste ist, hänge von der Statik und der Bausubstanz ab. Da der Sprengmeister diese Faktoren nicht genau kennt, bleiben seine Einschätzungen Hypothesen.

Die Sprengung des Sprecherhofs in Aarau vor zwei Jahren im Video:

«Die Emissionen einer Sprengung wären sicher geringer, als wenn man den Turm über Monate hinweg mit Maschinen abreissen würde», so Weber.

Zwar produziere eine Sprengung viel Staub und Krach auf einmal. Doch nach einer Nacht sei der grösste Spuk vorbei. «Ein Rückbau mit Maschinen verursacht über einen viel längeren Zeitraum hinweg Dreck und Lärm.» Diese Argumente sprechen laut Weber auf jeden Fall für eine Sprengung.

Die umliegenden Gebäude sieht Walter Weber eher nicht als Hindernis «Je nach Statik können wir Gebäude in sich kollabieren lassen.» Stärkere Bauten könne man «zusammenfalten», sodass sie ebenfalls nicht auf benachbarte Häuser stürzen.

Ob eine Sprengung teurer oder günstiger wäre, kann Weber auf die Schnelle nicht sagen. Zu sehr hängt es von der Widerstandskraft der Konstruktion ab. «Ziel ist immer, mit der Sprengung eine möglichst grosse Zerstörung zu bewirken. Die verbleibenden Trümmer können dann effizient und sicher mit kleineren Maschinen abgebaut werden.»

Sprengung nicht ohne Risiko

Etwas weniger zuversichtlich ist Walter Webers Branchenkollege, Thomas Schwarz. Sein Unternehmen, die Schwarz Spreng- und Felstechnik AG in Winterthur, hat schon zahllose Gebäude und Hochkamine zum Einsturz gebracht.

Schwarz befürchtet, dass der Turm eine massive Stahlbeton-Konstruktion ist und die Aussenwände tragend sind. «Ein so gebautes Hochhaus kann man nicht in sich zusammenfallen lassen.»

Diese Methode funktioniere nur mit Bauten, die nur ein tragendes «Skelett» haben. Bei solchen reicht es, eine Etage dieses Skeletts zu sprengen. Durch das Gewicht der darüberliegenden Stockwerke kollabiert das Gebäude dann an Ort und Stelle.

Bei tragenden Wänden bleibt einerseits die von Weber angesprochene Falt-Methode. «Aber die ist nicht ohne Risiko», sagt Thomas Schwarz.

Unter anderem könnten die Trümmerteile der nötigen Sprengung auf rund 40 Metern Höhe umliegende Häuser beschädigen. Überhaupt findet Schwarz die Lage des Turms inmitten von Thermalbad und anderen Gebäuden problematisch.

Diese Lage verhindert wohl auch die letzte Spreng-Variante – nämlich den Turm einfach «umzulegen», wie Schwarz es nennt. «Diese Methode benützen wir oft bei Hochkaminen. Dafür braucht es aber eine freie Fläche, wo das Bauwerk hinfallen kann.»

Zusammenfassend hält Schwarz deshalb eine Sprengung des Turmhotels für «eher unrealistisch». Das sei zwar keine gute Werbung für ihn, «doch manchmal muss man wissen, wann man es besser bleiben lässt.»

Wie das Bad Zurzacher Wahrzeichen schliesslich dem Erdboden gleichgemacht wird, bleibt also offen. Eine Sprengung könnte riskant sein, ein Abbau mit Maschinen hingegen aufwendig und langwierig.

Vor Mitternacht stand er noch: Da herrschte noch reger Betrieb beim Gais-Kreisel
38 Bilder
Das Hochhaus steht noch...
...dann krachts in sich zusammen...
Die Wasserwerfer dämmen die Staubentwicklung ein
Die Sanduhr auf das Hochhaus projiziert. Lange kann es nicht mehr dauern
Der Countdown: Noch drei Sekunden
Der Countdown: Noch zwei Sekunden
Der Countdown: Noch eine Sekunde
Der Countdown ist auf Null.
Das Hochhaus steht noch, doch Sekunden später...
...Sprengungen sind zu sehen...
...das Haus kracht in sich zusammen
Das Hochhaus fällt in sich zusammen
Das Hochhaus fällt in sich zusammen
Die Staubwolke macht sich breit
Die Staubwolke macht sich breit
Die Staubwolke macht sich breit
Die Staubwolke verzieht sich ziemlich schnell wieder
Das Hochhaus in Schutt und Asche
Zuschauer bestaunen das in Trümmern liegende Hochhaus
Das Hochhaus in Schutt und Asche
Das Hochhaus in Schutt und Asche

Vor Mitternacht stand er noch: Da herrschte noch reger Betrieb beim Gais-Kreisel

Toni Widmer