Stadtmusik Klingnau
Kirchenkonzert als Warm-Up fürs «Eidgenössische» in Montreux

Die zweitälteste Aargauer Stadtmusik ist am Sonntag in der voll besetzten Kirche aufgetreten – auch als Vorbereitung auf das Eidgenössische im Juni. Und wie sieht es, zwei Jahre nach dem Ende der Jugendmusik, mit dem Nachwuchs aus?

Von Patrick Hersiczky
Merken
Drucken
Teilen
Stadtmusik Klingnau in der katholischen Kirche
5 Bilder
Die Akustik in einer Kirche verlangt höchste Konzentration der Musiker
Xylofon-Spieler im Einsatz
Konzert der Stadtmusik Klingnau in der katholischen Kirche
Die Kirche im Städtchen Klingnau war fast bis auf den letzten Platz ausgebucht

Stadtmusik Klingnau in der katholischen Kirche

Von Patrick Hersiczky

Die sanften Klänge einer Oboe, Querflöte oder eines Saxofons verwandelten Stücke wie den Titelsong des Endzeitfilmes «Hunger Games» in ein Kino im Kopf. Das Konzertprogramm der Stadtmusik Klingnau in der katholischen Kirche war eine Hommage an bekannte Filmsongs. So liess die keltisch angehauchte Musik aus dem Disney-Animationsfilm «Brave» die schottischen Highlands aufleben. Und bei den imposanten Klängen der «Drei Musketiere» glaubte man, den draufgängerischen D’Artagnan vorbeireiten zu sehen.

Obschon die Kirche im mittelalterlichen Städtchen praktisch auf den letzten Platz besetzt war, kämpft die Stadtmusik Klingnau nach wie vor mit Nachwuchsproblemen: «Vor rund zwei Jahren mussten wir leider den Spielbetrieb der Jugendmusik einstellen», erklärt Vereinspräsident Reto Capaul.

«Die Schüler spielen heute vor allem Gitarre, Klavier oder Schlagzeug. In den Musikschulen werden klassische Blasinstrumente weniger häufig gewählt», bedauert Capaul. Doch die zweitälteste Aargauer Stadtmusik, die 1806 gegründet wurde, leistet wieder Aufbauarbeit: «Wir haben in den vergangenen Tagen viele Flyer an die Musikschüler verschickt. Im Sommer möchten wir dann mit einer neuen Jugendband starten», sagt Capaul. «Ein Vorteil für die Stadtmusik Klingnau ist auch, dass es in der Region nicht viele Harmonieorchester gibt», so Capaul.

Schwarzer Vorhang vor dem Orchester

Für die 45 Orchestermusiker ist ein Konzert in einer Kirche nur schon wegen der Akustik eine Herausforderung: «Wir konnten schon zwei Wochen vorher proben, um uns an die Akustik zu gewöhnen», erklärt Reto Capaul, der im Orchester Klarinette spielt. «Man muss sich aber zuerst daran gewöhnen, weil die Klänge etwas verschwommen wirken.» Deshalb habe man auch einen grossen schwarzen Vorhang hinter dem Orchester platziert, um die Akustik etwas zu verbessern.

Für die Stadtmusik Klingnau und ihren Dirigenten Pascal Maillard dient ein solcher Auftritt jeweils auch als Vorbereitung: Im Juni wird das Orchester in Montreux am Eidgenössischen Musikfest einen Wettbewerb austragen. Das Aufgabenstück hat man erst vor kurzem bekommen. «Dieses wird extra komponiert, damit man es vorher noch nicht gespielt hat», so Reto Capaul. Die Zuschauer kamen am Sonntag damit in den Genuss einer Uraufführung die
ses Stückes mit dem klingenden Titel «Noah’s Ark».