Bad Zurzach
Grüne gegen Ostumfahrung – doch funktioniert ihr Alternativ-Vorschlag?

Die Grüne Partei hätte lieber das «Berner Modell» als eine Ostumfahrung in Bad Zurzach. Doch der Erfinder des Berner Modells in Köniz hat selbst Vorbehalte gegenüber der 1:1-Anwendung seiner Idee auf den Flecken.

Nadja Rohner
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Diese Visualisierung zeigt den Knoten Bruggerstrasse und den Hangeinschnitt bei Zufahrt nach Bad Zurzach vom Achenberg her.

Diese Visualisierung zeigt den Knoten Bruggerstrasse und den Hangeinschnitt bei Zufahrt nach Bad Zurzach vom Achenberg her.

zvg

Die Grünen Aargau haben sich im Rahmen der laufenden Vernehmlassung gegen den Zusatzkredit für die Ostumfahrung Bad Zurzach ausgesprochen. Der 2013 vom Grossen Rat bewilligte Kredit von 58,8 Mio. Franken reicht nicht aus, nun wird ein Zusatzkredit in der Höhe von 15,9 Mio. Franken beantragt. Die Mehrkosten gehen zulasten der kantonalen Strassenkasse, die Gemeinde soll weiterhin nur den festgelegten Anteil von 10 Mio. bezahlen.

Nicht nur die Mehrkosten von rund 27 Prozent, sondern gleich das ganze Projekt stösst bei den Grünen Aargau auf Ablehnung. «Die Kosten für die Ostumfahrung sind viel zu hoch, zumal die Strecke täglich von weniger als 10'000 Autos befahren wird», sagt Grossrat Hansjörg Wittwer. Das Verkehrsaufkommen sei damit zu klein, um eine solch grosse Umfahrung zu rechtfertigen. «Diese Haltung haben die Grünen schon vertreten, als der erste Kredit für die Ostumfahrung im Grossen Rat verhandelt wurde. Wir halten angesichts der nun anfallenden Mehrkosten natürlich daran fest.»

Die Visualisierung zeigt den offen geführten Teil der Ostumfahrung im Süden des Fleckens Bad Zurzach.
6 Bilder
Heute wird der Verkehr durch den historischen Kern von Bad Zurzach geführt (rot), in Zukunft soll er sie via Ostumfahrung meiden (blau).
Einfahrt aus Richtung Zurzacherberg
Ostumfahrung Bad Zurzach
Schützenweg: Hier wird die Ostumfahrung unterirdisch in einem Tunnel durchführen.
Mit der Ostumfahrung soll der historische Kern von Bad Zurzach aufgewertet werden. Diesen nennen Einheimische Flecken (in Anlehnung an Marktflecken).

Die Visualisierung zeigt den offen geführten Teil der Ostumfahrung im Süden des Fleckens Bad Zurzach.

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Wittwer ist überzeugt, dass der Verkehr gar nicht um den Flecken herumgeleitet werden soll. «Bad Zurzach wurde ja so gebaut, dass man mitten hindurchfahren kann. Das Problem ist, dass es im Moment zu viel Verkehr hat. Wenn man aber die Durchfahrt unattraktiver machen würde, gäbe es auch weniger Autos.» Um das zu erreichen, könnte man laut Wittwer das «Berner Modell» anwenden. Dieses fokussiert auf ein Miteinander von Langsamverkehr und dem motorisierten Individualverkehr (MIV). Das Paradebeispiel ist die Schwarzenburgstrasse in Köniz BE, wo das Modell erfolgreich umgesetzt wurde.

Gemeinderat: Situation ist anders

Die SP Aargau hatte sich bereits früher für eine Anwendung des «Berner Modells» in Bad Zurzach ausgesprochen: Man müsse den Durchfahrtswiderstand im Flecken erhöhen, Tempo 30 einführen, den Strassenraum im Sinne des Modells aufwerten und den öV auf Kosten des MIV fördern und priorisieren.

Während der Vorbereitungen zur Ostumfahrungs-Abstimmung in Bad Zurzach war der Bad Zurzacher Gemeinderat selber in Köniz vor Ort. «Wir haben uns die Situation genau angeschaut», sagt Ammann Reto S. Fuchs. «Die Strasse in Köniz ist dreimal breiter als die Hauptstrasse in Bad Zurzach mit ihren Häuserschluchten.» Ausserdem würden die verkehrsberuhigenden Massnahmen nach Berner Modell dort nur auf einer Strecke von rund zwei- bis dreihundert Metern angewendet.

«Bei uns müsste man sie aber auf der ganzen Strecke durch den Flecken hindurch umsetzen», so Fuchs. Zudem: «Das grosse Verkehrsaufkommen und die damit verbundenen Schäden an den Altstadthäusern hätten wir trotzdem.» Er weist darauf hin, dass der Entwickler des Berner Modells, Fritz Kobi, an einer Podiumsdiskussion der SP in Bad Zurzach anwesend war, um das Konzept vorzustellen. «Er hat klar zum Ausdruck gebracht, dass die Situation in Bad Zurzach eine ganz andere ist, als zum Beispiel in Köniz, weshalb er nicht sagen konnte, ob das Berner Modell hier überhaupt anwendbar wäre.»

Ein «murrendes Ja» von der EVP

Der Widerstand der Grünen gegen den Zusatzkredit dürfte letztlich symbolisch bleiben. Noch läuft die Vernehmlassung, es zeichnet sich jedoch eine Mehrheit für den Kredit ab: EDU, SVP und EVP haben sich dafür ausgesprochen, letztere «mit einem murrenden Ja». Die SP möchte die verworfene Tunnellösung (Kostenpunkt: rund 95 Mio. Franken) noch einmal aufgreifen, schliesslich sei diese auch nicht mehr viel teurer als die nun prognostizierten Kosten von 75 Mio. für die geplante Ostumfahrung. Die Sozialdemokraten sind zudem der Ansicht, der Kanton solle nicht die ganzen Mehrkosten tragen müssen – die Gemeinde solle ebenfalls zusätzlich einen Anteil von 1,66 Mio. zahlen.