Klingnau
Grossbrand in Fischzucht: Wie Tausende Zander trotz Inferno überlebt haben

Beim Grossbrand in der Klingnauer Fischzucht, der ehemaligen Koi-Farm, überlebten die allermeisten Zander im Untergeschoss – als Gefahren erwiesen sich nicht nur das Feuer und das Löschwasser.

Philipp Zimmermann
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Von mehreren Positionen aus halten Feuerwehr-Einsatzkräfte am Abend des Grossbrandes Löschschläuche auf das Gebäude.
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In Klingnau ist eine Fischzucht niedergebrannt.
Die Feuerwehr löschte die Flammen noch am selben Abend, stand wegen Glutnestern aber bis nach Mitternacht im Einsatz.
Verletzte gab es keine.
Gleich neben der Gewerbehalle befindet sich die Bahnlinie, etwas oberhalb die Kantonsstrasse in Richtung des Nachbardorfs Koblenz an der deutschen Grenze.
Die Feuerwehr wurde um 18.47 Uhr alarmiert.
Grossbrand in Klingnauer Fischzucht
Der Lieferwagen der Firma mit nicht mehr aktuellem Schriftzug ("Koj-Farm") wurde arg beschädigt. Beim Ausbruch des Feuers stand er näher am Gebäude.
Die beiden Hallen der tegatec GmbH, welche hier in Klingnau eine Fischzucht mit 20'000 Zandern betreibt.
10'000 Zander befanden sich in verschiedenen Becken im Untergeschoss des betroffenen Gebäudes – im Untergeschoss, das doch eine dicke Betonwand getrennt ist von den Obergeschossen.
Die Einsatzleitung der Feuerwehr auf der gesperrten Kantonsstrasse.
Früher verkaufte die Firma von Eigentümer Bernhard Kaufmann Kois, die wertvollsten Fische der Welt. Seit wenigen Monaten haben sie keine solchen mehr im Angebot, dafür ein grosses Angebot an Utensilien für Gartenteiche oder Fischereiutensilien.
Am Gebäude entstand grosser Schaden.
10'000 Zander befanden sich in verschiedenen Becken im Untergeschoss des betroffenen Gebäudes – im Untergeschoss, das doch eine dicke Betonwand getrennt ist von den Obergeschossen.

Von mehreren Positionen aus halten Feuerwehr-Einsatzkräfte am Abend des Grossbrandes Löschschläuche auf das Gebäude.

Philipp Zimmermann

Bernhard Kaufmann (67) blickt am Mittwochabend mit Sorgenfalten auf seine Gewerbehalle im Industriegebiet "Zelgli". Zwei Stunden nach Brandausbruch, gegen 20.30 Uhr, züngeln noch immer Flammen aus den beiden Obergeschossen, in denen sich Werkstatt- und Lagerräume befinden. Vor allem steigt dicker weisser Rauch empor. Rund um die Halle stehen Dutzende Feuerwehrleute im Löscheinsatz.

Kaufmann sorgt sich um seine Zander. Im Untergeschoss des Gebäudes befindet sich ein Teil seiner Fischzucht. 10'000 Zander schwimmen dort in 21 Becken. Es ist weniger das Feuer, das ihm Sorgen macht, sondern das Löschwasser, das ins Untergeschoss in die Zanderbecken dringen könnte.

Noch am selben Abend wird klar: Die meisten Fische haben das Inferno überlebt. Dank der 40 Zentimeter dicken Betondecke, welche das Untergeschoss vom ersten Obergeschoss trennt. Zwar dringt Löschwasser durch Leitungslöcher ins Untergeschoss. Doch nur die 600 Fische in einem Becken gehen zugrunde. Die anderen rund 9400 bleiben verschont.

Alarm wegen Stromausfall

Möglich wurde dies auch dank des Notfallsystems der Tegatec, wie Kaufmanns Firma heisst. Der Unternehmer und seine Mitarbeiter waren nach Feierabend noch nicht lange zu Hause, als das System einen Stromausfall meldete. "Die Sauerstoff-Versorgung der Zander ist in so einem Fall durch einen Batteriebetrieb für drei bis vier Stunden gesichert", erklärt er der AZ am späten Mittwochabend. "Im Verlauf unseres Einsatzes haben wir die Stromversorgung wieder anstellen können, erklärt Feuerwehr-Kommandant Remo Bugmann. "So liess sich ein grösserer Schaden vermeiden."

"Die Brandursache steht noch nicht fest", sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei, am Donnerstag. "Die Brandermittler haben ihre Ermittlungen aufgenommen und waren für eine Begehung am Brandort." Unklar ist die Höhe des Sachschadens: Die Aargauische Gebäudeversicherung AGV macht dazu keine Angaben.

120 Feuerwehr-Männer und -Frauen standen beim Grossbrand im Einsatz. Für die meisten war er um Mitternacht beendet – aber nicht für alle. Die Feuerwehr stellte eine Brandwache. "Am Donnerstagmorgen haben wir für weitere Löscharbeiten nochmals die Autodrehleiter der Stützpunkt-Feuerwehr angefordert", sagt Bugmann. "Einige Feuerwehrleute haben das Dach teilweise aufgeschnitten und die letzten Glutnester gelöscht." Am Donnerstagmittag war der Einsatz beendet.

Bugmann unterstreicht die sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren sowie den SBB. Diese hatten entschieden, dass die S-Bahn weiter zwischen Koblenz und Klingnau verkehren kann. Die Züge fuhren am Brandort im Schritttempo, auf Sicht, vorbei.

Vom Koi- zum Zander-Züchter

Bernhard Kaufmann hat sich als Züchter und Verkäufer der japanischen Koi-Fische, die als die teuersten Fische der Welt gelten, einen Namen gemacht. Weil dieser Markt vor einigen Jahren stagnierte, machte er sich auf die Suche nach Alternativen. Dabei kam er auf den Verkauf von Wassertechnik für Gartenteiche sowie auf die Zucht des Zanders, eines begehrten Speisefisches, der in der Schweiz aber immer seltener gefangen wird.

Kaufmann wurde vor vier Jahren zum Pionier der Zanderzucht. Seinem Beispiel sind mehrere Aargauer Landwirte gefolgt. Im August 2014 führte er in der AZ aus, dass der Zander ein sehr guter Futterverwerter sei. Das macht ihn für die Zucht sehr interessant. Ein Kilo Futter bringt eine Gewichtszunahme von einem Kilo. Zum Vergleich: Bei Rindern liegt das Verhältnis bei 8:1, bei Geflügel bei 3:1.

Kaufmann beliefert seine Kunden, vor allem Landwirtschaftsbetriebe, mit Setzlingen in verschiedenen Grössen. Diese ziehen die jungen Fische auf, bis sie schlachtfrei sind. Die Mast dauert insgesamt ein Jahr. Dann sind die Zander ein Kilogramm schwer.

Heute züchten Kaufmann und seine Mitarbeiter im Klingnauer "Zelgli" 20'000 Zander, davon 10'000 im Hauptgebäude, das vom Grossbrand verschont blieb. Kois dagegen hat Kaufmann seit vier Monaten nicht mehr im Angebot.