Bad Zurzach
Ernste und heitere Momente im Verenamünster Bad Zurzach

Zum zweiten Fastensonntag lasen Bühnenkünstler Hans Rudolf Twerenbold und Schauspielerin Roswita Schilling im Verenamünster Bad Zurzach Texte des Pfarrers, Dichters und Denkers Kurt Marti. Rudolf Lutz improvisierte dazu auf der Orgel.

Ursula Burgherr
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Roswita Schilling und Hans Rudolf Twerenbold lesen aus den Werken des Berner Pfarrers Kurt Marti. Ursula Burgherr

Roswita Schilling und Hans Rudolf Twerenbold lesen aus den Werken des Berner Pfarrers Kurt Marti. Ursula Burgherr

Seit über 25 Jahren finden die Münsterkonzerte in Bad Zurzach statt. Fester Bestandteil in der Reihe sind die Lesungen mit musikalischer Untermalung an der Orgel. Hausorganist Daniel Zehnder, Organisator der Konzertreihe, zeigte sich stolz, in der Person von Rudolf Lutz einen der hierzulande besten Orgelimprovisatoren für den Auftritt von Twerenbold und Schilling gewonnen zu haben. Die beiden Schauspielgrössen trugen Texte des mittlerweile 90-jährigen Pfarrers Kurt Marti vor.

Dass Marti ein Geistlicher voller Humor ist, der sich nicht scheut, seine dezidierte Meinung zur Asylantenfrage und zu anderen Aktualitäten zu äussern und sich schon in frühen Jahren gegen die gesellschaftliche Unterdrückung der Frau einsetzte, kam in vielen Passagen zum Ausdruck. Auch in Bezug auf seine eigene Biografie zeichnet sich der einstige Berner Pfarrer durch eine Offenheit aus, die für Theologen ungewöhnlich ist. Berührende Sequenzen aus seiner Jugend kamen zu Gehör, über die Ängste seiner Mutter, wenn der Vater zu lange im Wirtshaus sass, seine sexuellen Träume, die er aus Schüchternheit nie ausleben konnte und stattdessen zum introvertierten, feinsinnigen Beobachter der Menschheit wurde.

Martinshorn inspiriert Organisten

Gerade als Hans Rudolf Twerenbold von Furcht und zurückgehaltenen Gefühlen las, heulte draussen ein Martinshorn und übertönte schier seine Stimme. Rudolf Lutz setzte den Klang des Krankenwagens in Sekundenschnelle auf der Orgel um, so spontan, überraschend und virtuos, wie er alle seine Intermezzi einschob. Das Improvisationsgenie ist international gefragt für Kurse und Konzerte. Kurz vor seinem Auftritt in Bad Zurzach gastierte er in Japan.

Für seinen Auftritt im Verenamünster hatte er sich nur einige Stunden zuvor schemenhaft Gedanken gemacht, wie er mit der Orgel den Textsequenzen eine persönliche musikalische Note beisteuern könnte. «Alles entsteht im Augenblick», erklärte Lutz nach dem Auftritt. Kurt Marti, dessen tiefgründige Texte und Sprüche für ernste und heitere Momente im gut besetzten Verenamünster gesorgt hatten, lebt heute im Altersheim.

Auf seine späten Tage mokiert er sich über «all die Apparaturen, welche menschliche Handreichungen und persönliche Nähe ersetzen». Und meint mit leichtem Spott: «Am Ende der Welt steht ein Automat – und wehe dem, der seine PIN-Nummer nicht weiss!»

Der nächste Anlass in der Reihe der Münsterkonzerte Bad Zurzach 2012 findet am Sonntag, 29. April 2012, mit dem Badener Vokalensemble und Solisten des Ensembles La fontaine statt.

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