Baden
Stuttgarter Company serviert im Kurtheater ein Menü der Tanz-Extraklasse

Gauthier Dance aus Stuttgart stellt in «Swan Lakes» vier Choreografen-Stars vor – und zeigt ein Menü für Fans der Tanz-Avantgarde.

Elisabeth Feller
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In «Swan Lakes» zeigt Gauthier Dance aus Stuttgar vier ganz unterschiedliche, spannende Tanzsprachen.

In «Swan Lakes» zeigt Gauthier Dance aus Stuttgar vier ganz unterschiedliche, spannende Tanzsprachen.

zvg

Wie wirbt man für den Ballettklassiker «Swan Lake» («Schwanensee»)? Gar nicht, da geht man einfach hin. Was aber, wenn ein «s» auftaucht? Dann entdecken wir Swan Lakes und wollen wissen, was es damit auf sich hat.

Eric Gauthier, Direktor der Stuttgarter Company Gauthier Dance, erklärt das so:

«Ich wollte schon immer einen Blockbuster wie ‹Schwanensee› machen. Noch lieber wollte ich allerdings Swan Lakes. Also fragte ich eine Kollegin und drei Kollegen, ob sie ‹Schwanensee› neu interpretieren wollen. Jeder bekam dafür 20 Minuten.»

So hört sich das an bei Gauthier, der das Publikum während einer Umbaupause begeistert. Was zuvor und nach diesem Intermezzo serviert wird, ist ein Menü der Extraklasse für Fans der Tanz-Avantgarde.

Schimmert bei «Untitled for 7 Dancers» des Spaniers Cayetano Soto noch das Original durch? Kaum. Es ist ein düsteres Werk zu elektronischer Musik von Peter Gregson, in dem das Ensemble in schwarzen Langarm-Bodys die Bühne wie Raubkatzen erobert und dabei eine bestechende Geschmeidigkeit an den Tag legt, während im Hintergrund eine Uhr läuft, die das nahende Ende anzeigt.

Die Kanadierin Marie Chouinard steckt ihre acht Tänzerinnen in «Le Chant du Cygne: Le Lac» in Tüll-Röcke, die fürs klassische Ballett schlechthin stehen. Der Auftakt ist ein Hingucker: die Acht ziehen durch ein projiziertes Flammenmeer, das sich später in Wasser verwandelt.

Ein ungespanntes Zusehen ist aber kaum möglich, denn die Tänzerinnen hinken über die Bühne. Sie tragen nur einen Spitzenschuh am Fuss; der andere Schuh ist über die Hand gestülpt, was – je nach Armbewegung – viele Assoziationen erlaubt. Rufen die Tänzerinnen am Ende Sätze chilenischer Widerstandskämpferinnen, verfestigt sich der Eindruck eines feministischen Manifests.

Ein Rausschmeisser am Schluss

In Marco Goeckes «Shara Nur» (Gelber See) tragen Frauen wie Männer schwarze Hosen und rosa Hemden. Das macht sie austauschbar in einem Werk, in dem – für Goecke typisch – Tanz, Sprache, hechelnder Tänzer-Atem sowie zuckende Körper eine spannende Einheit bilden.

Was hat dies mit «Schwanensee» zu tun? Man darf rätseln.

Keine Rätsel auf gibt dagegen Hofesh Shechter, der mit «Swan Cake» aufwartet. Wird es am Ende gar witzig? Ja. Ein in bunte Kostüme gekleidetes Ensemble bevölkert die Bühne, animiert das Publikum zum Klatschen – und ab geht die Post zu einem rhythmisch peitschenden Sound. «Swan Cake» ist eine Riesenparty, die jedoch nicht unkontrolliert abläuft, sondern mit exakt getimten Bewegungen: ein echter Rausschmeisser.

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