Kolumne
Aus die Maus!

BT-Kolumnistin Susanne Holthuizen tritt Ende dieser Legislatur nach 10 Jahren als Gemeinderätin von Lengnau zurück. Was bleibt? Sie lässt die Zeit Revue passieren.

Merken
Drucken
Teilen
Susanne Holthuizen

Susanne Holthuizen

Alex Spichale

Wenn beim zwölften Glockenschlag am Silvesterabend überall die Champagnerkorken knallen und das edle Nass in die Gläser perlt, ist es soweit: nicht nur das Jahr 2017 findet dann sein grande Finale, der fallende Vorhang beschliesst auch gleich meine Amtszeit. Mein Plan war damals zehntausend Stunden zu bestehen. Die Regel besagt nämlich, dass es solange braucht, um sich vertiefte Kenntnis anzueignen. Mit dem Mandat in der Tasche betrat ich leicht unbeholfen die Polit- Bühne, wo ich mich unversehens im kommunalen Scheinwerferlicht wiederfand. Um diese Rolle zu belegen, musste mein Kostüm manches Mal aus Elefantenhaut und strapazierfähig wie ein Knetgummi sein.
Der Weg ging mal rauf, dann runter und mäanderte durch unbenanntes Neuland, das es immer wieder zu entdecken und geistig einzunehmen galt. Auch fand ich mich ab und zu in einer Sackgasse wieder und musste einige Kehrtwenden einlegen. Manchmal hatte ich aber das Gefühl mich im Dschungel verirrt zu haben. Wie zum Kuckuck sollte ich denn wissen, was es mit dem Schlammschuttregler auf sich hat? Ein mir absolut unbekanntes Teil, das noch dazu irgendwo im Boden eingebuddelt liegt. Im gleichen Atemzug sollte über eine Unterstützung fürs Jugendsportlager befunden werden. Was hat das denn bitte miteinander zu tun? Nun ja, in diesem Fall ist der gemeinsame Nenner das fehlende Geld in der Gemeindekasse.
Kleine Frage an Sie: Wie würden Sie denn entscheiden? Emotional fällt die Wahl doch leicht - Jugend geht schliesslich vor! Die Konsequenzen sind aber eben nicht Regenfall überflutet es ohne Schlammschuttregler vielleicht den Schacht neben ihrer Liegenschaft und das Wasser bahnt sich dann den Weg direkt durchs Haus. Im anderen Fall kann es sein, dass ohne Elternunterstützung das Sportlager nicht zustande kommt. Die Wahl liegt also auf der Hand, auch wenn die Absage letztendlich nicht förderlich und sicherlich nicht für alle gleich bekömmlich ist. Streckenweise fühlte ich mich selber wie ein Schlammschuttregler, bei alledem was da so angeschwemmt kam. Aber echt, Entscheidungen zu fällen ist ein Balanceakt auf dem Hochseil! Wie leichtfüssig sieht es doch von Aussen aus und setzt in Wirklichkeit viel Bemühung, Wissensaneignung, Weitblick und eine gehörige Portion Ausdauer voraus!

Da sitzen nämlich fünf zusammengewürfelte Personen an einem Tisch und fahren sich regelmässig über den Schnabel, um just zu einer Entscheidungsfindung zu kommen. Dabei brodelt es mächtig bis die Köpfe rauchen: Schliesslich geht es um die Verwendung von Steuergeldern und dazu gibt es mindestens fünf verschiedene Ansichten! Meist verpuffen die emotionsgeladenen Schwaden nach so einer Debattierrunde gleich wieder. Gut so, es geht ja schliesslich um die Sache, nicht? Jedenfalls habe ich die Aufgabe immer so verstanden. Klar wird in jeder Gruppe mal mit der Hauptrolle kokettiert - dagegen hat auch niemand was, solange jeder dem anderen den nötigen Respekt entgegenbringt und den Boden noch unter den Füssen spürt. Abgehobene Selbstdarsteller verhindern bloss das Gelingen des Ensembles und hinterlassen auf der kommunalen Bühne nebst Schall und Rauch einen ziemlichen Haufen Müll, den andere aufzuräumen haben.
Als Einzeldarbietung ist so ein Mandat ohnehin nicht zu geniessen. Vielmehr soll man sich als ein Rädchen im Getriebe verstehen, das mit seiner ganz besonderen Beschaffenheit zum Funktionieren des Zusammenlebens beiträgt. Im Hintergrund sind viele Personen im Einsatz, damit die Fünf als Gesicht einer Gemeinde auftreten können. Der Blick hinter die Kulissen der Gesellschaft hat meine Sinne auf jeden Fall nachhaltig beeindruckt.