Hettenschwil
Audienz in der Beiz: Der Landammann am Stammtisch

Bildungsdirektor Alex Hürzeler stellt sich am Stammtisch den Fragen der Bevölkerung – und überzieht ganz in Thomas Gottschalk-Manier um eine halbe Stunde.

Angelo Zambelli
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Fröhliche Stimmung: Alex Hürzeler (links) im Gespräch mit den Teilnehmern des Landammann-Stammtischs.Angelo Zambelli

Fröhliche Stimmung: Alex Hürzeler (links) im Gespräch mit den Teilnehmern des Landammann-Stammtischs.Angelo Zambelli

Normalerweise hat der Landammann staatsmännische Reden zu halten. Nicht so am Landammann-Stammtisch: Ziel der von Gastro Aargau ins Leben gerufenen Veranstaltung ist es, den direkten Kontakt mit der Bevölkerung herzustellen, den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, den höchsten Aargauer Politiker mit Fragen zu löchern.

Landammann Alex Hürzeler stellte sich dieser Aufgabe im Restaurant Waldheim in Hettenschwil. Er überzog – wie weiland TV-Moderator Thomas Gottschalk bei «Wetten, dass . . .» – die auf drei Stunden angesetzte Veranstaltung um mehr als eine halbe Stunde – ein Beweis dafür, dass er den Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern schätzt. Hürzeler wirkte gelöst, ja fröhlich, setzte sich an alle sechs Tische, hörte sich die Fragen und Anliegen der rund 30 Personen geduldig an und gab auch bei heiklen Fragen bereitwillig Auskunft.

Heisses Eisen: Schulen

Während am einen Tisch die Ursachen für das Beizensterben und die schwindende Solidarität in der Gesellschaft sowie die Auswirkungen der modernen Kommunikationsmittel auf die Menschen diskutiert wurden, kam am anderen Tisch die Frage nach der Zukunft der Zurzibieter Bezirksschulen zur Sprache. «Wer künftig Standort sein soll, muss die Region selbst regeln», sagte Hürzeler.

Der Landammann forderte die Verantwortlichen der Bezirksschul-Standorte Leuggern und Klingnau auf, die Übergangsfrist von acht Jahren zu nutzen und in intensiven Gesprächen nach Lösungen zu suchen. Er hoffe, so Hürzeler, dass der Regierungsrat nicht gezwungen sei, einen Zuteilungsentscheid zu fällen. Als dringender und heikler beurteilt der Erziehungsdirektor die Umstellung der Schule von 5/4 auf 6/3. «Insbesondere stellt sich die Frage, ob mit dem Start des neuen Schulsystems im August 2014 auch jede Klasse ihren Schulraum hat.»

Er sei froh, von Zeit zu Zeit an der Front zu sein, antwortete Hürzeler auf die Frage, ob er den Landammann-Stammtisch als lästige Pflicht oder als Vergnügen empfinde. «Mich freut es immer, wenn jemand bei einer Veranstaltung ein anderes Thema anspricht als Politik. Emotionen spürt man in einem ungezwungenen Gespräch viel besser als an einer Politveranstaltung. Politik funktioniert nur von unten nach oben. Doch die oben müssen denen unten ab und zu auch zuhören.»

Finnland als leuchtendes Beispiel

Sprach’s und setzte sich an den nächsten Tisch, wo ihm die knifflige Frage gestellt wurde, warum Finnland stets an der Spitze der Pisa-Studie rangiere. «Weil jedes Kind erst eingeschult wird, wenn es die finnische Sprache beherrscht», gab der Fragesteller gleich selbst zur Antwort. Und der Landammann ergänzte: «Ein weiterer Grund ist die Weitläufigkeit Finnlands und dass deshalb praktisch überall Tagesschulen betrieben werden. Auch bleiben die Klassen über mehrere Jahre beieinander.»

Zur Sprache kamen während der Veranstaltung im erst kürzlich umgebauten Gasthaus «Waldheim» von Rolf und Brigitte Vögele auch die Verkehrsprobleme am Koblenzer Zoll sowie die Zukunft der Energieregion unteres Aaretal/Zurzibiet. Persönlich habe er keine Probleme mit der Kernenergie, bekannte Hürzeler. «Es ist aber auch klar, dass sie ihre Schattenseiten hat. Ich fände es gut, wenn das Schweizer Volk mittelfristig darüber abstimmen könnte, ob die Schweiz den stetig steigenden Bedarf mit oder ohne Kernenergie abdecken will. Auf jeden Fall müssen wir aufpassen, dass wir den Anschluss an neue Technologien im Zusammenhang mit der Entsorgung der nuklearen Abfälle nicht verpassen.»

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