Böbikon
900-Jahr-Feier: «... es führt kein andrer Weg nach Zurzach»

Die «Tell»-Aufführung der Freilichtbühne Surbtal in Böbikon ist höchst ein höchst vergnügliches Erlebnis. Nicht nur wegen den Alphornbläsern fühlt sich der Zuschauer in eine andere Zeit zurückversetzt.

Rosmarie Mehlin
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Die «Tell»-Aufführung auf der Freilichtbühne Surbta
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Gessler, hoch zu Ross, staunt über den, von Tells Geschoss mitten durch getroffenen Apfel
Tell und seine bekümmerte Frau Hedwig auf dem Bänkli daheim in Böbikon
Gessler trifft auf Melchtal und lässt ihn wegen „Zuwiderhandlung gegen das Alkoholgesetz“ inhaftieren
Fürst (links) Melchtal und Stauffauffacher schwören „ein einzig Volk von Brüdern“ zu sein
Der lauschige Platz vor der Böbiker Kapelle beginnt sich langsam zu beleben

Die «Tell»-Aufführung auf der Freilichtbühne Surbta

AZ

Rütlischwur, Sturm auf dem Vierwaldstättersee mit Tells kühnem Sprung, der Apfelschuss – alles da. Allerdings nicht in der Innerschweiz, sondern im Zurzibiet. Da fehlt allerdings die Hohle Gasse, denn die führt nach Küssnacht. In Böbikon muss Gessler über eine Brücke reiten, denn: «... es führt kein andrer Weg nach Zurzach.» Alles klar?

Böbikon feiert an diesem Wochenende sein 900-Jahr-Jubiläum. Da wird in Erinnerungen geschwelgt, musiziert, gegessen, getrunken und – «Tell» aufgeführt. Gemeinsam mit dem pensionierten Lehrer Alban Killer hat Gallus Ottiger für die Freilichtbühne Surbtal ein schweizerdeutsches Konzentrat von Schillers Drama verfasst.

So nimmt man gespannt auf der Tribüne Platz und wird alsbald von vier Alphornbläsern in eine andere Zeit versetzt. Vor der Kapelle im Hintergrund tauchen Kinder auf, Erwachsene, eine Geiss, Hunde, drei Männer schwören «Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern ...»

Und schon ist man mitten im helvetischen Freiheitsepos, das hier Tragödie wie Komödie ist. Gallus Ottiger als Regisseur, die grossen und kleinen, die stummen und sprechenden Mitwirkenden, erwecken vor den Augen und Ohren des Publikums Schillers Werk zu neuem Leben – frisch und auch ein bisschen frech.

Mitunter geht es ernst zu und her, wie die Geschichte es verlangt. Die Dramatik wird aber immer wieder mit lustigen Momenten gebrochen. Dazu gehört etwa die Szene, als es gilt, Gesslers Hut auf der langen Stange zu platzieren:

Ein mitreissendes Kabinettstücklein. Reizend auch die zarte Liebesgeschichte, die sich zwischen Walterli und Bertas holdem Töchterlein anbahnt. Wunderbar sind ebenso Ambiente, Licht, Kostüme wie die musikalische Untermalung:

Die erwachsenen Alphorn- und die zwei jugendlichen Tuba-Bläser machen ihre Sache grossartig. Fazit: Der «Tell» von und in Böbikon ist ein höchst vergnügliches Erlebnis.

Letzte Vorstellungen morgen Sonntag, 14 und 21 Uhr, Latschariplatz in Böbikon.

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