Vor einer Woche musste das Atomkraftwerk Mühleberg seine Leistung markant drosseln: Weil die Aare bei Bern ungewöhnliche 23 Grad warm war, lief der Reaktor nur noch mit 85 Prozent der Volllast.

Beim aargauischen Atomkraftwerk Beznau, das ebenfalls durch Aarewasser gekühlt wird, wurde die Leistung damals noch nicht reduziert. Inzwischen hat sich dies geändert, wie Antonio Sommavilla, Mediensprecher der Beznau-Betreiberfirma Axpo, auf Anfrage sagt: «Ich kann bestätigen, dass in letzter Zeit geringfügige Lastreduktionen vorgenommen wurden.» Diese waren aber bei weitem nicht so stark wie im Hitzesommer 2003: Damals wurde die Reaktorleistung am 7. August auf 76 Prozent reduziert.

Grenzwert liegt bei 22 Grad

Grundsätzlich ist das Atomkraftwerk Beznau verpflichtet, die Leistung zu reduzieren, wenn das Wasser der Aare allzu warm wird. «Lastreduktionen aufgrund zu hoher Wassertemperaturen werden laufend im Tagesverlauf angepasst», erläutert Sprecher Sommavilla. Wenn die Wassertemperatur der Aare in Beznau über 22 Grad liege, müsse das Kraftwerk reagieren.

Öffentlich zugängliche Messwerte für die Aaretemperatur direkt beim Atomkraftwerk Beznau sind nicht verfügbar. Allerdings ist auf der Website des Bundesamtes für Umwelt die Temperatur der Aare in Brugg abrufbar, nur wenige Kilometer oberhalb von Beznau. Dort wurden in der letzten Woche mehrfach über 22 Grad gemessen, die höchste Temperatur wurde am vergangenen Montag mit 23,8 Grad erreicht.

Am Montag lag die Temperatur der Aare bei der Messstelle in Brugg nur noch bei 20,7 Grad. Beznau liegt allerdings unterhalb des Zusammenflusses mit Reuss und Limmat – und beide Flüsse sind derzeit wärmer als die Aare. Die Limmat bei Baden weist 22,6 Grad auf, die Reuss bei Mellingen ist 21,5 Grad warm.

Zudem führt die Aare deutlich weniger Wasser als noch vor einer Woche. Die Durchflussmenge in Brugg hat sich von 306 000 auf noch 225 000 Liter pro Sekunde reduziert. Sommavilla betont, die benötigte Wassermenge für die Kühlung des Kraftwerks sei im Verhältnis zur Wasserführung der Aare relativ gering. «Im Durchschnitt bringt der Fluss 500 000 Liter pro Sekunde, bei tiefen Pegelständen rund 280 000 Liter. Das Kernkraftwerk Beznau benötigt im Normalbetrieb ungefähr 40 000 Liter pro Sekunde.» Derzeit ist einer von zwei Reaktoren wegen Revisionsarbeiten abgestellt, deshalb ist der Kühlwasserverbrauch geringer. Wie hoch dieser genau liegt, kann Antonio Sommavilla indes nicht sagen.

Schon vor 45 Jahren ein Thema

Verbindlich festgelegt ist hingegen, wie warm das Wasser sein darf, das nach der Kühlung des Atomkraftwerks wieder an die Aare abgegeben wird. «Die Temperatur darf 32 Grad nicht überschreiten», sagt Sommavilla. Dennoch könnte sich die Aare durch das warme Kühlwasser im Extremfall um bis zu zehn Grad aufheizen.

Wie stark die Wassertemperatur wegen der AKW-Kühlung steigt, war schon 1970, ein Jahr nach Inbetriebnahme des ersten Beznau-Reaktors, ein Thema. In der Schweizerischen Bauzeitung Nr. 4/1972 ist nachzulesen: «Nach den geltenden schweizerischen Richtlinien darf die Wassererwärmung im Fluss nicht mehr als 3 Grad Celsius betragen.» Messungen im ersten Beznau-Betriebsjahr hätten gezeigt, dass sich die Aare durch das Kühlwasser «bei mittlerer Wasserführung von 732 000 Liter pro Sekunde nur um 0,24 Grad Celsius erwärmt».