Döttingen/New York

Grosse Ehre für Aargauer Box-Weltmeister Frank Erne: «Im Goldenen Zeitalter verdienten sie Geld wie Heu»

Frank Erne, der einzige unangefochtene Schweizer Profibox-Weltmeister der Geschichte, wird posthum und als erster Schweizer Faustkämpfer überhaupt in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen.

Erne wird als einziger Neuzugang über die Kategorie "Old-Timer" aufgenommen. Die Zeremonie mit den neuen Mitgliedern findet vom 11. bis 14. Juni in der Box-Ruhmeshalle in Canastota im US-Bundesstaat New York statt.

Der in Döttingen im Kanton Aargau als Erwin Erne geborene Boxer lebte von 1875 bis 1954. Seine Eltern waren mit ihm 1882 nach Buffalo im Bundesstaat New York ausgewandert. Als Profi kämpfte der 1,68 Meter grosse Schweizer sich um die vorletzte Jahrhundertwende bis zum Weltmeister im Feder- und Leichtgewicht hoch. Erne besiegte zahlreiche Top-Boxer jener Zeit, unter ihnen den legendären Joe Gans oder den kaum minder prominenten George "Kid" Lavigne.

"Im goldenen Zeitalter des Boxens, in dem Frank Erne reüssierte, waren alle Weltmeister im Faustkampf Helden und wurden mehr bewundert als die späteren Filmstars", betont der Schweizer Box-Promoter und Erne-Kenner Daniel Hartmann in einer ausführlichen Würdigung auf swissboxing.ch. "Sie verdienten mit Kämpfen Geld wie Heu und nahmen oftmals mit Showtouren und Theaterauftritten mehr ein, als bei den eigentlichen Wettkämpfen."

Champion mit Stil

Erne machte offenbar auch mit seinem Stil von sich reden. "Erne war der bescheidenste und gebildetste Champion des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Immer charmant, höflich, gutaussehend und elegant gekleidet", schreibt Hartmann. "Er sah vielmehr wie ein schneidiger Wall-Street Banker aus, als ein Schläge austeilender Prizefighter." 

Gemäss eigenen Angaben verdiente Erne als Boxer 200'000 Dollar. "Das wären heute in etwa 4,7 Mio. Dollar", wie Hartmann rechnete. Doch Erne verlor sein Vermögen wie so viele andere auch beim grossen Börsencrash von 1929. Nach seiner Karriere war er einige Jahre in Frankreich als Boxtrainer und Promoter tätig gewesen. 

Vater aus Leuggern, Mutter aus Döttingen

Frank Erne wurde als Erwin Erne am 8. Januar 1875 Döttingen geboren. Sein Vater Engelbert stammt aus Leuggern – dem Ort, in dem der Schweiz-Italienische Profiboxer Davide Faraci geboren und aufgewachsen ist und der seit Juni 2019 italienischer Meister im Halbschwergewicht ist.

In Buffalo fand Vater Engelbert Erne eine Anstellung als Bierbrauer. Die Mutter Anna Maria Knecht stammte aus Döttingen. Das Paar heiratete im Herbst 1874. Als Auswanderer ist das Paar, ebenso wie mehrere Verwandte, im Buch "Döttingen einst und jetzt" (2009 publiziert) erwähnt. Damals wanderten zahlreiche Menschen, vor allem aus Armut, aus dem Aargau aus. Aus Döttingen zog es Anfang der 1880er-Jahre viele Menschen nach Chile. 

(sda/pz)

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