Unterkulm
Unterführung beim Böhlerknoten? – "Keine realistische Chance"

Eine Petition will eine Unterführung beim gefährlichen Böhlerknoten. Vizeammann Emil Huber sagt, wie die Gemeinde weiter vorgehen will.

Rahel Plüss
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Der Böhlerknoten in Unterkulm.

Der Böhlerknoten in Unterkulm.

Rahel Plüss

Die Kreuzung im Unterkulmer Dorfzentrum soll sicherer gemacht werden. Projektiert ist ein Kreisel mit Ampeln und Barrieren. Nicht alle sind glücklich damit. Die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer werde zu wenig berücksichtigt, heisst es. Auf petitio.ch wurde eine Petition lanciert: Der Vorentscheid, keine Unterführung zu bauen, soll noch einmal überdacht werden. Der Vizeammann nimmt Stellung.

Herr Huber, die Petition hatte gestern (7 Tage vor Ablauf) 160 Unterstützer. Was bedeutet das für den Gemeinderat?

Emil Huber: Der Gemeinderat sieht sich in seinen Bestrebungen gestärkt und erkennt die Sorgen der Bevölkerung. Wir nehmen diese Petitionen sehr ernst und setzen uns für jene Bereiche, die wir als realistisch beurteilen, ein. Hier steht aber auch der Kanton als Bauherr und Entscheidungsträger in der Pflicht, für die Petition Gehör zu finden.

Warum hatte sich der Gemeinderat gegen eine Unterführung entschieden?

Emil Huber, Vizeammann Unterkulm

Emil Huber, Vizeammann Unterkulm

zvg

Wir haben von Beginn an den Grundsatz verfolgt, dass Unterkulm durch das Projekt nicht zweigeteilt werden darf. Die Koexistenz aller Verkehrsteilnehmenden soll möglich sein. Auch haben Fachleute bestätigt, dass der Bau von Personenunterführungen nicht zeitgemäss sei. Sie fänden bei Fussgängern wenig Akzeptanz. Ausserdem nimmt so eine Unterführung viel Platz in Anspruch. Dieser ist im Dorfzentrum beidseits nicht vorhanden. Aufgrund der Gleisanlagen und Werkleitungen müsste die Unterführung tief gebaut werden. Auf- und Abgänge könnten nur mit Liftanlagen betrieben werden – auch, um die Behindertengerechtigkeit zu gewährleisten. Einerseits eine grosse technische Herausforderung.

Und andererseits?

Auch in finanzieller Hinsicht. Eine Personenunterführung ist mit erheblichen einmaligen und jährliche wiederkehrenden Kosten verbunden. Der Knoten alleine belastet die Gemeinde mit rund 3,5 Millionen Franken. Irgendwann ist die finanzielle Belastbarkeit der Gemeinde erreicht.

Ist die Wiedererwägung also kein Thema?

Die Rahmenbedingungen haben sich in der Zwischenzeit nicht verändert. Somit sehen wir keine realistische Chance für eine Wiedererwägung punkto Unterführung. Vielmehr konzentrieren wir uns auf Massnahmen, die realisierbar sind und dem ursprünglichen Ziel entsprechen.

Der Gemeinderat ist auch nicht ganz glücklich dem Projekt. Warum nicht?

Unser Ziel war, dass das das Dorf nicht mit Abschottungsmassnahmen der Bahn in einen Ost- und Westteil aufgeteilt wird. Aufgrund der engen Platzverhältnisse haben wir von Beginn weg gefordert, dass die WSB über den Böhlerknoten im Trambetrieb (auf Sicht) fährt. Das Projekt ist aber geprägt von Sicherheitsaspekten der WSB. Mit technischen Mitteln wie Lichtsignalen und Barrieren werden Eigeninteressen bezüglich Sicherheit und Bahn-Komfort priorisiert. Die Bedürfnisse (Verkehrsfluss) der Autos im Tal und des Langsamverkehrs sind klar zu wenig berücksichtigt worden. Unterkulm soll nicht zum Stau-Dorf gemacht werden. Der Gemeinderat wird alles unternehmen, damit das nicht geschieht.

Wie geht es weiter?

Der Gemeinderat wird im Rahmen der öffentlichen Auflage prüfen, welche Mittel genutzt werden müssen, dass die Interessen der Gemeinde gewahrt werden. Vielleicht sollten wir im Trambereich auf der Kantonsstrasse über eine Temporeduktion auf 40 km/h nachdenken. Wir erwarten, dass der Kanton und die WSB als Bauherr die Sicht der Gemeinde erkennt und bereit ist, dieser Rechnung zu tragen. Wir zählen hier auf die Unterstützung und Mitwirkung der Bevölkerung. Die Strategie «Faust im Sack» führt nicht zum Erfolg.