Trauung in Pandemie
Heiraten in Coronazeiten? Aber sicher!

Zivilstandsbeamte staunen: Vom erwarteten Rückgang bei den Trauungen ist nichts zu spüren. Im Gegenteil.

Kim Wyttenbach, Nadja Rohner
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Ein Rückgang der Eheschliessungen ist nicht festzustellen (Symbolbild).

Ein Rückgang der Eheschliessungen ist nicht festzustellen (Symbolbild).

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So richtig grosse, rauschende Hochzeitsfeste konnte man seit knapp einem Jahr coronabedingt kaum mehr feiern. Doch das hat der Heiratswilligkeit offenbar keinen Abbruch getan. Laut dem «Zofinger Tagblatt» konnten manche Zivilstandsämter sogar Rekorde feiern. «Mit 140 Trauungen hatten wir letztes Jahr unser Rekordjahr seit der Regionalisierung 2004», sagt Ursula Hochuli, Leiterin Zivilstandsamt Schöftland. Geheiratet werden dürfe allerdings momentan nur im amtlichen Trauungslokal Schloss-Scheune Nord, «mit grosszügigen Raumverhältnissen und guten Lüftungsbedingungen».

Die Zivilstandsämter Zofingen und Aarburg-Oftringen verzeichnen für 2020 höhere oder etwa gleich hohe Zahlen wie in den beiden Vorjahren. Ebenso das Regionale Zivilstandsamt Lenzburg: Hier gab es im 2020 mit insgesamt 388 Trauungen deren 10 mehr als im Vorjahr. Leiterin Stephanie Meyer ist überrascht:

«Im Frühling, zu Beginn der Pandemie, hatten wir extrem viele Absagen. Entsprechend hätten wir nie damit gerechnet, dass wir die Zahl des Vorjahres übertreffen würden. Doch im Sommer, als sich die Coronasituation besserte, kamen plötzlich sehr viele Anfragen.»

Indes: Ganz normal war der Betrieb nie. «Es gab auch während der Lockerungen im Sommer und Herbst stets eine Beschränkung der Personenzahl», sagt Meyer.

Die Heiratswilligkeit scheint ungebrochen

Derzeit darf das Brautpaar maximal zwei Personen mitbringen, sodass sich mit der Zivilstandsbeamtin maximal fünf im Raum befinden. Die Personenbeschränkung führt dazu, dass ­Paare derzeit meistens das ordentliche Traulokal im Rathaus wählen, nicht die edleren Dependancen im Burghalden- oder Müllerhaus. Es herrscht Maskenpflicht, aber: «Beim Jawort darf das Brautpaar die Maske ausziehen.»

Beim Regionalen Zivilstandsamt Aarau steht nur das ordentliche Zeremonielokal zur Verfügung, nicht aber das «im alten Schlössli», weil dieses dem pandemiebedingt geschlossenen Stadtmuseum angehört. Im 2020 verzeichnete man hier leicht weniger Trauungen als im Durchschnitt anderer Jahre, was Leiter Ronald Baumann vor allem auf die paar Wochen im März und April zurückführt, als der Betrieb stark heruntergefahren war.

Allerdings scheint die Heiratswilligkeit ungebrochen, wenn man den heurigen Januar und Februar mit jenen des Vorjahres vergleicht, als die Pandemie gefühlt noch weit weg war: 2020 heirateten in den ersten zwei Monaten 36 Paare, für 2021 sind es – schon vollzogen oder angemeldet – 39. Auch hier gilt eine Fünf-Personen-Regel, wobei Ronald Baumann darauf hinweist, dass bei Bedarf ein Dolmetscher als sechste Person zugelassen wird. Das steht auch so in einer Weisung des Bundes.

«Wir ­wissen von einigen Brautpaaren, dass sie explizit wegen Corona geheiratet haben»

Deepak Santschi, Leiter des Regionalen Zivilstandsamts in Menziken, betont, in derselben Weisung sei festgehalten, dass auch Kinder als ganze Person zählen und entsprechend nicht mit zur Trauung dürfen. «Wir können da leider keine Aus­nahme machen», sagt er. Auch Santschi findet es erstaunlich, dass die Anzahl Trauungen 2020 mit 113 im langjährigen Durchschnitt und nur knapp unter den Vorjahreswerten liegt.

«Wir ­wissen von einigen Brautpaaren, dass sie explizit wegen Corona geheiratet haben – zum Beispiel, weil sie einer Risikogruppe angehören. Oft sind es auch werdende Eltern, die noch vor der Geburt heiraten möchten.»

Während des ersten Lockdowns konnte im Zivilstandsamt Menziken nur am Schalter geheiratet werden. Mittlerweile stehen die ordentlichen Traulokale Menziken und Burg sowie die drei externen (Glashaus Hotel Menziken, «Chileschüür» in Birrwil, «Huus 74» in Menziken) zwar wieder zur Verfügung, werden aber – wie in Lenzburg – kaum genutzt. «Wegen der beschränkten Anzahl Personen möchten die meisten Trauleute keine Mehrkosten für die externen Traulokale tragen.»