Umfrage
Suhrentaler sind sich wegen Windrädern nicht einig

Das Ergebnis einer Umfrage zu den geplanten Windrädern im oberen Suhrental fiel knapp aus. Überrascht Hat die Initianten die Haltung der jüngsten Teilnehmer.

Katja Schlegel
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Die Visualisierung zeigt, wie das Windrad «uf em Chalt» aussehen würde.

Die Visualisierung zeigt, wie das Windrad «uf em Chalt» aussehen würde.

zvg

Im ersten Moment dachte Nik Walther, Geschäftsführer der «Windrad uf em Chalt AG», daran, den Bettel hinzuwerfen, so trafen ihn die Resultate der Umfrage zu den geplanten Windrädern. Doch jetzt hat er sich besonnen, der zweite Blick hat den Schrecken relativiert. Das Ergebnis ist nicht einfach negativ, sondern ziemlich ausgeglichen: 51 Prozent lehnen das Projekt ab, 46 Prozent sind dafür. «Es ist nicht nur die eine Hälfte gegen die Windräder, sondern in erster Linie die andere Hälfte dafür. Denen gegenüber haben wir auch eine Verpflichtung», sagt Walther.

Doch der Reihe nach: Von den 2787 Einwohnern der Gemeinden Attelwil, Reitnau, Staffelbach und Wiliberg haben 461 den Umfragebogen ausgefüllt, der im November verteilt und online aufgeschaltet geworden war. 461 Rückmeldungen entsprechen rund 16,5 Prozent der Stimmbürger.

«Das ist eine erfreulich gute Beteiligung, ergibt aber natürlich keine repräsentative Umfrage», sagt Walther. «Trotzdem spüren wir eine Tendenz.» Und die Tendenz zeigt: Während Attelwil und Wiliberg die Windräder eher ablehnen, halten sich die Parteien in Reitnau die Waage, und in Staffelbach sind die Befürworter besser vertreten als die Gegner. 14 Personen zeigten sich unschlüssig und enthielten sich der Meinung.

Von den Eltern beeinflusst?

Spannend ist die Aufschlüsselung nach Altersgruppen. So zeigen sich die Jüngsten (bis 20 Jahre, 43 Teilnehmer) und die Personen mittleren Alters (35 bis 60 Jahre, 228 Teilnehmer) als die Skeptiker: Sie sind mit 58 beziehungsweise 65 Prozent gegen Windräder. Mit 73 Prozent grosse Zustimmung erhält das Projekt hingegen von den 21- bis 35-Jährigen (67 Teilnehmer). Aufgeschlossen gegenüber Windrädern sind auch die Personen über 60 (120 Teilnehmer): Von den Umfrageteilnehmern sprachen sich 61 Prozent dafür aus.

Bei den Initianten lösten die Umfrageergebnisse gemischte Gefühle aus, insbesondere die recht heftigen Reaktionen, die vereinzelt eingegangen sind. «Es gab schon recht extreme Äusserungen, die uns zu denken geben», sagt Walther. «Dass sich gewisse Leute Mühe mit den Rädern haben, war uns klar. Dass sie sich darüber aber so masslos ärgern müssten, wenn diese vielleicht trotzdem zu stehen kommen, tut mir weh.»

Überrascht hat die Initianten auch die Haltung der jüngsten Umfrageteilnehmer: Ausgerechnet sie zeigen sich konservativ und stellen sich mehrheitlich gegen die Windräder. «Wir haben damit gerechnet, dass die Jungen dafür sind», sagt Walther. Das Resultat erklärt er sich damit, dass diese Umfrageteilnehmer stark von der Meinung ihrer Eltern geprägt seien; der Generation also, die die Windräder in der Umfrage noch deutlicher ablehnt.

Pragmatischer, als befürchtet

Gelohnt habe sich die Umfrage ebenso wie die Windradstammtische, die seit November 2015 einmal pro Monat stattfinden. «Wir sehen jetzt, wo der Schuh drückt», sagt Nik Walther. So würden beispielsweise viele Leute befürchten, dass die Windräder das Grundwasser beziehungsweise Quellwasser verunreinigen könnten. Dies wollen die Initianten nun durch ein unabhängiges Ingenieurbüro abklären lassen.

Weiter würden sich die meisten Befürchtungen um die Themen Energiemanagement, Ethik und Wirtschaftlichkeit drehen. Während die Befürworter den Atomausstieg vor Augen haben – «da müssen wir auch relativieren; unsere Räder wären zwar ein Beitrag, aber auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein» – argumentieren die Gegner mit dem Wind, der nicht immer bläst und so die Wirtschaftlichkeit schmälere. «Ein Argument, das wir gut entkräften können», sagt Walther. Schwierig wird es beim Thema Landschaft: «Ob einem ein Windrad gefällt oder stört, ist persönlicher Gusto.» Hingegen kämen emotionale Themen wie Tiere, Schatten oder die Distanz zu den Liegenschaften kaum zur Sprache. «Anscheinend sieht man das pragmatischer, als ich befürchtet hatte.»

Und wie geht es nun weiter? In den nächsten Wochen soll die Studie zur allfälligen Wasser-Verschmutzung in Auftrag gegeben und die Möglichkeit einer Schallsimulation abgeklärt werden. «Wir haben noch immer viel zu tun», sagt Walther. «Und wir werden stetig dran bleiben – wie der Wind.»

Nächster Windradstammtisch am 28. Februar im Restaurant Schmiedstube in Attelwil, diesmal zum Thema «Rückbau».