Oberwynental
Stumpen-Patron Villiger will kürzer treten

Zigarrenfabrikant Heinrich Villiger räumt den Chefsessel. Das Familienunternehmen mit Sitz in Pfeffikon erhält einen externen Manager.

Rahel Plüss
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Heinrich Villiger.

Heinrich Villiger.

KEYSTONE

Diese Woche wurde bekannt: Nach 65 Dienstjahren im Unternehmen gibt Heinrich Villiger die Verantwortung ab. Robert Suter, ehemaliger Konzernchef der Conzzeta AG, ist per sofort neuer CEO der Villiger-Gruppe. Per sofort – das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Ist doch der neue Villiger-Chef bereits auf Geschäftsreise in Nicaragua unterwegs. Und Heinrich Villiger?

Wer denkt, der bald 86-jährige Zigarrenfabrikant, der heute in Full-Reuenthal lebt, setze sich jetzt zur Ruhe, hat sich gründlich getäuscht – nicht nur, weil Villiger nach wie vor Verwaltungsratspräsident der Villiger-Gruppe bleibt. Auch an den Tabakgeschäften ist er nach wie vor aktiv beteiligt. Als ihn das BT für eine Stellungnahme erreichen wollte, hiess es, der Patron sei auf Kuba – aber nicht etwa, um die Übergabe unter Palmen zu feiern, wie seine Frau am Telefon verrät. Nach mehreren Anläufen gelang eine Kontaktaufnahme nach Übersee.

Dass Heinrich Villiger einen Externen an die Spitze des Familienunternehmens erwählt hat, kommt etwas überraschend. Zwar hatte er diese Möglichkeit in der Vergangenheit öffentlich in Erwägung gezogen, es war im Vorfeld aber auch von Enkeln die Rede, die möglicherweise in seine Fussstapfen treten könnten. Dafür sei es aber noch zu früh, schreibt Villiger. «Meine Enkel sind noch in der Ausbildung. Es ist aber nach wie vor eine Option, dass sie später in die Firma eintreten – in welcher Funktion, bleibt offen.»

Für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger hat sich Villiger mit seinen Leuten sechs Monate Zeit gelassen. «Wir haben lange gesucht, die Bewerber genau geprüft und Referenzen eingeholt», sagt der Bruder von Alt-Bundesrat Kasper Villiger. Robert Suter habe am Ende als erfahrene und renommierte Schweizer Unternehmerpersönlichkeit überzeugt.

Heinrich Villiger ist weiterhin als Geschäftsführer seines Beteiligungsunternehmens 5th Avenue Products Trading-GmbH operativ tätig, zudem ist er Mitglied des Verwaltungsrates der Intertabak AG Schweiz. Trotzdem wird er künftig mehr Zeit für sich haben – das hofft er jedenfalls: «Ich bin ein passionierter Fahrradfahrer und liebe es, auf meinem Villiger-Bike die Schönheiten der Natur zu erkunden.» Ausserdem halte ihn sein Demeterhof auf Trab.

Auf die Frage, wie es denn jetzt in Pfeffikon weiter gehe, sagt Villiger: «Das Geschäft entwickelt sich positiv. Unsere Werke sind voll ausgelastet und es sind keine Schliessungen von Standorten geplant.»

Heinrich Villiger beschäftigt an vier Produktionsstandorten rund 1500 Mitarbeitende, davon in Indonesien 800, in Deutschland 550 und in der Schweiz 150. Seine Firma Villiger Söhne AG mit Hauptsitz in Pfeffikon existiert seit 1888. Die Villiger-Gruppe erzielt einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Franken. Mit jährlich 1,5 Milliarden Zigarren und Zigarillos gehört sie weltweit zu den zehn grössten Herstellern.