Unterkulm
Statt einer Beiz werden hier zwölf Kleinwohnungen entstehen

Auswärtige Investoren bauen die «Sonne» zu einem Mehrfamilienhaus mit Alterswohnungen um. «Wenns nicht klappt mit den Alterswohnungen, ist die Lage sicher auch für Pendler oder Studierende attraktiv», sagt Ernest Hügli, ein Investor.

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Die Investoren überlegen, den Schriftzug «Sonne» nach der Fassadenrenovation wieder zu montieren.

Die Investoren überlegen, den Schriftzug «Sonne» nach der Fassadenrenovation wieder zu montieren.

Rahel Plüss

Die Zeiten, als die Unterkulmer «Sonne» eine gutgehende Dorfbeiz war, sind längst vorbei. In den letzten Jahren versuchten verschiedene Wirte ihr Glück, richtig in Schwung kam das Restaurant aber nicht mehr. Auch die Liegenschaft wechselte mehrfach den Besitzer – zuletzt dieses Frühjahr. Und jetzt ist definitiv klar, in der «Sonne» wird nie mehr gewirtet. Der ehemalige Gasthof im Dorfzentrum wird ein Mehrfamilienhaus. Die Umbauarbeiten haben bereits begonnen. In die einstige Gaststube sind Wände eingezogen. Abgesehen von ein paar alten Balken erinnert nichts mehr an die Jassabende oder das Stammtischgeplänkel und schon gar nicht an den blauen Zigarettendunst. Im Haus riecht es nach frischer Farbe.

Die letzten Jahre der «Sonne» waren turbulent. Verschiedene Pächter gaben sich die Klinke in die Hand. 2013 musste der Betrieb gar von den Behörden geschlossen werden, wie die az berichtete. Ein Deutscher mit türkischer Abstammung hatte die Sonne seit 2010 gepachtet, nach drei Jahren war er dann offenbar Hals über Kopf verschwunden und hatte einen Kollegen als Nachfolger eingesetzt, der weder ein Wirtepatent noch Erfahrungen in der Gastronomie hatte vorweisen können.

Danach standen die Vorzeichen wieder gut für das Restaurant, das unterdessen auch den Besitzer gewechselt hatte. Am Dreikönigstag 2014 eröffnete Yeter Uzun als neue Pächterin die «Sonne» wieder. Ihr Neffe hatte die Liegenschaft erworben und wollte neben dem Restaurant auch die Vermietung von Einzelzimmern vorantreiben. Das Projekt kam zu Fall, weil er den behördlichen Auflagen an ausreichend Parkplätzen nicht nachkommen konnte. Die Liegenschaft wurde verkauft. Das Restaurant schloss seine Tore einmal mehr.

Alles rollstuhlgängig

Nun wird das Projekt der neuen Eigentümer, Peter Siegenthaler (Waltenschwil) und Ernest Hügli (Wetzikon), verwirklicht. Die Investoren planen für mehrere Hunderttausend Franken eine Umnutzung der «Sonne» in ein Mehrfamilienhaus mit zwölf 2,5-Zimmer-Wohnungen. Die Wohnungen werden behindertengerecht ausgebaut, von der Rampe im Erdgeschoss, über den Lift in die übrigen Etagen bis hin zur rollstuhlgängigen Toilette mit Schiebetür.

«Wir haben uns in der Planungsphase mit dem Leiter des Alterszentrums mittleres Wynental ausgetauscht», sagt Investor Ernest Hügli. Er hoffe sehr, mit dem Wohnangebot so nah an Dorfzentrum und Bahnhof einem Bedürfnis für ältere Menschen zu entsprechen. Die Einheiten als Alterswohnungen zu vermieten, sei erklärtes Ziel. «Wenns nicht klappt, ist die Lage aber sicher auch für Pendler oder Studierende attraktiv», sagt Ernest Hügli, der im Zürcherischen Wetzikon mit einer ähnlichen Liegenschaft gute Erfahrungen gemacht hat. «Wohnungen in dieser Grössenordnung entsprechen einem Bedürfnis», so Hügli. Er sei deshalb guten Mutes, die Einheiten auch in Unterkulm profitabel vermieten zu können. Es kämen bereits Anfragen rein.

Gemeinde gegen Einzelzimmer

In Unterkulm hat man darauf hingewirkt, dass auf den Bau von Kleinstwohnungen oder Einzelzimmern verzichtet wird, wie es seitens der Gemeinde heisst. «2,5-Zimmer-Wohnungen sprechen ein anderes Klientel als die bisherigen Bewohner an», sagt Gemeindeammann Roger Müller, der sich für die Liegenschaft im Dorfzentrum Mieter wünscht, die nicht nur kurzfristig eine Bleibe suchen und sich aktiv am Dorfleben beteiligen.

Die Umbauarbeiten an der «Sonne» gehen sukzessive voran. Noch sind einzelne Mieter im Haus, die Arbeiten laufen nebenher. Die durch Kündigung der Mieterschaft frei werdenden Wohnungen werden nach und nach renoviert. Wer bleibt, wird vorübergehend in eine bereits fertige Wohnung einquartiert. Läuft alles nach Plan, sollten alle Wohnungen Ende Januar 2017 umgebaut und bezugsbereit sein.