Holziken
Ruth Spörri bringt ihr «Central» wieder auf Kurs

Die Zukunft des Restaurants Central in Holziken ist gesichert – trotzdem wartet viel Arbeit auf die Vollblutwirtin und ihr Team. Dazu soll ein Wintergarten gebaut werden, der das Säli im ersten Stock ersetzt.

Aline Wüst
Merken
Drucken
Teilen
Auch am wöchentlichen Ruhetag ist Ruth Spörri oft in ihrem Restaurant anzutreffen. Aline Wüst

Auch am wöchentlichen Ruhetag ist Ruth Spörri oft in ihrem Restaurant anzutreffen. Aline Wüst

Ruth Spörri arbeitete fast in jedem «Central» der Region. Verliebt hat sie sich aber nur in eines, und zwar ins Holziker. Dort wirtet sie seit sieben Jahren. Im Säli hat sie vergangenen Herbst sogar ihre Hochzeit gefeiert. «Das ‹Central› ist fast geplatzt, so viele Leute waren da», erinnert sich die Wirtin. Jetzt gibt es das Säli nicht mehr. Dafür bald einen Wintergarten – doch davon später.

Von kaltem Kaffee

Ruth Spörri steht am Morgen immer gerne auf und freut sich auf die Arbeit. «Das ‹Central› ist wie eine Sucht», sagt sie. Ruth Spörri, die in Uerkheim aufwuchs, ist darum auch an ihren freien Tagen meist im Restaurant anzutreffen. Die Antwort auf die Frage, was die Spezialität des Hauses sei, kommt wie aus der Pistole geschossen: Cordon bleu und Kalbsleberli. Ruth Spörri selber trinkt allerdings am liebsten kalten Milchkaffee. Das hat sich wohl so ergeben. Denn lässt sie sich einen Milchkaffee aus der Maschine, muss sie meistens sowieso wieder weg springen – zu einem Kunden, einem Telefon oder sonst wohin.

Kalter Kaffee sei auch die Vergangenheit des «Centrals», findet Spörris Berater. Trotzdem muss er kurz aufgewärmt werden: Anfang Jahr war das «Central» zur Versteigerung ausgeschrieben. Spörri konnte den Hypothekarzins nicht mehr bezahlen. Das Restaurant stand vor dem Konkurs. Dann kurz vor der Versteigerung fand sich ein Geldgeber – das «Central» war gerettet. Der private Investor sei aus dem engen Bekanntenkreis der Wirtin, sagt deren Berater. «Ein Riesenfelsbrocken ist mir vom Herzen gefallen», beschreibt Spörri den Moment, als klar wurde, dass es mit ihrem «Central» weitergeht. Nun gehört das Restaurant dem Investor und Spörri ist Pächterin.

Nicht das erste Mal in einer Schieflage

Es war nicht das erste Mal, dass die Vollblutwirtin in eine finanzielle Schieflage geriet. «Nein, ich bin kein Zahlenmensch», sagt sie. Viel lieber als Zahlen hat sie ihre Gäste. Spörri ist eine Gastgeberin, bedient die Leute, steht an den Tischen, hört zu und berichtet. Damit es in Zukunft auch mit den Zahlen klappt, hat sie seit der drohenden Versteigerung einen Profi engagiert. Er durchleuchtet das Restaurant und lehrt Ruth Spörri, auch hinter den Kulissen etwas genauer hinzusehen. Schliesslich ist Spörris Ziel ehrgeizig: Das «Central» soll wieder das Herz von Holziken werden.

Im «Central» gibt es darum heute weniger Menüs, dafür nur noch Frisches. Keinen Fisch mehr, dafür saisonal wechselnde Gerichte und Stunden, in denen zu viel Personal anwesend ist, werden vermieden.

Ein Wintergarten soll das Säli im ersten Stock ersetzen. Dort können dann Gesellschaften unter sich sein. Es könnte aber auch als Raucherabteil genutzt oder bei Grossandrang dazu dienen, das Restaurant schnell und unkompliziert zu erweitern. Mit Unterstützung des Investors könnte bereits Anfang August mit dem Bau begonnen werden. Auch sonst hat Ruth Spörri viele Ideen: Eine Beachparty, ein Oktoberfest, eine Cocktailbar oder eine Zigarrenlounge schweben ihr vor. Für ihren Berater ist klar: Er hat den Auftrag nur angenommen, weil das Restaurant nach seinen Einschätzungen eine reelle Chance auf eine finanziell gesunde Zukunft hat. Auch Ruth Spörri ist zuversichtlich und mit ihr das ganze Team. Gemeinsam bringen sie ihr «Central» wieder auf Kurs, da ist Spörri sicher.

Millionen im «Central»

Seit dem Neustart, der mit einem grossen Fest und vielen Leuten gefeiert wurde, kann man im «Central» sogar Lotto spielen. Es ist der einzige Ort in Holziken, wo Millionäre gemacht werden könnten. Auch Ruth Spörri spielt seit Jahren. Glück hatte sie bisher keines. Aber sie weiss genau, was sie mit einer gewonnenen Million machen würde: «Das ‹Central› zurückkaufen.»