Reinach
70 Jahre lang war die Historische Vereinigung Wynental seine Herzensangelegenheit

Der Reinacher Historiker Peter Steiner tritt aus dem Vorstand der Historischen Vereinigung Wynental zurück. Beigetreten war er der Vereinigung noch als Student.

Katja Schlegel
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Anlässlich seines 90. Geburtstags überreichte der Vorstand der HVW Peter Steiner eine Festgabe.

Anlässlich seines 90. Geburtstags überreichte der Vorstand der HVW Peter Steiner eine Festgabe.

Peter Weingartner (Januar 2019)

Wenn es um die Geschichte des Wynentals geht, um Reinach im Speziellen, dann kommt man an ihm nicht vorbei: Peter Steiner (93), Historiker und Bezirksschullehrer, gebürtiger Menziker und Herzensreinacher, zudem Bürger von Dürrenäsch.

Steiners Herzensangelegenheit: die Historische Vereinigung Wynental, kurz HVW. 1952 trat er ihr bei, vor genau 70 Jahren. 51 Jahre lang war er Präsident, von 1963 bis 2014, bis heute ist er nicht nur Ehrenpräsident, sondern sitzt als Vizepräsident nach wie vor im Vorstand. Und das «heute» ist diesmal wörtlich gemeint: Peter Steiner hat für die Jahresversammlung der HVW vom Freitagabend seinen Rücktritt erklärt. Sehr schweren Herzens, wie Steiner sagt, denn seine Neugierde treibt ihn noch immer an. «Es ist vielmehr das Alter, das mir zunehmend Mühe macht.»

Geschichte war seit der Bezirksschule in Reinach Steiners Lieblingsfach, und ganz besonders interessierte den Buben die Geschichte seiner eigenen Familie, die Geschichte der Familie Steiner. «Ich fuhr mit dem Velo wiederholt nach Dürrenäsch und Leutwil, um mir dort aus den Büchern alles über meine Familie zu notieren», erzählt Steiner. Seinen Doktortitel erwarb er 1955 mit der Dissertation über «Das Gericht Reinach zur Berner Zeit». 1964 schrieb er das Buch «Reinach – Geschichte eines Aargauer Dorfes», ein Schwergewicht in den Reihen der hiesigen Dorfgeschichten.

Rücktritt ein herber Verlust

Das 720 Seiten starke Werk verfasste Steiner hauptsächlich in den Ferien und an den Wochenenden, weil während der Woche als Bezirkslehrer in Reinach nicht genügend Zeit blieb. Später folgten unter anderem die Dorfgeschichte Hunzenschwil und eine überarbeitete Auflage der Reinacher Dorfgeschichte. Bei der HVW ist Steiner bis heute Hauptlieferant für die Monatsbeiträge, die den rund 370 Mitgliedern per Newsletter verschickt werden, zudem entstanden sämtliche Jahresschriften der letzten Jahrzehnte unter seiner Federführung.

Für den HVW ist Steiners Rücktritt ein herber Verlust, sagt der Präsident, der Aarauer Stadtarchivar Raoul Richner: «Peter arbeitet immer sehr quellennah; er verbrachte Tausende Stunden im Archiv. Der Lohn für diese teils mühsame Arbeit war die Freude, wenn sich dann bei der Analyse des Gesammelten die Quellen kombinieren liessen und sich ein schlüssiges Gesamtbild ergab.» Richner wird Steiners Fleiss und seine unstillbare Forschungslust missen:

«Er hat sich immer wieder an neue Themen herangewagt und sich so nicht nur für die Wynentaler, sondern auch für die Aargauer Geschichte sehr verdient gemacht.»

Ein Verdienst, der Peter Steiner nicht hoch genug angerechnet werden kann: Von der Historischen Gesellschaft Aargau wurde Steiner dafür zum Ehrenmitglied ernannt.