Porträt
Ein Lokführer will Reinach führen – Julius Giger kandidiert als Gemeindeammann

Julius «Jules» Giger will Gemeindeammann werden – als Parteiloser sei er genau der Richtige für den Job.

Natasha Hähni
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Julius Giger aus Reinach will der neue Gemeindeammann werden und stellt sich als Kandidat zur Wahl.

Julius Giger aus Reinach will der neue Gemeindeammann werden und stellt sich als Kandidat zur Wahl.

Chris Iseli

Jetzt, wo auch die jüngeren Kinder erwachsen sind, haben Julius Giger und seine Frau Isabelle wieder mehr Zeit für Hobbys. «Wir fahren gerne Velo, Jassen oder gehen Pilze sammeln», erzählt er.

Schon bald könnte er die neu gewonnene Zeit aber wieder verlieren. Im September kämpft er gegen drei Kandidaten um das Amt des Gemeindeammanns. Wieso genau jetzt? Seit drei Jahren besetzt Giger ausser dem Gemeinderatssitz kein öffentliches Amt mehr. «Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem ich wieder etwas machen muss, sonst werde ich hibbelig», sagt der Lokführer.

«Eine gute Idee ist eine gute Idee»

Dass das Ammann-Amt mit dem Beruf zu vereinen eine Herkulesaufgabe werden könnte, hat Giger bereits bedacht. «Würde ich gewählt, wäre es wohl langsam Zeit, zu reduzieren.» In der Vergangenheit habe die SBB sich aber als verständnisvoller Arbeitgeber gezeigt. «Man ist mir bezüglich meines öffentlichen Amts gut entgegengekommen.»

Dieses Amt will Giger ohne eine Partei im Rücken bestreiten.«Ich sage immer: ‹Eine Idee, die allen etwas bringt, kann ich immer unterstützen, egal von welcher Partei sie kommt.›»

Ein Problem mit Rattenschwanz

Ein Thema sticht für Giger aber besonders heraus: «Ich arbeite in einem Betrieb, in dem Klimafragen seit Jahrzehnten präsent sind.» Wie Geräte mittels Technologie energieeffizienter gemacht werden können, fasziniert den 57-Jährigen schon seit über 30 Jahren. Es sei Zeit, dass in Reinach neue Projekte auch von umwelttechnischer Seite betrachtet werden. Neue Projekte gibt es zurzeit mehr als genug in Reinach. Das Problem: «Die vielen Bauprojekte generieren Folgeprobleme», so Giger.

Eines davon sei der Knotenpunkt Sandgasse AVA-Bahn (ehemals WSB). Der verursache gleich doppelt Ärger: «Wenn es auf den Hauptstrassen Stau gibt, haben wir Schleichverkehr.» Der sorge wiederum für Lärm in den Quartieren. Den wollte man in mehreren Anläufen mit flächendeckendem Tempo 30 bekämpfen. Der Vorstoss wurde jedes Mal abgelehnt.«Meiner Meinung nach wäre man mit punktuellem Tempo 30 rund um Schulen besser gefahren», so Giger. Letztlich entscheiden aber die Stimmbürger Reinachs.

«Der Gemeinderat ist für alle verantwortlich»

Zu denen zählt das ehemalige SP-Mitglied seit 1990. Nach seiner Zeit in der Schulpflege (2004–2009) trat er aus der Partei aus. «Das Verhältnis stimmte für mich nicht mehr.» Böse sei ihm aber niemand. Auch mit Blick auf seine Tätigkeit im Gemeinderat findet Giger: «Es steht ja schon im Namen. Wir sind verantwortlich für alle Personen in der Gemeinde.» Das beinhalte Angehörige aller Parteien, parteilose und Ausländer.

Nachhaltigkeit ist Giger sehr wichtig.

Nachhaltigkeit ist Giger sehr wichtig.

Chris Iseli

Der hohe Ausländeranteil in Reinach ist für den vierfachen Vater nicht von Bedeutung. «Es ist schade, dass wir oft nur an dem gemessen werden.» Seine beiden jüngeren Söhne seien in Reinach zur Schule gegangen und hätten nie Probleme gehabt. Bei Einbürgerungsgesprächen müsse er manchmal sogar lachen: «Oft sprechen die Personen genau gleich deutsch wie ich, sind hier geboren, haben ihre Ausbildung hier gemacht.»

Auch beim Thema Steuerfusssenkung zeigt sich Giger wenig besorgt.«Natürlich wäre ein tieferer Steuerfuss attraktiver.» Ob dann starke Steuerzahler angelockt würden, könne man nicht sagen.«Das ist wie Kaffeesatzlesen», sagt er. Grundsätzlich müsse man nur vernünftig mit dem Geld umgehen.

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