Suhrental
Per Fahrrad ans andere Ende der Welt

Die Surentalerin Cynthia Cattin und ihr Ehemann Mike-John Wyss pedalen nach Perth in Australien. Im April 2015 stiegen die beiden in Zürich aufs Velo und fuhren los. Nun sind sie bereits in Kambodscha.

Achim Günter
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Mike-John Wyss und Cynthia Cattin haben auf ihrer Reise nach Australien schon mehr als 17500 Kilometer abgespult. zvg

Mike-John Wyss und Cynthia Cattin haben auf ihrer Reise nach Australien schon mehr als 17500 Kilometer abgespult. zvg

Es ist ein Abenteuer der grösseren Sorte. Eines, bei dem man sich fragt: Wie bitte kommt man denn bloss auf eine solch verrückte Idee? Cynthia Cattin, 29-jährig, aufgewachsen in Triengen, und ihr Mann Mike-John Wyss, 30 Jahre alt, fahren von Zürich nach Perth. Per Fahrrad. Ja, Perth in Australien.

Im April 2015 stiegen die beiden in Zürich aufs Velo und fuhren los. Vor ein paar Tagen, knapp 14 Monate später, sind die beiden Weltenbummler in Kambodscha angekommen. Es ist bereits das 22. Land, das sie auf ihrer Reise passieren. Die Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich, Ungarn, Kroatien, Montenegro, Albanien, Griechenland, die Türkei, Georgien, Aserbaidschan, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, der Oman, Indien, Sri Lanka, Nepal, Thailand, Laos und Vietnam wurden von ihnen durchstreift. Möglichst schnell und möglichst direkt nach Perth zu fahren, war also offensichtlich nie ihr Ziel.

Tankstellenexplosion überlebt

Mehr als 17 500 Kilometer haben sie inzwischen abgestrampelt. Das Ziel ist allerdings noch immer fern. Am Reiseziel werden sie rund 20 000 Kilometer in den Beinen haben. Im westaustralischen Perth wollen die beiden Abenteurer eine Tante von Cynthia Cattin besuchen, die vor vielen Jahren nach Down Under ausgewandert ist. Sie rechnen damit, vielleicht schon Mitte Juli dort einzutreffen. Den Kontakt zur Heimat halten die Pedaleurs via Skype oder E-Mail aufrecht. Auch machen sie regelmässig Einträge auf ihrem Blog (www.pedaleurs.ch) und lassen so Freunde und Angehörige an ihren Erlebnissen teilhaben.

Von denen gibt es, wie man sich leicht vorstellen kann, einige. Die schönen Erinnerungen überwiegen bei weitem. Vor allem die Herzenswärme vieler Menschen auf der Strecke und auch die Schönheit der Natur begeistern die beiden Velotouristen immer wieder aufs Neue. Wirklich heikle Situationen hätten sie bis anhin mit Ausnahme «unzähliger Hundeattacken» und «ein paar brenzligen Überholmanövern von Motorrädern und Lastwagen» keine erlebt. Keine, ausser das eine Mal, als in Iran unmittelbar neben ihnen eine Tankstelle explodiert ist. Cattin und Wyss reisen mit je rund 50 Kilogramm Gepäck. Da führen sie ihren gesamten «Haushalt» mit, wie sie augenzwinkernd berichten: anstelle eines grossen Betts aufblasbare Matten für die Übernachtung im Zelt, anstelle einer Küche einen Benzinkocher und anstelle eines Badezimmers eine kleine Schaufel. Hin und wieder gönnen sie sich auch eine Nacht in einem Hotel.

Unterwegs für guten Zweck

Ihre entbehrungsreiche «Strampelreise» verbinden die Luzernerin und ihr Mann, der die Schule in Menziken abschloss, mit einem guten Zweck. Sie sind Botschafter der Hilfsorganisation Co-Operaid. Vor ein paar Tagen besuchten Cattin und Wyss deshalb in Kambodscha eines deren Bildungsprojekte. Im Projekt «Ches Pi Rien» nahe Kampong Chhnang werden unter anderem Fahrräder für Schülerinnen und Schüler abgegeben, die einen weiten Schulweg haben. Wichtig war den beiden Veloreisenden, dass die unterstützten Menschen «Zugang zur Bildung und damit den ersten Schritt zur Selbsthilfe» erhalten. Die besuchten kambodschanischen Kinder wurden nun – neben anderen bildungsspezifischen Unterstützungsmassnahmen – mit Fahrrädern ausgestattet, die künftig den täglichen Schulbesuch ermöglichen sollen.

Cynthia Cattin und Mike-John Wyss sind derweil bereits wieder unterwegs. Vorerst führt die Reise via Thailand, Malaysia und Singapur weiter. Genug von der Welt gesehen haben die beiden reiselustigen Schweizer noch lange nicht. Ob das Ehepaar nach dem Besuch bei der Tante in Perth wirklich mit dem Flugzeug in die Schweiz zurückreisen wird? Zweifel sind zumindest angebracht.

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