Reportage: Seltene Nebenberufe
Leichenbegleiter: auf dem schwierigen Weg zum Grab ist er dabei

23 Jahre lang war Christian Schweizer Totengräber, heute ist er noch Leichenbegleiter in Bottenwil. Es sei eine spezielle Aufgabe, die niemand gerne mache.

Christine Fürst
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Auf dem Friedhof arbeitet Christian Schweizer als Leichenbegleiter. cfü

Auf dem Friedhof arbeitet Christian Schweizer als Leichenbegleiter. cfü

Christine Fürst

«Ich esse nicht mehr gerne Hammen», sagt Christian Schweizer aus Bottenwil. Und auch den Duft der Thuja-Bäume könne er nicht mehr riechen. Sie erinnern ihn zu fest an den Friedhof, an den Tod. Und der Hammen sei eben ein beliebtes Leichenschmaus-Essen.

Christian Schweizer weiss, wovon er redet. Er war 23 Jahre lang Totengräber in der Gemeinde Bottenwil. Eine Funktion, die mit seinem Hauswartsjob in der Gemeinde verbunden war. Damit war er gleichzeitig auch einer der vier Leichenbegleiter.

Seine Aufgabe war es dabei, den Sarg zu schliessen und während der Beerdigung den Sarg zum Grabplatz zu tragen, zusammen mit den anderen drei Leichenbegleitern. Nach der Zeremonie half er, den Sarg in die Erde zu senken. «Es war für mich eine spezielle Aufgabe, eine, die niemand gerne macht», sagt Christian Schweizer heute.

Stellvertreter des Totengräbers

Und obwohl er seit einem Jahr pensioniert ist, seine Aufgaben als Totengräber und Leichenbegleiter eigentlich hätte abgeben können, hat er es doch nicht getan. Er amtet noch immer als Leichenbegleiter und ist nun der Stellvertreter des Totengräbers.

«Ich habe ja viel Erfahrung und ich finde, dass wir es den Bottenwiler Bürgern schuldig sind, dass wir diese Aufgabe noch selbst übernehmen und nicht von Fremden machen lassen», sagt er. Und neue Leute zu finden, die einen solchen Job machen, sei halt nicht einfach. «Heute ist es weniger so, dass man sich um andere kümmert.»

Im Schnitt, sagt er, gebe es pro Jahr zwischen fünf und acht Todesfälle. «Am Anfang führten wir in den meisten Fällen Erdbestattungen durch, heute sind diese stark zurückgegangen», sagt er. Bei einer Kremation brauche es auch keine Leichenbegleiter mehr.

Christian Schweizer hatte keine Probleme, von seiner Funktion Abstand zu nehmen, um nicht immer nur an den Tod zu denken. Doch er sagt auch: «Ich musste mich immer auf die Einsätze vorbereiten.» Alle Menschen, die er im Laufe der 23 Jahre zu Grabe getragen hatte, habe er gekannt.

«Nahe gegangen ist mir jeweils die Trauer der Angehörigen.» Wichtig sei es in seiner Funktion, den Angehörigen mit Respekt zu begegnen und Anstand zu wahren. Und: «Jeder Tote soll gleichbehandelt werden, unabhängig seiner Herkunft und Religion.»

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