Ruedertal
Ist Windkraft eine Generationenfrage? Bevölkerung im Ruedertal ist gespalten

Der geplante Windpark scheidet die Geister im Ruedertal. Vor allem die junge Generation setzt sich für die Nutzung der Windkraft ein. An der Gmeind möchte der Gemeinderat konsultativ das Volk befragen.

Peter Weingartner
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Das Windpark-Projekt in Triengen und Kirchleerau
7 Bilder
Ein Luftbild des Windkraft-Projekts in Triengen und Kirchleerau (Visualisierungsbild)
 (Visualisierung)
Die SIcht aus Winikon (Visualisierung)
Die Sicht aus Richtung Walde (Visualisierung)
Hochrüti (Visualisierung)
Kiesgrube (Visualisierung)

Das Windpark-Projekt in Triengen und Kirchleerau

Visualisierung/CKW

Wie stehen die Ruedertaler zum geplanten Windpark auf Kirchleerauer und Kulmerauer Boden? Auf jeden Fall interessieren sie sich; noch und noch mussten Stühle in die Turnhalle geschafft werden. «Wenn wir an der Gemeindeversammlung so viele Leute hätten!», sagte Gemeindeammann Marliese Loosli. Allerdings waren beide Ruedertaler Gemeinden zur Informationsveranstaltung geladen.

Es geht um vier Windräder, je zwei auf Kirchleerauer und Kulmerauer, also Trienger Gemeindegebiet (az vom 4. Juni). Im Gebiet Nütziweid sind freilich auch Schmiedrueder betroffen. Und sichtbar sind die bis 100 Meter hohen (Höhe der Nabe, nicht der Rotoren im Zenit) Windräder auch im Dorf. «Man kann sie nicht verstecken, es gibt einen neuen Blick», sagte Peter Suter, Leiter Neue Energien bei den Centralschweizerischen Kraftwerken AG (CKW), die das Werk aufstellen und betreiben würden.

Kritische Stimmen gabs bereits vor der Infoveranstaltung. «Wenn sie uns den Strom günstiger geben, bin ich dafür», sagte ein Besucher. «Das wird nicht der Fall sein», meinte sein Nachbar. Nachdem Peter Suter das Projekt vorgestellt hatte, bot die Diskussion Gelegenheit, sich zu äussern.

Peter Suter zeigt den Leuten, was sie von den Windrädern von ihrem Heim aus sehen würden.

Peter Suter zeigt den Leuten, was sie von den Windrädern von ihrem Heim aus sehen würden.

Peter Weingartner

«Wir haben nur die Natur»

Applaus erhielt der Verantwortliche der Feriensiedlung Walde, der eine Verminderung des Erholungswerts des Tales monierte. «Wir haben nichts anderes zu bieten als Natur», meinte ein Grundbesitzer auf der Nütziweid. Unverbaubarer Blick auf Windräder als Standortvorteil? Und wie sieht es mit Entschädigungen (Lärm, Schattenwurf) aus?

Gegen den Windpark äusserte sich auch der ehemalige Bezirkslehrer Walter Bohnenblust. Auf dem Windpark auf dem Mont Soleil gebe es Warntafeln, die vor Eisfall warnen, und es rausche. Gut fürs Klima? «Das Klima macht mit uns, was es will», sagte er und bedauert, dass man nicht an einer neuen Generation Atomkraftwerke arbeite.

Jüngere eher dafür

Das Votum rief den 21-jährigen Kevin Brunner auf den Plan. Das Gas gehe aus, ebenso das Öl, und Solaranlagen seien nicht biologisch abbaubar. Er brach eine Lanze für die Nutzung der Windenergie und für die jüngere Generation: «Ich will auch noch Strom haben.» Auch wenn man im Moment nicht direkt profitiere, in 20 Jahren sei es vielleicht anders, meinte er. Und wurde mit dem grössten Applaus des Abends bedacht. Support erhielt er von einem weiteren jüngeren Votanten. Das Optische sei ein Argument, doch «mich störts vielleicht am Anfang, aber deswegen bin ich nicht dagegen».

Windenergie-Pionier Anton Suter zeigte Bilder aus Holland, wo die Räder nahe von Siedlungen stünden und akzeptiert seien. Er stellte auch in Aussicht, dass eines der vier Windräder von den Anrainern übernommen werden könnte. Die vier Räder zusammen könnten 10000 Personen mit Strom versorgen, und dies vor allem auch im Winter, wenn man Strom aus Braunkohle importieren müsse.

Simulation mit Google Earth

Das Vorhaben bedingt Zonenplanänderungen in den Standortgemeinden Kirchleerau und Triengen. Die Ruedertaler Gemeinden können über den Regionalverband Suhrental Einfluss nehmen. Einspracheberechtigt sind sicher jene Ruedertaler Grundbesitzer, die in der Nähe der Windräder leben.

Eine klare Meinung konnte Gemeindeammann Marliese Loosli nicht heraushören, obwohl der Applaus bei den befürwortenden Voten eine Spur lauter gewesen sein dürfte. 60 zu 40 Prozent dafür, schätzt CKW-Mediensprecherin Dorothea Dietze, während Anton Suter noch optimistischer ist.

Einige Ruedertaler wollten jedenfalls dank Google Earth sehen, ob und wie sich der Horizont von ihrem Wohnsitz aus verändern würde. Marliese Loosli möchte am nächsten Freitag an der Gemeindeversammlung eine Konsultativabstimmung zum Thema Windpark durchführen.