Kulm
In Kulm ist weit und breit kein Pfarrer in Sicht

Oberkulm sucht seit zwei Monaten eine Pfarrperson. Beworben hat sich bisher nur jemand, der nicht dem Profil entsprach. Darum wurden beim neusten Inserat die Bedingungen ein bisschen angepasst.

Aline Wüst
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Zuversichtliche Pfarrerin Esther Worbs vor der Kirche Teufenthal. WUA

Zuversichtliche Pfarrerin Esther Worbs vor der Kirche Teufenthal. WUA

Die Stellenprozente sind nicht mehr starr, sondern zwischen 50 und 70 Prozent angesetzt und der Pfarrer muss nicht unbedingt in Oberkulm wohnen. Gemeldet hat sich trotzdem niemand.

Geduld haben

Esther Worbs (54) ist seit 12 Jahren Pfarrerin in Teufenthal. Sie sieht die Situation in Oberkulm nicht so dramatisch. «Wir werden eine Pfarrperson finden», ist sie überzeugt. Ihre Zuversicht versucht sie den Leuten der Kirchgemeinde Kulm weiterzugeben. Man müsse nicht immer unbedingt alles sofort haben. «Manchmal braucht es auch etwas Geduld und man muss abwarten», sagt sie. Denn jede Situation sei eine Chance. Esther Worbs weiss, wovon sie redet. Sie selber hatte es nicht immer einfach im Leben: Ihre Schwester starb jung, sie verlor ein Kind als es noch ganz klein war und sie trennte sich von ihrem Mann. Schwere Zeiten gehören zum Leben. «Wir haben leider keine Kultur, die dem Vergehen und Werden wirklich Rechnung trägt», sagt die Pfarrerin.

Vergangen ist in Oberkulm einiges: Zuerst ging der Pfarrer. Dann entschied man im vergangenen Juni das Pfarrhaus zu verkaufen. Und der Verkauf ist auf gutem Weg. Oberkulm steht also bald mit leeren Händen da. Und das, obwohl aus Oberkulm am meisten Geld in den Steuertopf der Kirchgemeinde fliesst.

Pfarrhaus ist nicht attraktiv

Das Problem ist, dass die Kirchgemeinde Kulm sehr viele Liegenschaften hat, deren Unterhalt teuer ist: Die Orgeln müssen gewartet werden und auch die Kirchentürme benötigen eine Renovation. Kirchenpflegepräsidentin Doris Peter: «Lieber ein Pfarrhaus verkaufen, als die Kirche». Dass gerade das Pfarrhaus in Oberkulm verkauft wird, hat einen einfachen Grund: Es wird nicht gebraucht und eine sanfte Renovation würde bis zu 100000 Franken kosten. So viel Geld hat die Kirchgemeinde nicht. Dafür Schulden, die mit dem Erlös des Pfarrhauses (ca. 700000 Franken) abbezahlt werden könnten.

Pfarrerin Esther Worbs wohnt in Teufenthal selbst im Pfarrhaus. Aber sie weiss: «Viele Pfarrer sind alleinstehend, die wollen nicht in einem 8.5-Zimmer-Haus wohnen und einen grossen Garten unterhalten. Sie erzählt, dass schon einmal ein Pfarrer nach Oberkulm kommen wollte und wieder absagte, weil seine Frau nicht in diesem Pfarrhaus leben wollte.

Wo soll der neue Pfarrer wohnen?

Für Jakob Faes (80) aus Oberkulm ist der Verkauf des Pfarrhaus unverständlich. «Vermögen muss man behalten», sagt er. Seine Angst ist, dass in sechs Jahren wiederum kein Geld mehr in der Kasse ist, und dann auch noch die anderen Pfarrhäuser verkauft werden müssen. In einem sind sich Pfarrerin und Faes einig. «Es geht immer rauf und runter. Das ist normal», sagt Faes. Er gibt die Hoffnung nicht auf, dass sein Dorf wieder einen Pfarrer bekommt.

Zuversichtlich ist auch Max Haller aus Oberkulm, Präsident der Pfarrwahlkommission. Er hofft eine Person zu finden, die ganz frisch ordiniert ist. Denn mit den beiden erfahrenen Pfarrpersonen an seiner Seite, könnte eine unterfahrene Person viel profitieren. Den Verkauf des Pfarrhauses findet Haller zwar schade, aber: «Wenn eine junge alleinstehende Pfarrerin kommt, ist sie sicher froh, nicht in dem grossen Pfarrhaus wohnen zu müssen.»

Und Esther Worbs hält fest, dass sich Aufgaben wieder neu zeigen werden, wenn jemand Neues mit neuen Ideen anfange. Sie zählt auch gleich den Vorteil einer ländlichen Kirchgemeinde auf: langfristige, verbindliche Beziehungen zu den Kirchenmitgliedern.

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