Reinach
Gefahren Dosensplitter und Hundekot: Bauern kämpfen gegen Land-Littering

Landwirte des Bezirks Kulm dekorierten gestern den Kreisel im Unterdorf mit einem Plakataufruf. Hintergrund: Wer Müll achtlos wegwirft, gefährdet Tiere. Kühe fressen viel in sich hinein – auch Aludosensplitter. Das kann böse Folgen haben.

Peter Siegrist
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Bauern kämpfen mit Aktion gegen Land-Littering
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Pascal Bucher, Tierarzt «Für die erkrankten Tiere ein Leiden und für die Bauern letztlich noch ein wirtschaftlicher Verlust.»
Splitter von Aludosen sind tödlich für Kühe und Rinder.
Ruedi Weber, Trolerhof «Uns stinkt es, und es stinkt vor allem unsern Tieren, diesen Abfall zu schlucken.»

Bauern kämpfen mit Aktion gegen Land-Littering

Peter Siegrist

Die Landwirte des Bezirks Kulm orientierten vor den aufgehängten Plakaten die Medienvertreter über die Situation an ihren Wegrändern und auf den Feldern. Littering sei nicht nur innerorts ein Dauerthema, auch in Feld und Flur.

«Uns stinkt es», sagte Ruedi Weber, Landwirt und Grossrat aus Menziken, «und es stinkt vor allem unsern Tieren, diesen Abfall zu schlucken.» Littering sei selber für ihn selber ein Wegwerfwort, sagte Weber, «wir machen eine Müll-Aktion, um wachzurütteln.» Abfälle zusammenlesen, welche andere in die Felder werfen, sei heute Bauernalltag.

«Abfall macht mich krank», sagt die Kuh auf dem Plakat und staunt, weil sie eben von einer Flasche getroffen wird, die ein Autofahrer wegwirft. Vor dem Tier liegt ein Haufen mit Schachteln, Flaschen, Papier und Dosen. Und dann sagt die Plakatkuh noch ganz nett: «Dankeschön für saubere Felder».

Das Gezeichnete ist Realität. Kari Gafner, Landwirt in Oberkulm, hat am frühen Morgen einen kurzen Gang über seine Weide gemacht. Dann kippte er den Inhalt einer Tragtasche auf den Boden. Mehr Müll als auf dem Plakat, Becher, Flaschen und wieder diese Aludosen.

Abfall macht die Tiere krank

«Schlimmer jedoch sind die Folgen für unsere Tiere, sie werden krank und leiden», so Weber. Er hat auf seinem Hof innert fünf Jahren vier Mutterkühe mit ihren Kälbern verloren, weil sie Hundekot erwischten.

Tierarzt Pascal Bucher wies auf das Fressverhalten der Kühe hin: «Sie fressen viel in sich hinein, leider auch Dinge, die ihnen schaden, wie Abfallprodukte, Teile von Dosen.» Die messerscharfen Alusplitter, aber auch Kunststoffteile richteten in den Kuhmägen grosse Schäden an, sagte Bucher, «es kann zu Entzündungen führen. Die Tiere werden krank, langwierige Behandlungen seien nötig. Es führe zu einem Milchrückgang und oft gar zum Tod des Tieres. «Für die Tiere ein Leiden und für die Bauern ein wirtschaftlicher Verlust», sagte Bucher.

Hannes Speck, Landwirt im Lenz, hat genau dies erlebt. «Eine gesunde Kuh wurde plötzlich schwach, gab weniger Milch.» Viel habe auf eine Entzündung hingedeutet. Während Tagen wurde das Tier vom Veterinär behandelt, bis zu dem Tag, «an dem wir es schlachten mussten», sagt Speck.

Der Bauch der Kuh sei vereitert gewesen, das Fleisch durfte nicht verkauft werden und musste verbrannt werden. Eine Untersuchung habe feine Alusplitter von Dosen zutage gefördert, welche in den Magenwänden steckten. «Wir häckseln unser Gras vor dem Einfüllen ins Silo», sagte Speck, wobei die Maschine nur magnetische Fremdkörper erkenne.

Specks Verlust betrug rund 5000 Franken. Nicht weniger gefährlich für die Tiere sei der Hundekot, erklärte der Tierarzt. Falls Hunde den Parasiten Neospora caninum in sich trügen, würden sie den mit dem Kot ausscheiden. Gelange nicht aufgelesener Hundekot ins Futter, so lösten die Parasiten bei den trächtigen Kühen Aborte aus. Dies hat Weber erlebt.

Die Bauern wollen mit ihrer Aktion informieren und wachrütteln. Abfallsünder in flagranti auf ihr Tun hinzuweisen, sei nicht einfach, sagte Felix Gautschi. Schnell höre man da: «Ich zahle Steuern und ihr Bauern habt ja Direktzahlungen.» Eltern und die Schule sollten vermehrt die Kinder erziehen, wie früher: «Das Bonbonpapier wirft man nicht auf den Boden.» Nur, da waren sich alle einig, «es sind nicht Kinder, die Bierdosen und Zigarettenpakete wegwerfen.»

Grossrat Ruedi Weber hat mit 32 Mitunterzeichnern eine Interpellation eingereicht und den Regierungsrat beauftragt, einen Massnahmenkatalog und eine gesetzliche Regelung zur Bekämpfung von Littering vorzulegen.