Lenzburg/Muhen/Aarau/Teufenthal
Entlang der letzten Stationen des «Gaunerkönigs» Matter

Eine einzigartige Carreise führt über Stationen des letzten im Aargau geköpften Gauners Bernhart Matter. Ein wichtiges Kapitel Aargauer Kriminalgeschichte wird so lebendig aufgearbeitet.

Heiner Halder
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Der Richtplatz Fünflinden bei Lenzburg war Bernhart Matters letzte Station; die Holz-Skulptur erinnert an das Staufner Matter-Theater, ein Gedenkstein markiert die Richtstätte.

Der Richtplatz Fünflinden bei Lenzburg war Bernhart Matters letzte Station; die Holz-Skulptur erinnert an das Staufner Matter-Theater, ein Gedenkstein markiert die Richtstätte.

HH.

158 Jahre ist es her, seit der «Gaunerkönig» Bernhart Matter auf der Lenzburger Richtstätte Fünflinden geköpft worden ist. Seine ständigen Ausbrüche sowie die letzte öffentliche Hinrichtung im Aargau wurden von der Schweizer Presse zum Skandal stilisiert.

Die damalige Diskussion um das Strafmass weist Parallelen zur aktuellen Auseinandersetzung im Fall Daniel H./Lucie auf. Wie es seinerzeit dazu kam, zeigt die Rundreise der Müheler Matter-Theatertruppe zu den letzten Stationen des Ein- und Ausbrechers auf.

Unterhund gegen Obrigkeit

Was hat sich der arme Sünder zuschulden kommen lassen, dass er so hart bestraft wurde? Gerade mal 40 Einbrüche mit einer Beute von umgerechnet rund 230000 Franken reichten zur Summierung von 39 Jahren Kettenstrafe und schliesslich zum Todesurteil von 1854. Massgeblich war wohl der Umstand, dass Matter nur etwas über drei Jahre einsass und sechs Ausbrüche auf dem Kerbholz hatte.

Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Unterhund und Obrigkeit musste von dieser brutal und blutig beendet werden, bevor sie sich im ganzen Land noch vollends der Lächerlichkeit preisgegeben hatte. Der Schuss ging allerdings hinten hinaus. Matters unfreiwilliges Verdienst war in der Folge 1864 die Abschaffung der Todesstrafe und die Errichtung eines sicheren kantonalen Gefängnisses in Lenzburg. Die krumme Tour auf Matters Spur zu den Original-Schauplätzen endet an der historischen Richtstätte und führt dann zur kantonalen Justizvollzugsanstalt (JVA) mit insgesamt 300 Vollzugsplätzen (Strafanstalt und Zentralgefängnis). Die JVA kann kurz besichtigt werden.

Start an Matters Geburtsort Muhen

Der Start für die Carreise erfolgt an Matters Geburtsort Muhen, von dort gehts zur Herberge in Teufenthal, wo er an einem Fest verhaftet wurde, zu einem Schlupfwinkel ins Refenthal und weiter ins Rathaus nach Aarau, wo der letzte Ausbruchsversuch knapp verhindert wurde. Mit kurzen Szenen gestalten die Laienspieler den «Tatort-Krimi» live, unterwegs werden Hintergrundinformationen vermittelt.

Ein wichtiges Kapitel Aargauer Kriminalgeschichte wird so lebendig aufgearbeitet, ein beachtlicher Beitrag auch zum gegenwärtigen Disput über Schuld und Sühne, «Kuscheljustiz», Verjährung und Verwahrung.

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