Hirschthal
Ein Hirschthaler bringt der Schweiz das Teppichcurling bei

David Schneeberger aus Hirschthal will die im Norden längst bekannte Sportart Teppichcurling in die Schweiz bringen.

Christine Fürst
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David Schneeberger lässt den gelben Curlingstein gekonnt in die Mitte gleiten. cfü

David Schneeberger lässt den gelben Curlingstein gekonnt in die Mitte gleiten. cfü

Die Tür zur Wohnung steht offen. Hund Scotti bellt vor dem Gartentor. David Schneeberger kommt aus der Wohnung gestürmt. Dafür muss er sich jedoch zuerst einen Weg bahnen. Denn im Eingangsbereich und auf dem Küchenboden liegt ein eingerollter Teppich, gross und sperrig. Daneben stehen Kartonkisten und eine Autopolitur.

Die Spielregeln

Teppichcurling wird auf Spezialteppichen unterschiedlicher Länge gespielt. Es spielen zwei Teams mit je ein bis vier Spielern gegeneinander. Die Linien der Abwurfzone dürfen beim Wurf nicht mit den Füssen berührt werden. Ein Curl (Curlingstein), der beim Abwurf nicht gleitet, sondern «trudelt» wird aus dem Spiel genommen. Steine, welche die Mittellinie nicht überqueren, scheiden ebenfalls aus. Der erste geworfene Curl (gelb) darf vom zweiten (blau) nicht berührt werden. Danach sind Kollisionen erlaubt. Ein Spiel besteht aus zwei Durchgängen, anschliessend werden die Punkte zusammengezählt. Mehr Informationen unter www.teppichcurling.ch. (cfü)

Diese Materialien auf dem Fussboden sind David Schneebergers neue Leidenschaft. In den Kartonkisten befinden sich Curlingsteine, die an Eisstocksteine erinnern. Sie sind spielbar auf dem Teppich – nicht auf dem Eis. Und der dazugehörige Teppich kann auf 10 Meter Länge ausgerollt werden. Das Spiel nennt sich Teppichcurling und funktioniert ähnlich wie das Eis-Curling (siehe Box). Und die Autopolitur dient zum Beschleunigen. «Je mehr Autopolitur, desto einfacher gleitet der Stein», sagt Schneeberger.

«Ich bin immer auf der Suche nach neuen Spielen – ich bin ein richtiger Spieler», sagt der bald 40-Jährige. Bereits als Kind habe er gerne gespielt. Unihockey, Fussball, Tennis. «Ich habe fast alles gemacht, ausser segeln und reiten.» Als er dann auf der Suche nach Spielen das Teppichcurling entdeckte, war er hin und weg. «Das Spiel ist einfach und macht trotzdem Spass», sagt er und lacht.

Vom Teppichcurling-Virus befallen, reiste er nach Göteborg, Schweden, zur Firma Unicurl. Dort werden die Spiele produziert und vertrieben. Denn in den nordischen Ländern ist das Teppichcurling längst bekannt. «In Schweden werden gar Turniere gespielt», sagt Schneeberger begeistert.

Er setzte sich mit dem Firmenchef zusammen. Sagte, er wolle das Spiel in der Schweiz bekannt machen. Schnell kam es zur Lizenzvereinbarung. Er bekam die Erlaubnis, als Erster in der Schweiz, das Spiel zu verkaufen und zu vermieten. Er musste seine neue Firma eintragen lassen, eine Website erstellen, ein Beziehungsnetzwerk aufbauen – innerhalb weniger Monate. Dies alles machte der ausgebildete Verkaufsmanager neben seiner 60-Prozent-Stelle in der Post. Ein Freund von ihm gestaltete ihm für die neue Firma ein Logo.

Einen grossen Keller für die Lagerung der Teppiche und der Curlingsteine hat der Hirschthaler. In den nächsten Tagen wird er ihn zu seinem Lager umfunktionieren. Bei jedem Spiel, das er verkauft, wird automatisch eine soziale Einrichtung unterstützt. Momentan ist es die Arbeits- und Wohngemeinschaft Borna in Rothrist. «Man soll soziale Institutionen berücksichtigen, so lautet die Philosophie aus Schweden», sagt er.

Doch eigentlich will David Schneeberger nicht über seine neue Leidenschaft reden, er will sie zeigen. Auf dem Zugangsweg zu seinem Haus rollt er den Teppich aus. Dann räumt er die gelben und blauen Curlingsteine aus den Kartons und stellt sie neben die aufgezeichnete Abwurfzone.

Es kann losgehen. «Das Spiel ist sehr taktisch und man braucht eine gewisse Finesse», sagt er. Schon bald versammelt sich die halbe Nachbarschaft und beobachtet den Teppichcurler. «Das esch ned guet gsi», heisst es vom Nachbarsjungen. Er probiert gleich selbst und lässt den Stein sacht und geräuschlos über den Teppich gleiten – wie ein Profi.

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