Schöftland
Diese Schöftler Innenarchitekten retteten ein Stück der «Haltestelle»

Das Schöftler Lokal «Haltestelle» wurde abgerissen. Die Schöftler Innenarchitekten Markus Würgler und Dominic Bäni bewahrten 33 Stühle vor der Schuttmulde.

Flurina Dünki
Merken
Drucken
Teilen
Schöftler Architekten

Schöftler Architekten

Innenarchitekt Markus Würgler (Mitte) hat die Stühle des ehemaligen Restaurants Haltestelle vor der Mulde gerettet. Mit Mitarbeitern Tobias Burgherr (links) und Jonas Lemmke (rechts).

«Als der erste Stuhl aus dem Fenster flog, sind wir zum Restaurant rübergerannt.» Zehn Jahre lang arbeitete der Innenarchitekt Markus Würgler schon mit seinem Geschäftspartner Dominic Bäni gegenüber dem ehemaligen Restaurant Haltestelle in Schöftland. Dem Lokal, mit dem er zahlreiche Erinnerungen seiner Kindheit und Jugend verbindet. Als ihm an diesem Junitag plötzlich Erinnerungen zum Anfassen buchstäblich in die Hände fielen.

Nach 13 Jahren im Geisterzustand sollte, so hatte es sich Mitte 2020 in Schöftland herumgesprochen, das verlotterte Gebäude endlich abgerissen werden. Von seinem Büro gegenüber beobachtete Markus Würgler die Entwicklung genauestens. Er hatte es auf Rest­stücke des alten Interieurs abgesehen. «Ich hatte keine Ahnung, ob überhaupt noch Möbel aus den Tagen des Restaurants drin waren», sagt er heute. «Aber wenn es eine Gelegenheit gab, dies herauszufinden, dann beim Start der Abbrucharbeiten.»

Eine Zeit lang an Umbauprojekt gedacht

Markus Würgler war oft in der «Haltestelle». Der heute 44-Jährige wuchs in Schlossrued auf. Das Restaurant war ideal für Familien wie auch fürs Treffen mit Freunden: geräumig, zentral, mit Innen- und Gartenbereich. «Nach dem Training mit dem Turnverein oder Faustball sind wir gerne in der ‹Haltestelle› eingekehrt», sagt Würgler. Seit 1866 war das um 1840 erbaute Gebäude eine Beiz gewesen. 2007 verliessen die letzten Wirte, Edgar und Renate Buchser, die «Haltestelle»-Küche. Als Innenarchitekt hätte Markus Würgler das Gebäude gern erhalten gesehen. Etwa als Wohnhaus umgenutzt. Einen Auftrag dazu hätten sie sofort angenommen: «Ein Umbauprojekt hätte uns sehr gereizt.»

Das Erbe des Restaurants vor der Mulde gerettet

ter rund ums Gebäude aufgezogen wurden, beobachtete Markus Würgler von gegenüber das Geschehen noch genauer. «Falls sie was in die Mulde unter dem Fenster werfen, gehen wir sofort rüber», habe er seinem Team gesagt. Und tatsächlich – kaum hätten die ersten Arbeiten begonnen, sei ein erster Stuhl aus dem Fenster in die Mulde geflogen. «Was geschieht mit den Stühlen?», fragte er einen Handwerker. «Die müssen wir entsorgen», habe dieser geantwortet. Den Expertenherzen – beide Geschäftspartner sind nicht nur Innenarchitekten, sondern auch Schreiner – muss das einen Stich versetzt haben. Denn, als sie die Stühle von nahem sahen, erkannten sie, dass diese nicht nur als Nostalgieobjekte, sondern wie erwartet auch als stabile Sitzuntersätze taugten. Zwar seien die Stühle aus Buchenholz kein Markenprodukt, aber gleichwohl von hervorragender Qualität, so Würgler.

Zum Glück waren die Handwerker auf der Baustelle unkompliziert. Und so füllte sich das Innenarchitekturbüro mit 33 «Haltestelle»-Stühlen. Sie wurden zum Abschleifen und Lackieren in die Werkstatt gegeben und sind seither als «Original Haltestelle Beizenstuhl» für 170 Franken pro Stück zu haben. In erster Linie sei die Rettung der Beizenstühle aber ein Projekt zur Erhaltung eines Stücks Jugenderinnerungen gewesen.

Zehn Stück haben sie bisher verkauft. An Leute, die ebenfalls gute Erinnerungen mit dem Restaurant verbinden. Wenn am Ende welche für ihn selber übrig blieben, hätte er nichts dagegen, sagt Markus Würgler.

Auf die «Haltestelle»-Brache wird dereinst eine Erwei­terung vom Coop nebenan gebaut. Was genau, ist noch nicht bekannt. Wie der AZ im Juni ­gesagt wurde, soll dort aber nicht nur ein simpler Parkplatz entstehen.