Zetzwil
Der Schutzengel wachte über der Zetzwiler Rentnerin Annaliese Ernst

Während einer Woche war Annaliese Ernst vermisst. Auf dem Weg zu einer Beerdigung ist sie gestürzt und lag über 150 Stunden in einem Feld. Um zu überleben, hat sie das Regenwasser aus ihrer Regenjacke gesogen, wie sie der az erzählt.

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Annaliese Ernst : «Es geht mir gut.» (ahu)

Annaliese Ernst : «Es geht mir gut.» (ahu)

AZ

Der Abenteurer Indiana Jones hätte es nicht besser machen können. «Ich habe meine nasse Jacke ausgesaugt», sagt die Rentnerin Annaliese Ernst in ihrem Krankenbett. Die 69-Jährige hat über 150 Stunden in der freien Natur ausgeharrt und hat dank ihrem starken Lebenswillen überlebt. Jetzt liegt sie im Spital Menziken und es geht ihr den Umständen entsprechend gut.

Diese beinahe unglaubliche Geschichte begann am 1. Juni. Die Zetzwilerin machte sich morgens um 7 Uhr zu Fuss auf zu einer Beerdigung. Doch dort kam sie nie an. Denn sie wollte eine Abkürzung durch ein Feld und über einen Bach nehmen. «Dann bin ich hingefallen und den Abhang heruntergerollt. Danach konnte ich nicht mehr aufstehen», schildert Annaliese Ernst gegenüber der az.

Sie hätte mehrmals Helikopter und Flugzeuge gesehen und habe versucht sich bemerkbar zu machen, doch das war umsonst. «In Gedanken hatte ich mit meinem Leben abgeschlossen. Ich dachte, mich würde niemand finden.» Trotzdem gab sie ihren Lebenswillen nicht auf. Sie wollte ihren Ehemann, ihre Freundin und ihre Katze wiedersehen. Diese Gedanken hielten die Rentnerin am Leben.

Hier wurde Annaliese Ernst aus Zetzwil gefunden

Hier wurde Annaliese Ernst aus Zetzwil gefunden

Aargauer Zeitung

Eine geniale Idee

Auf die Frage, was sie denn dort am Boden gemacht habe, antwortet sie: «Na, viel geschlafen natürlich». Doch schon bald wurde ihr bewusst, dass sie nicht überleben würde, wenn sie nichts zu trinken bekäme. «Ich habe meine Jacke ausgebreitet als es regnete. Danach konnte ich das aufgesogene Wasser aussaugen», erklärt Annaliese Ernst ihren Überlebenskampf. «Das war eine geniale Idee. Es war nicht zu warm und es regnete ein wenig. Diese Umstände halfen der Patientin zu überleben», bestätigt die zuständige Ärztin Slavka Kraljevic.

«Sie kommt schon wieder zurück»

Hans Ernst, der besorgte Ehemann, dachte sich zuerst nichts Böses, als seine Frau nicht mehr zurückkam: «Ich war der Auffassung, dass sie sicher bald zurückkommen würde.» Da dem nicht so war, machte er sich auf eigene Faust auf die Suche nach seiner Frau.

Doch sein Einsatz war ergebnislos.

Auf Anraten eines Nachbarn informierte er sechs Tage nach dem Verschwinden seiner Frau endlich die Polizei. Doch auch die fand die Rentnerin vorerst nicht. Erst als der Bauer Heinz Stauber am Dienstagabend die Vermisstmeldung auf Tele M1 sah, ging ihm ein Licht auf: «Da war mir klar, dass sie die Frau war, die ich am Mittwoch zuvor durch ein Feld habe laufen sehen. Also verständigte ich die Polizei.»

Mit Hilfe der Polizei fand man Annaliese Ernst an einer abgelegenen Stelle, unterhalb eines Feldes und oberhalb eines Baches. «Ich habe geschlafen, als die Polizei mich fand. Mein erster Gedanke war: ‹Gott sei Dank haben sie mich gefunden. Es sucht doch noch jemand nach mir›», sagt sie rückblickend.

Annaliese Ernst hatte einen riesigen Schutzengel, der über ihr wachte. Das bestätigt sie gern: «Meinen Glücksbringer in Form eines Engels habe ich immer dabei. Er hat mich beschützt und mir geholfen.»

Sie und ihr Mann sind überglücklich, dass sie sich mehr oder weniger unversehrt wieder haben. Annaliese Ernst freut sich bereits wieder, in die Ferien zu gehen. «Ich reise gerne mit meinem Mann umher, das ist unser Hobby. Im Tirol gefällt es uns sehr gut», erzählt sie und lächelt. (ahu/dno)

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