Schöftland
Der Autor und seine jungen Kritiker

Markus Kirchhofer stellte sich den Fragen des jugendlichen Lesezirkels der Bibliothek. Der Autor ist selbst ein Ruedertaler und hat in Schöftland die Schulen besucht.

Peter Weingartner
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Autor Markus Kirchhof stellte sich den Fragen des Schöftler Lesezirkels. Peter Weingartner

Autor Markus Kirchhof stellte sich den Fragen des Schöftler Lesezirkels. Peter Weingartner

Jugendliche, die lesen? Lesende Jungs sogar? In Schöftland gibt es das. Fünf Mädchen und drei Knaben (ab der 6. Klasse) treffen sich jeweils am letzten Montag des Monats von acht bis neun Uhr in der Bibliothek, um über gelesene Bücher zu diskutieren. Der Lesezirkel ist letztes Jahr auf Initiative der Jugendlichen entstanden, als Fortsetzung der Leseabende in den Sommerferien (seit 2004). Vorgestern nahmen sie vor Publikum den Autor Markus Kirchhofer ins Kreuzverhör.

Texte evozieren Bilder

Doch zunächst gibt Markus Kirchhofer, im Ruedertal geboren und in Schöftland Bez-Absolvent, einen Querschnitt durch sein Schaffen. Kolumnen, Mattercomics und sein neustes Buch «gegenüber». Da stehen fünfzeilige Gedichte und dreizeilige Haikus neben Fotos des Fotografen Werner Erne. Breitformatig. Zweimal liest der Autor die Dreizeiler, auf dass die Skizze im Kopf der Zuhörer sich zu einem Bild auswachsen kann: «am abend bringen / wir in der hängematte / die sterne in schwung».

Die letzte Version einer Kurzgeschichte, am Tag der Lesung fertig geworden, zeigt aus der Sicht seines Vormunds ein Mündel mit einer Passion für Backsteine und Schaltafeln, einen «eigenen» Querkopf mit diagnostizierter Geisteskrankheit. Um schön zu träumen, hat Gottlieb, der zeitweise im Wald auf Schaltafeln nächtigte, seinen Kopf auf Reisekataloge gelegt. Am Tag nach seinem 75. Geburtstag, nachdem er den Musikanten als Dank fürs Ständchen einen seiner Backsteine, beschriftet mit «Waldgeist» oder «Lastwagenrad» zum Beispiel, vermacht hat, stirbt der «Talheiland» im Bürgerheim.

Letzte «Matterei»

Dann startet der Schöftler Literaturclub. Lars und Felix haben sich mit Kirchhofers Matter-Comics auseinandergesetzt. Die Buben haben genau hingesehen: Warum die Mundartausdrücke? Warum Zeichnungen in Schwarz-Weiss? Sie machen erstaunliche Erkenntnisse: Bei der Visionierung der Videoaufnahme der Matter-Theater ergänzen sie die fehlenden Kulissen mit Bildern, die vom Comic inspiriert sind. Für Olivier ist eh klar: Gute Schauspieler machens aus, nicht die Kulissen. Und Markus Kirchhofer weist auf seine «letzte Matterei» hin: Die Carfahrten zu Bernhart Matters Stationen (Premiere am 5. Mai).

Einblick in Arbeitsweise

Isabelle und Christina haben Kirchhofers Comic zu den Meyerschen Stollen gelesen und wollen vom Autor wissen, wo er schreibt. Ein Notizbuch dient ihm dazu, Beobachtungen, erste Fassungen auch von Gedichten, festzuhalten, die am PC überarbeitet werden. Die Verarbeitung der Recherchen erfolgt zu Hause. Da werden die Texte ausgedruckt und zunächst mit Bleistift überarbeitet. AnnMarie und Gina sind sich einig: Gedichte lesen braucht Konzentration. Die beiden haben sich das Buch «gegenüber» vorgenommen. Sie erkennen, was den Autor freut: Weder kommentiert der Text das Bild, noch illustriert das Bild den Text. Die Kombination lässt der Fantasie Raum.

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