Menziken/Burg
Das erste Ja auf dem Weg zur Fusion – trotz der energischen Diskussion

In Menziken herrscht nicht nur Begeisterung zur Fusion mit Burg. Trotzdem macht die Gmeind den ersten Schritt.

Flurina Dünki
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Menziken könnte sich nach einer Fusion bis auf die Burg (auf dem Hügel) erstrecken.

Menziken könnte sich nach einer Fusion bis auf die Burg (auf dem Hügel) erstrecken.

SEVERIN BIGLER

Gerne hätte der Gemeinderat von Menziken vom Souverän die Ermächtigung bekommen, das Landstück im Gebiet Bifang-Bromen zu verkaufen. Mit der Erteilung der Kompetenz, die drei Parzellen von insgesamt 1,87 Hektaren an einen geeigneten Interessenten zu verkaufen, hätten die Stimmberechtigten dem Gemeinderat grosses Vertrauen ausgesprochen.

Dieses Vertrauen wollte ihm die Gmeind am Mittwoch nicht zusprechen. Mit 43 Ja-Stimmen (67 Stimmbürger von total 3296 waren anwesend) wies sie das Geschäft an den Gemeinderat zurück mit dem Auftrag, ein Konzept zu erarbeiten, wie das Grundstück vom Käufer bewirtschaftet werden soll. Die Stimmen der Votanten zu diesem Thema gingen alle in dieselbe Richtung: Wie kann Menziken sicher gehen, dass der Käufer in absehbarer Frist baut und sich nicht als Investor entpuppt, der am Ende keine Arbeitsplätze schafft?

Die Erklärung von Gemeinderat Andreas Mäder, dass man vom potenziellen Käufer Sicherheiten fordere, dass gebaut wird, half nichts. Entsprechend frustriert zeigte sich Ammann Erich Bruderer (FDU) nach der Rückweisung. Es waren schon mehrere Kaufinteressenten auf den Gemeinderat zugekommen, sie hatten jedoch nicht die Zeit, um den Entscheid der Gemeindeversammlung abzuwarten. «Wir sind weiter handlungsunfähig», bemerkte Bruderer etwas verärgert.

Der schlechte Ruf von Burg eilt dem Dorf voraus

Nach dem Bifang-Bromen-Traktandum waren die Anwesenden keineswegs diskussionsmüde. Beim Kreditantrag von 105'000 Franken zur Fusionsabklärung mit Burg zeigte sich, welch schlechten Ruf Burg in der Region hat – vor allem der Finanzen wegen. «Burg hat ein Riesenproblem. Das Dorf ist defizitär, die Steuereinnahmen werden immer weniger – deshalb wollen sie wohl fusionieren», sagte einer der Votanten. So vieles sei sanierungsbedürftig in Burg, wer müsse das wohl nach einer Fusion bezahlen?

Burger Ja würde Fusionsabklärungen einleiten

Auch die Burger stimmen an ihrer Gmeind vom 19. November über den Kredit von 105'000 Franken für Fusionsabklärungen ab. Stimmt Burg ebenfalls zu, wird die Arbeit 2021 aufgenommen. Die Entscheidungsgrundlagen sollten Ende Frühling vorliegen. An den Gemeindeversammlungen im Herbst 2021 würden Menziken und Burg dann über die Fusion abstimmen. Dass die Burger einen Fusionspartner nötig haben, liest sich unter anderem aus dem beantragten Budget 2021: Es schliesst mit einem Minus von 308'900 Franken, der Selbstfinanzierungsgrad ist null Prozent. Der Steuerfuss bleibt mit 122 Prozent gleich. Die Rechnung 2019, die wegen Ausfalls der Sommergmeind ebenfalls traktandiert ist, weist ein Plus von 213'377 aus. Aber auch einen Steuerertrag von 2,6 Millionen Franken – 182'138 Franken unter dem Vorjahreswert.

Weitermuss der Souverän drei Kreditabrechnungen genehmigen:Für die Sanierung Hintergasseund den Anteil an Ausbau und Sanierungund Schlammbehandlung der ARA Reinach. Alles sind Kreditunterschreitungen. (fdu)

Fürwahr steht es schlecht um die Burger Finanzen. «Wir können gerade noch die laufenden Kosten decken, aber gar keine Investitionen mehr tätigen», erklärt Ammann Marcel Schuller bei der Erklärung der Fusionsabsicht im Sommer. Der Selbstfinanzierungsgrad liegt im Budget 2021 bei null Prozent. Die 12 Millionen, die der Kanton zur Fusion zahlt, sind angesichts dessen in absehbarer Zeit aufgebraucht. Er wisse nicht, was da vor seiner Zeit zwischen den beiden Gemeinden vorgefallen sei, merkte Ammann Bruderer an. Er selbst habe mit Burg nur gute Erfahrungen gemacht. Ein Rückweisungsantrag wurde auch hier gestellt, jedoch deutlich abgelehnt. Der Antrag zur Fusionsabklärung wurde am Ende trotz der energischen Diskussion grossmehrheitlich angenommen.

Aus dem Restaurant könnte ein Mittagstisch werden

Auch der Kauf der Parzelle Restaurant Rosengarten für 980'000 Franken wurde genehmigt. Die Gemeinde will das Grundstück kaufen, damit das ganze Gebiet um Schul- und Gemeindehaus im Besitz der Gemeinde oder Kirchgemeinde ist. Der Preis schien einem Votanten etwas hoch. Andreas Mäder erklärte jedoch, dass die verkaufende Erbengemeinschaft einen Käufer gehabt hätte, der 1,2 Millionen gezahlt hätte. Ausserdem sei der Standort ideal. Die Gemeinde habe die Option, das Restaurant zu schliessen und einen Mittagstisch einrichten. Die sieben Kreditabrechnungen und das neue Personalreglement wurden genehmigt. Auch das Budget 2019 (schwarze Null) mit einem unveränderten Steuerfuss von 118 Prozent.