Menziken
Das Dorf verliert 40 Jobs – jetzt plagen den ehemaligen Patron Gewissensbisse

Als die Bourquin SA die damalige Firma Weber Druck + Kartonage AG übernahm, versprach sie, neue Stellen zu schaffen – jetzt gehen im Oberwynental 40 Arbeitsplätze verloren. Das setzt Markus Weber zu.

Rahel Plüss
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Die Schliessung der Produktion an der Neuen Bahnhofstrasse lässt den ehemalige Firmenchef Markus Weber nicht kalt.

Die Schliessung der Produktion an der Neuen Bahnhofstrasse lässt den ehemalige Firmenchef Markus Weber nicht kalt.

Rahel Plüss

Menziken verliert 40 Jobs. Den Betroffenen wird vorgeschlagen, dass sie ab Mitte nächsten Jahres ins Solothurner Gäu pendeln – ein Arbeitsweg von mindestens 50 Minuten mit dem Auto, ein grosser Aufwand für einfache Arbeiter mit kleinem Lohn.

Die Firma Weber Verpackungen, seit zehn Jahren in Händen der Bourquin-Gruppe, zügelt nach Oensingen. Die Produktion im Oberwynental wird geschlossen. Begründet wird der Schritt mit dem auslaufenden Mietvertrag für die Produktionsräume an der Neuen Bahnhofstrasse in Menziken und Kosteneinsparungen. Aktuell sind rund 40 Personen in Menziken beschäftigt. Sie können gemäss Angaben der Unternehmensleitung ihre Stelle behalten, sofern sie denn den langen Arbeitsweg auf sich zu nehmen wollen oder können – dem Vernehmen nach für viele der nur angelernten Schichtarbeiter, gerade für Frauen mit Familie, kein realistisches Angebot.

Weiterentwicklung bleibt aus

«Ich bin mit dieser Entwicklung nicht glücklich», sagt der ehemalige Firmeninhaber Markus Weber. Der 63-Jährige, der heute in Beinwil am See lebt, hatte seine Produktion, damals noch unter dem Namen Weber Druck + Kartonage AG, vor zehn Jahren an die Bourquin-Gruppe verkauft. «Ich hatte andere Vorstellungen, wie es mit dem Betrieb weitergeht», so Weber. Zum Verkauf habe ihn einerseits die fehlende Nachfolge, andererseits das gute Angebot der Firma Bourquin SA, bewogen. Er habe damals geglaubt, dass «ein Grosser» mehr Möglichkeiten hätte zu investieren und den Angestellten längerfristig Sicherheit geben könnte.

Die Käufer hätten bei der Übernahme signalisiert, die Produktion in Menziken weiter zu entwickeln und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das bestätigt auch ein Artikel aus der Aargauer Zeitung, der im Dezember 2006 erschien: «Frohe Kunde aus dem Oberwynental: Dank einer Firmenübernahme werden zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen», war im Bericht über den Firmenverkauf zu lesen. Bourquin schaffe mittelfristig 10 bis 15 neue Arbeitsplätze, liess sich der damalige CEO und heutige Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Bourquin-Gruppe, Guido Bardelli, zitieren.

Zehn Jahre später sieht es anders aus. Gerüchte, wonach Markus Weber als Eigentümer der Produktionsräume der Bourquin SA eine Weiterentwicklung des Standorts Menziken verwehrt oder erschwert habe, weist der ehemalige Firmenbesitzer entschieden zurück. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass an einem anderen Standort in Menziken erweitert und modernisiert werden sollte. Auch wolle er festhalten, dass nicht er derjenige gewesen sei, der den Mietvertrag nicht verlängert habe. «Bourquin hätte noch mindestens zehn Jahre weitermachen können.»

Auch wenn ihn die Firmengeschicke seit dem Verkauf «nichts mehr angehen dürfen», wie er selber sagt, lässt ihn die Schliessung nicht kalt. Schliesslich geht damit auch langes Kapitel Familiengeschichte zu Ende. Gegründet hatte die Firma sein Urgrossvater Robert Weber im Jahr 1872. Die beiden Söhne Arens (Markus Webers Grossvater) und Theobald Weber führten das Geschäft weiter. Später schied Theobald aus dem Unternehmen aus, die beiden Söhne von Arens – Kurt und Ernst Weber – rückten nach. Markus Weber selber kam anno 1973 als 20-Jähriger in den Betrieb. Ab 1980 war er Geschäftsleiter. Sechs Jahre später habe er die Firma von seinem Vater Kurt und seinem Onkel käuflich erwerben können.

Kein Abbruch ohne Folgeprojekt

Was passiert mit der Liegenschaft nach dem Wegzug der Produktion? «Nichts», sagt Markus Weber – und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Er habe einen Schlussstrich ziehen und das Gebäude abbrechen wollen. Doch die entsprechende Bewilligung hat er nicht erhalten. Vor wenigen Tagen flatterte der Negativbescheid der Gemeinde ins Haus.

Die Begründung: Der Abbruch werde nur bewilligt, wenn ein Folgeprojekt vorliege. Denn das Areal liegt in der neuen Zentrumszone, in der gemäss revidierter Bau- und Nutzungsordnung (an der Gmeind vom 9. 11. 2016 gutgeheissen) eine verdichtete, gemischte Nutzung mit stillem Gewerbe und Wohnbauten vorgesehen ist. «Wohnungen bauen will ich nicht», sagt Markus Weber ohne Umschweife. Folglich bleibe einfach alles, wie es ist – ein Zaun rundherum und fertig. «Vielleicht macht ja mein Sohn mal etwas draus, aber ich nicht.»

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