Menziken
Bewegender Abschied von Beat Richners Freund – mit einer Liebeserklärung an seine Frau

Der Wynentaler Kinderarzt Peter Studer hat kurz vor seinem Tod seinen ehemaligen Schulschatz geheiratet. Als letzte Worte stand im Lebenslauf ein «Gruss an meine über alles geliebte Geneviève».

Flurina Dünki
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Vor dem Altar der katholischen Kirche Menziken stand am Gedenkgottesdienst ein Bild von Peter Studer.

Vor dem Altar der katholischen Kirche Menziken stand am Gedenkgottesdienst ein Bild von Peter Studer.

Michael Küng

Es war vor allem eine Liebeserklärung an seine Frau Geneviève F. Cattin-Studer, die der im Mai mit 73 Jahren verstorbene Kinderarzt Peter Studer hinsichtlich seiner Abdankung eigens verfasst hatte. Auf seinem am gestrigen Gedenkgottesdienst in der katholischen Kirche Menziken vorgelesenen Lebensweg kreuzten sich die Wege des späteren Reinacher Kinderarztes Studer und seiner späteren Gattin sehr früh.

Bereits auf dem Gymnasium in Bern lernten sich die beiden kennen und wurden ein Paar. Dann sei es zu einer dramatischen Trennung gekommen, so die Worte Studers, obwohl sie zusammen bis dahin nur Schönes erlebt hätten. Sie hätte gerne eine Familie gegründet, er wollte Kinderarzt werden und fernab der Zivilisation in Hilfsprojekten tätig sein. Die Beziehung überlebte diese Dehnung nicht.

Arbeit erfüllte Studer

Für viele Jahre sollten sie kaum mehr Kontakt haben. Jahre, in denen Peter Studer mit Berufskollege Thomas Huber in Reinach eine Kinderarztpraxis eröffnete, erste humanitäre Einsätze in Südostasien leistete und seine lebenslange Leidenschaft – ausgeprägte Reisen per Motorrad oder Auto – entdeckte. Die Arbeit als Kinderarzt erfüllte Peter Studer. Schon als er nach dem Studium in Spitälern arbeitete, schrieb er, sei er oft bis zehn Uhr nachts oder noch später bei den Kindern am Bett sitzen geblieben, habe mit ihnen Memory gespielt oder ihnen Geschichten vorgelesen.

In seiner späteren Reinacher Praxis hat er unzählige Kinder aus den Tälern behandelt. Mit Allgemeinpraktiker Werner Häfeli, der in Gontenschwil seine Praxis hatte, tauschte er sich fast täglich am Telefon und während Joggingrunden aus. Er habe in ihm einen Seelenverwandten gefunden.

Beat Richner
9 Bilder
Dr. Beat Richner vor dem Kinderspital Jayavarman VII (Archiv)
Richner im Spital Kantha Bopha in Siem Reap.
Richner im Spital Kantha Bopha in Siem Reap.
Richner im Spital Kantha Bopha in Siem Reap.
Beat Richner in einem seiner Spitäler in Kambodscha im Jahr 2001: Der Zürcher Musiker und Kinderarzt musste aus gesundheitlichen Gründen von seinen Funktionen zurücktreten. (Archivbild)
Der Reinacher Kinderarzt Peter Studer und Beat Richner. Beat Richner hat in Kambodscha (Kantha Bopha) vier Kinderspitäler aufgebaut. Peter Studer, Kinderarzt, Reinach, unterstützt ihn in der Schweiz und vor Ort. Bilder mit Cello anlässlich Benefizkonzert in Reinach
Richner ist auch Musiker, anlässlich eines Benefizkonzertes in Reinach. Beat Richner hat in Kambodscha (Kantha Bopha) vier Kinderspitäler aufgebaut. Peter Studer, Kinderarzt, Reinach, unterstützt ihn in der Schweiz und vor Ort. Bilder mit Cello anlässlich Benefizkonzert in Reinach
Vier Kinderspitäler hat Richner in Kambotscha aufgebaut. Der Reinacher Arzt Peter Studer unterstützt ihn in der Schweiz und vor Ort.

Beat Richner

Monika Flückiger

1992 stiess Studer zu Beat Richners Team von Ärzten in den Kinderspitälern in Kanta Bopha. «Damals nahm mein Leben eine entscheidende Wende.» Beat Richner und ihn hätte eine jahrzehntelange Freundschaft verbunden. Nach Richners Tod 2018 wurde Studer Präsident der Stiftung. Als das digitale Zeitalter anbrach, versandte Peter Studer eines Tages eine elektronische Postkarte zum 60. Geburtstag von Geneviève. Wenige Wochen später trafen sie sich – und sollten sich nicht wieder trennen.

In den letzten 14 Jahren sei nicht ein böses Wort gefallen, schrieb Studer. Zusammen richteten sie ihr Heim in Birrwil ein. Dann kam im September 2019 die Diagnose. Der Himmel sei trüb geworden. Die beiden heirateten am 20. Dezember 2019. Als letzte Worte stand im Lebenslauf ein «Gruss an meine über alles geliebte Geneviève».