Reitnau/Attelwil
Anonymes Flugblatt gegen Fusion gibt zu reden – auch Susanne Hochuli stellt Fragen

Das Fusionsprojekt Attelwil-Reitnau bewegt. Die Bevölkerung beider Gemeinden strömte in Scharen in die Mehrzweckhalle nach Reitnau, um Informationen aus erster Hand zu bekommen.

Raphael Nadler
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Alt Regierungsrätin Susanne Hochuli wohnt und arbeitet in Reitnau. Sie erkundigte sich über die Fusionsalternativen.

Alt Regierungsrätin Susanne Hochuli wohnt und arbeitet in Reitnau. Sie erkundigte sich über die Fusionsalternativen.

Über eine Stunde lang informierte der Projektausschuss, bestehend aus den beiden Gemeindeammännern Regina Lehmann-Wälchli (Reitnau) und Roger Lehner (Attelwil), Martin Hitz (Projektleiter der Firma UTA Comunova) und Marc Schmellentin (Leiter Finanzaufsicht Gemeinden des Kantons Aargau) über die Ergebnisse von vier Arbeitsgruppen. Diese hatten sich über Wochen intensiv mit den Themen Infrastruktur, Organisation, Finanzen, Bildung, Sicherheit, Soziales und Kultur in beiden Gemeinden beschäftigt und Grundlagen für die Entscheidungsfindung erarbeitet.

Bei der anschliessenden Fragerunde waren die Finanzen, die Melioration und das am Dienstag in beiden Gemeinden verteilte anonyme Flugblatt gegen die Fusion die Hauptthemen.

Grossgemeinde ohne Chance

«Die Kirche, die Schule, die Feuerwehr und vieles mehr sind schon zusammen», sagte ein Votant, «deshalb wären wir ja blöd, wenn wir nicht auch die beiden Gemeinden fusionieren würden.» Bestätigt sah er sich in seiner Aussage, als ihm aufgezeigt wurde, dass Attelwil ohne Berücksichtigung der Steuerkraft tatsächlich zu den vermögendsten Gemeinden im Kanton gehört. Die Reitnauer alt Regierungsrätin Susanne Hochuli wollte unter anderem eine Antwort zu geprüften Fusionsalternativen.

«Wir haben unser Heil nie in einer Grossgemeinde gesehen», sagte Regina Lehmann. Seit 2002 sei das Thema Fusion in den Gemeinden im oberen Suhrental und im Regionalverband Suhrental immer wieder diskutiert worden, ergänzte Roger Lehner, doch beim letzten Versuch, eine Analyse für eine Grossgemeinde erstellen zu lassen, sei ein Grossteil der Gemeinden dagegen gewesen. «Politisch würden wir wohl in zehn Jahren noch über eine Fusion diskutieren, es ist schwierig, so viele Gemeinden auf einen Nenner zu bringen», ist Lehner überzeugt. Deshalb sei es wichtig, dass Attelwil und Reitnau nun vorangehen, auch im Wissen, dass man eine Vorreiterrolle übernehme und von den andern beobachtet werde. Mehrfach kam auch das Thema Melioration zur Sprache, das in beiden Gemeinden hohe Wellen wirft. Noch vor der Fusion können beide Bevölkerungen unabhängig voneinander darüber befinden.

Keine Freunde im Saal machten sich die Verfasser des anonymen Flugblatts gegen die Fusion. «Wir bitten die Verfasser, sich zu outen», sagte ein Votant. Als sich erwartungsgemäss niemand meldete, ergänzte er, «das ist einer Demokratie unwürdig». Applaus hallte durch die Halle.«Einen Plan B haben wir nicht», gab Regina Lehmann offen zu. «Sollte die Fusion scheitern, wäre dieses Thema für die nächsten 10 bis 20 Jahre wohl vom Tisch.» Der Steuerfuss werde aber auch ohne Fusion auf ein Maximum ansteigen, betonten beide Gemeindeammänner. «Der neue Finanzausgleich führt zu einer Zweiklassengesellschaft», betont Roger Lehner. «Die Landgemeinden hängen an der Infusion des Kantons.» Eine Votantin: «Als ich vor 20 Jahren nach Reitnau zog, war der Steuerfuss bei 131 Prozent (heute 117 %, Anm. der Red.).» Trudi Rössler, die langjährige Finanzverwalterin von Attelwil, gab den Anwesenden zu bedenken, dass es immer schwieriger werde, Mitglieder für alle Behörden zu finden, auch deshalb sei eine Fusion sinnvoll. «Wir müssen für unsere Jugend vorspuren», sagte ein Reitnauer, «die Fusion mit Attelwil ist der erste Schritt dazu.»

Am 21. September stimmen beide Gemeinden separat an der Gmeind über den Fusionsvertrag ab.