Familiendrama

Aargauer Vater und Sohn zoffen sich in Kultsendung – trotzdem folgt ein Happy End

Ein Sohn stellt seinen Vater in der italienischen Sendung «C’è posta per te» zur Rede

Samstagabend. Primetime. Sechs Millionen Zuschauer sitzen vor dem Fernseher und schauen «C’è posta per te» auf Canale 5 – dem TV-Sender von Silvio Berlusconi. Es ist eine der erfolgreichsten Sendungen im italienischen TV. Sie ermöglicht Menschen, die sich zerstritten haben, sich wieder zu versöhnen. Träume zu erfüllen. Fehler wieder gutzumachen. Immer wieder sind Stars wie Fussballer Francesco Totti oder Laura Pausini zu Gast bei Maria de Filippi, der Moderatorin der Kultsendung.

Jetzt war der berühmte Pöstler – er stellt jeweils die Einladung den Protagonisten zu – im Wynental unterwegs. Am vergangenen Wochenende flimmerten Vater und Sohn aus dem Aargau über die italienschen Bildschirme. Die Geschichte: Der Sohn, Paolo, hat seinen Vater, Ferdinando, seit elf Jahren nicht mehr gesehen. Paolo (22), mittlerweile selber Vater, will Ferdinando zur Rede stellen. Der Vater wohnt in Reinach. Der Sohn im 30 Minuten entfernten Safenwil. Ihr Treffen nach über einem Jahrzehnt: in Rom.

Maria de Filippi erzählt die Familiengeschichte von Paolo und Ferdinando. Der Vater hat Paolo und seine beiden Brüder verlassen, als er drei Jahre alt war. Für Paolo, der eine kleine Tochter hat, nicht nachvollziehbar. Paolo werde das tun, was sein Vater nicht getan habe, erzählt die Moderatorin. Er werde ein richtiger Vater sein für seine Tochter. Ferdinando habe sich weder um die Kinder gekümmert, noch sie finanziell unterstützt. Die Kindheit von Paolo und seinen Brüdern sei von Einsamkeit geprägt gewesen. Jetzt will der Sohn einen Schlussstrich ziehen und den Vater zur Rede stellen.

Der Pöstler sattelt sein Velo und fährt durch Reinach, um den Vater nach Rom einzuladen. Die Spannung steigt. Ob der Vater gekommen ist, erfährt der Zuschauer erst in der Sendung. Ferdinando ist gekommen. Nachdem er erfährt, wen ihn zur Rede stellen will, hat er zehn Sekunden Zeit, um sich zu entscheiden. «Darf er sprechen?», fragt die Moderatorin. Der Vater nickt. Das Publikum im Studio klatscht.

Vater und Sohn treffen aufeinander

«Ich bin Paolo, 22 Jahre alt und ich bin dein Sohn», fängt er an. «Heute bin ich hier, um auf meine Fragen Antworten zu erhalten.» Paolo hat mehrere Fragen vorbereitet, die er nun vorliest. Eine nach der anderen. Vater und Sohn geraten sich schon bei der ersten in die Haare. Behauptet doch der Vater, dass sie sich vor zwei Jahren gesehen hätten. Am Bahnhof in Zofingen. Etwa 30 Minuten lang hätten sie gesprochen. Am Geburtstag von Paolo. Dieser bestreitet es energisch: «Das stimmt nicht.» Auch die Mutter habe bestätigt, dass sich Vater und Sohn seit über zehn Jahren nicht gesehen hätten, so die Moderatorin. «Ich habe Zeugen», sagt wiederum der Vater.

Im Verlaufe der Sendung entschuldigt sich der Papà für seine Fehler. «Mit Entschuldigungen ist es nicht getan», sagt der Sohn. «Warum hast du uns nicht gesucht? Warum hast du uns nicht angerufen», fragt Paolo. Der Vater erwidert, er habe auf den Anruf seines Sohnes gewartet. Der Sohn ist ausser sich. «Was willst du von mir hören?», fragt Ferdinando. Er könne nicht mehr tun als sich entschuldigen. «Ich bin an allem schuld», sagt er. Der Papà habe den Kindern gefehlt. Vor allem dann, wenn die Mutter arbeiten ging. «Vier Jobs hatte sie, um uns durchzubringen», sagt Paolo. «Und warum hast du nicht für uns bezahlt?» Das Geld sei von der Gemeinde gekommen. «Aber die Gemeinde ist nicht mein Vater», schreit Paolo. Es war ihm nicht möglich, sagt der Vater. Er hatte Schulden.

Wie soll es nun weitergehen? Der Vater will für seine Söhne da sein. Seine Enkeltochter kennen lernen. Eine Beziehung aufbauen. Paolo hat seine Tochter mit nach Rom genommen. Die Moderatorin fragt Paolo, ob er seine Tochter dem Grossvater vorstellen will. Er nickt. Es kommt zum Happy End. Vater und Sohn liegen sich in den Armen. Tränen fliessen. Applaus.

Café in Schöftland

Der junge Mann, den man in der italienischen Kultsendung zu sehen bekommt, ist Paolo Lombardi. Er eröffnet in den nächsten Tagen sein Café in Schöftland: «Piccola Italia». Auch auf Facebook wird die «schlimme Geschichte» heiss diskutiert. Sei es von der italienischen Community im Wynental oder auf der Fan-Seite der Sendung. Dabei sind sich die Leute nicht einig, ob der Vater der Böse oder der Sohn der Arrogante ist. Einig sind sie sich darin, dass es eine traurige Geschichte ist.

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