Reinach
Aargauer Detektiv: «Wir halten uns ans Gesetz – aber es gibt Grauzonen»

Oliver Cescato hat kürzlich in Reinach die «ORC-Detektei» eröffnet. Seit bald 15 Jahren ist er schon im Geschäft – mit Unterbrüchen.

Rahel Plüss
Drucken
Oliver Cescato, der sich auf dem Foto nicht zu erkennen geben will, verbringt einen Grossteil seiner Zeit als Detektiv mit Warten auf den richtigen Augenblick.

Oliver Cescato, der sich auf dem Foto nicht zu erkennen geben will, verbringt einen Grossteil seiner Zeit als Detektiv mit Warten auf den richtigen Augenblick.

Rahel Plüss

Am Telefon ist er wortkarg. Seine Begeisterung über das Interesse der az an seiner neu eröffneten Detektei ist merklich gering. Trotzdem stimmt Oliver Cescato einem Treffen zu. Später wird er sich für sein Verhalten entschuldigen. Der Grund: Schlafmangel. 48 Stunden sei er zu jenem Zeitpunkt nicht mehr im Bett gewesen, da werde er leicht ungehalten. Man kanns ihm nicht verübeln.

Für das Treffen wählt er das az-Reporterbüro – bewusst neutrales Terrain. Seinen Namen kennen hier zwar viele, schliesslich ist er ein Reinacher. In der Zeitung will er ihn aber nicht mit seinem Gesicht in Verbindung gebracht haben. Zur Sicherheit, wie er sagt. Unerkannt zu bleiben, sei höchstes Gebot in seinem Job.

Heute ist Oliver Cescato gesprächiger, obschon er auch wieder direkt von einer Observation kommt. Sein Outfit passt ins Bild: schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarzes Gilet – nein, keine Sonnenbrille an einem solch regnerischen Tag. Von unnötigen Gadgets halte er nichts, rein gar nichts. Die schwarze Kleidung sei seine Nachtmontur. Ein Blick nach draussen: Auf der gegenüber liegenden Strassenseite steht sein schwarzes Auto. Einmal, in den Anfängen, sei ihm ein Fehler passiert. Da habe er eines Nachts den falschen Wagen dabei gehabt, den weissen, und prompt sei er aufgeflogen – «verbrannt», wie die Insider sagen. Das sei ihm eine Lehre gewesen.

Bald 15 Jahre im Geschäft

Oliver Cescato hat kürzlich in Reinach die «ORC-Detektei» eröffnet. Der 53-Jährige ist aber alles andere als ein Newcomer auf dem Gebiet. Seit bald 15 Jahren schon ist er im Geschäft – mit Unterbrüchen. Daneben ging er auch immer wieder anderen Jobs nach. Zuletzt war er als Verkaufsleiter im Aussendienst tätig. Heute kann er von der Detektei, die auch Personenschutz und Inkassowesen beinhaltet, leben.

Ob er sich mit seiner Detektei jetzt einen Bubentraum erfüllt habe, fragt ihn die az. Cescato lacht. «Der Detektivberuf ein Traum?», wiederholt er die Frage rhetorisch. «Manchmal wohl eher ein Albtraum, wenn ich sehe, was alles schiefläuft, das die Öffentlichkeit nur am Rande mitbekommt.» Aber das spiele keine Rolle. «Detektiv zu sein, ist eine Sucht.» Der Kick, der Adrenalinschub, den er erfahre, wenn er eine Zielperson genau dort habe, wo er sie haben wolle, sei unvergleichlich und entschädige für das «stunden-, ja tagelange Auf-dem-Füdli-hocken» in irgendeiner Strasse, während sich nichts, aber auch gar nichts tue. Und dieser Erfolg sei es auch, der die langweilige, minuziöse Rapportiererei und das tagelange Auf-Achse-Sein aufwiege.

«Man muss das mit Herzblut machen, sonst ist man draussen.» Und man müsse ein Umfeld haben, das diese Eskapaden mittrage. «Das hab ich», sagt Cescato ernst und dann heiterer: «Meine Frau hat mich immer wieder in diesen Job zurückgeschickt. Ich war daheim ohne Auftrag wohl unausstehlich.» Dies wird der einzige Moment bleiben, in dem er über sein Privatleben spricht.

Zum Oberservieren sei er eher zufällig gekommen, «über Connections», wie er sagt. Er habe die entsprechenden Leute getroffen, seine Ausbildung in der Armee habe eine wesentliche Rolle gespielt. Mehr will er dazu nicht erzählen. Zuerst habe er sich die Sporen abverdient, von Profis im In- und Ausland gelernt. «Learning by doing, auch mal reingelaufen und mich zum Gespött gemacht, so wie damals mit dem weissen Auto.» Später habe er eine Detektiv-Schule in Deutschland besucht, das Fach von der Pike auf gelernt. «Alles seriös. Wir halten uns ans Gesetz», sagt Cescato und fügt an: «Aber es gibt Grauzonen.»

Detektive bleiben im Hintergrund

Auch wenn die Detektei unter seinem Namen läuft, ist Cescato kein Einzelkämpfer. «Um seriöse Observationen durchführen zu können, brauchts in den meisten Fällen mehr als einen Observanten», so der Detektiv. Je nach Auftrag hole er sich deshalb Unterstützung aus seinem grossen Netzwerk. «Alles andere ist nicht seriös.» Die Personen bleiben selbstverständlich anonym, genau wie er. Nicht einmal die Auftraggeber kennen sie. Verbindungsmänner fungieren als Drehscheibe.

Früher habe ein Grossteil der Aufträge aus Ehe-Observation bestanden. Männer hätten ihre Frauen beschatten lassen und andersrum – meist wegen Unterhaltszahlungen. Das habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Heute seien unter den Auftraggebern neben Privatpersonen häufig Versicherungen oder Ämter, jedenfalls andernorts, etwa in den Kantonen Zürich, Zug, St. Gallen, Thurgau oder Bern. Im Aargau sei man in dieser Beziehung noch «unterentwickelt», so Cescato, die restriktive kantonale Gesetzgebung erschwere die Zusammenarbeit mit Polizei oder Sozialämtern. Hier hoffe er auf Lockerung in absehbarer Zeit, deshalb habe er nun auch sein geschäftliches Domizil nach Reinach verlegt. «Der Aargau hat Potenzial, ich will die Zusammenarbeit mit dem Kanton forcieren.»

Aktuelle Nachrichten