Staffelbach
28 Anleger investieren in 31 Wohnungen: Crowdfunding ist in Immobilienwelt angekommen

28 Anleger investierten 7,2 Millionen Franken in 31 Wohnungen, die bereits grösstenteils vermietet sind.

Flurina Dünki
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Das «Haus B» in der Staffelbacher Siedlung «Im Oberfeldpark». Es gehört den Miteigentümern, die das Objekt auf der Crowdhouse-Internetplattform fanden.

Das «Haus B» in der Staffelbacher Siedlung «Im Oberfeldpark». Es gehört den Miteigentümern, die das Objekt auf der Crowdhouse-Internetplattform fanden.

Flurina Dünki

Das Konzept des Crowdfundings ist in der Immobilienwelt angekommen. Die Idee: Ein Haus oder eine Eigentumswohnung wird nicht von einem einzigen Käufer erworben, sondern durch eine Gruppe von Miteigentümern. Die Zürcher Firma Crowdhouse AG wirbt aktiv um Leute, die Geld in Immobilien anlegen wollen. Schon ab einem Mindesteinsatz von 25 000 Franken ist man drin. Eines der ersten grossen Projekte ist die Staffelbacher Überbauung «Im Oberfeldpark», im Volksmund «Staumauer» genannt. Drei Wohnblöcke mit 7, 31 und 14 Eigentums- und Mietwohnungen wurden dort aus dem Boden gestampft. Seit Juni ist der Grösste im Besitz von 28 Miteigentümern, die das Objekt auf der Crowdhouse-Plattform fanden.

Anleger schnell zusammen

Wie lief das ab? «Nachdem wir ein Objekt ausgesucht haben, leisten wir dem Verkäufer eine Anzahlung und starten die Finanzierungsrunde auf unserer Internetplattform, um die geforderten Eigenmittel zu sammeln», erklärt Michael Meier, Kommunikationsverantwortlicher von Crowdhouse. «Investoren bei Crowdhouse suchen sich selbst aus, in welche Objekte sie investieren möchten, und wählen dabei auch den Investitionsbetrag frei aus.» Die Rendite wird quartalsweise an die Miteigentümer ausgeschüttet.

Der «Oberfeldpark» entpuppte sich auf der Plattform als Magnet für Anleger. Bis zur Zeichnung aller nötigen Eigenmittel (7,22 Millionen Franken) dauerte es nur knapp zwei Monate. Die restlichen 59 Prozent des Kaufpreises wurden mittels Hypothek gedeckt. Das Gebäude besteht aus 31 Mietwohnungen, von denen inzwischen 27 vermietet sind. Jeder Miteigentümer wird im Grundbuch eingetragen, um die Verwaltung kümmert sich die Crowdhouse AG.

Ausschlaggebend für das Objekt «Im Oberfeldpark» waren gemäss Meier unter anderem der hochwertige Neubau, dass die Liegenschaft bezahlbaren Wohnraum im Eigentumsstandard mit konkurrenzfähigen Mietpreisen biete, dass über die Hälfte der Wohnungen bereits vor Bauvollendung vermietet waren und dass die Immobilie aufgrund ihrer Grösse attraktiv für institutionelle Anleger sei.

Die Miteigentümer zahlen bei diesem Konzept Nebenkosten wie Notariats- und Grundbuchgebühren und an Crowdhouse eine Maklergebühr. Hinzu kommt ein jährliches Erfolgshonorar für die Immobilien–Vermögensverwaltung. Dieses jeweils unter der Voraussetzung, dass mindestens drei Viertel der prognostizierten Mieteinnahmen eingenommen wurden.

Ebenfalls attraktiv am «Staumauer»-Haus war, dass der Verkäufer, die Treinvest AG, den neuen Eigentümern eine 12-monatige Mietzinsgarantie zugesichert hat. Sollte also aufgrund leer bleibender Wohnungen nicht der gesamte prognostizierte Mietertrag eingefahren werde, so zahlt Treinvest diesen bis zur Höhe des zugesicherten Betrags.

Vollvermietung erwartet

Michael Meier glaubt aber momentan nicht, dass darauf zurückgegriffen werden muss. Mit dem Verlauf der Vermietungen seien sie absolut zufrieden. «Seit wir die Liegenschaft bewirtschaften, konnten wir den Vermietungsgrad sukzessive erhöhen und dadurch bereits jetzt wesentlich zu einer Wertsteigerung der gesamten Liegenschaft beitragen.» So seien sie höchst zuversichtlich, dass auch die vier leeren Wohnungen vor Ablauf dieser Garantie vermietet sein würden.

Das Vermieten ist einfacher als das Verkaufen

Mit der Überbauung «Im Oberfeldpark» ist in Staffelbach ein Quartier mit Grossstadtcharakter entstanden. Mit all seinen guten und schlechten Attributen. Der Begriff «Staumauer», angelehnt an die Aarauer Telli-Hochhäuser, bürgerte sich bei der Bevölkerung schon während der Bauphase ein. «Für die Gemeinde ist es gut, dass das Baugebiet nach 30 Jahren endlich erschlossen wurde», sagt Gemeindeschreiber Marc Hochuli.

Man habe aber nicht damit gerechnet, dass gleich das ganze Gebiet Oberfeld auf einmal verbaut wird, sondern das neue Quartier über mehrere Jahre gestaffelt entstehen würde. «Für Alteingesessene mag die aus einem grünen Landstück geschossene graue Siedlung gewöhnungsbedürftig sein; die Jungen können sich aber wohl schnell daran gewöhnen und sicher auch vorstellen, einst «Im Oberfeldpark» zu wohnen», so Hochuli.

Ursprünglich waren mehr Eigentumswohnungen konzipiert, diese verkauften sich jedoch schleppend. Als beobachtet wurde, wie begehrt die Mietwohnungen im Crowdhouse-Gebäude waren, seien 7 Wohnungen eines anderen Hauses ebenfalls in Mietwohnungen geändert worden, sagt Bauleiter Silvan Bärtschi. Von den 14 Eigentumswohnungen sind 9 verkauft, von 38 Mietwohnungen (mit Crowdhouse-Haus) sind 29 vermietet. (fdu)

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